«Dogsharing»

14. April 2017 22:01; Akt: 14.04.2017 22:01 Print

Jetzt werden sogar schon Hunde geteilt

Airbnb, Uber oder Mobility: Teilen ist in der Wirtschaft in Mode. Start-ups übertragen das Konzept nun auch auf Hunde. Die Tierpsychologin warnt.

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Ein Spaziergang mit dem Hund macht Spass: viel frische Luft, Fitness und dazu ein kleiner Strolch, der einen mit süssen Augen anblickt. Doch was tun, wenn man am Wochenende kurz nach London jetten möchte? Wohin mit dem Hund? Gerade den Millennials wird es dann schnell mal zu viel des Guten.

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In den USA haben es sich daher Start-ups wie BorrowMyDoggy, DogHero, HouseMyDog, BabelBark oder HappyTail zum Ziel gemacht, ihren Kunden Spass mit Hunden zu ermöglichen – aber ohne die lästigen Pflichten. Die meisten betreiben eine App, über die Hundebesitzer für ihren Hund ein Profil à la Facebook oder Instagram erstellen können.

Ein Beispiel von HappyTail zeigt, wie das in etwa klingen kann: «Hallo, mein Name ist Hugo! Ich bin ein glücklicher Golden Retriever und lebe mit meinen Menschen-Eltern in Stockholm. Ich suche jemanden, der jeden Donnerstag auf mich aufpassen kann. Am liebsten würde ich auch gleich von Donnerstag auf Freitag jeweils bei dir übernachten. Meine Lieblingshobbys sind: Tennisbällen nachrennen und schwimmen.»

«Ein Hund ist keine Ware»

Die Schweizer Tierpsychologin und Hundezüchterin Ursula Bührer zeigt sich skeptisch gegenüber dem neuen Trend. Auch in ihrer Praxis höre sie immer öfter, dass jemand seinen Hund «sharen» möchte. Sie finde diesen Ansatz etwas egoistisch, sagt sie auf Anfrage von 20 Minuten: «Die Leute wollen beruflichen Erfolg und gleichzeitig noch einen Hund – man kann aber nicht immer alles haben.»

Von verschiedenen Personen geteilt zu werden, sei meist eine grosse Stressituation für das Tier, so Bührer weiter. «Ein Hund ist keine Ware, sondern ein Lebewesen, das sich an seine Bezugspersonen bindet.» Im Idealfall seien das zwei Erwachsene oder eine Familie. Alles, was darüber hinaus gehe, könne verwirrend für den Hund sein – und im schlimmsten Fall zu Schnappen oder übermässigem Bellen führen.

Apps kosten teilweise Geld

Umsonst ist das Ganze nicht: Während gewisse Dienste über die Hunde-Apps gratis verfügbar sind, kosten andere auch Geld. Bei der englischen App BorrowMyDoggy beispielsweise müssen Hundebesitzer 45 britische Pfund (rund 56 Franken) bezahlen, um Mitglied zu werden. Wer gern einen Hund ausleihen möchte, zahlt zehn Pfund.

Im deutschsprachigen Raum gewinnt das Konzept gerade erst an Bekanntheit. Mit Hundelieb.com gibt es einen österreichischen Anbieter, der sich die Vernetzung von Hundebesitzern und Hundefreunden zum Ziel gesetzt hat. Grundsätzlich wäre die Website, deren Benutzung kostenlos ist, auch in der Schweiz verfügbar. «Bisher beschränken wir unsere Werbeaktivitäten allerdings auf Deutschland und Österreich», erklärt Sibora Halili von Hundelieb.com.

(kwo/vb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jules am 14.04.2017 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entscheidung gefragt

    Ist wie mit den Kindern... nur ist das heute schon schlechte und traurige Wahrheit. Entscheidet euch endlich... Kind Hund oder Job und Karriere. Aber nicht beides zusammen ihr Egoisten!!!

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  • Renate am 14.04.2017 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebewesen sind nicht zum Teilen

    Unglaublich, in ein paar Jahren teilen wir auch noch Kinder

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  • zh am 14.04.2017 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    trurrig

    Frage mich wenn es Menschen Sharing geben wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jean am 15.04.2017 22:31 Report Diesen Beitrag melden

    Super...

    ...wenn dann die Frauen vielleicht bald auch soweit wie diese Hunde sind, werd' ich mir das mit dem Heiraten, doch noch überlegen

  • Tierfreund ohne Hund am 15.04.2017 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann auch positiv sein

    Manchmal ändern sich Lebenssituationen und anstatt den Hund weggeben zu müssen, können andere Leute unterstützen. Ich habe keinen eigenen Hund, aber viel Erfahrung, Kurse etc. ich hüte regelmässig einen Hund, besuche mit ihm die Hundeschule etc. Klappt seit über 2 Jahren bestens. Ich gehöre halt nun auch zu seiner 'Familie'. Besser als nicht genügend mit dem Hund rausgehen, sich um ihn kümmern etc. Übrigens mache ich dies aus Liebe zum Hund, Geld will ich keines.

  • Sabine am 15.04.2017 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein letzter Hund

    Ich habe, meinem Hund zuliebe immer nur 40% gearbeitet. Als meine Ehe in die Brüche ging, war von Anfang an klar, dass mein Hund nicht darunter leiden soll. Also habe ich bis zu ihrem Tod, weiterhin nur 40% gearbeitet. Ich musste mich finanziell extrem einschrenken und auf vieles verzichten. Zusätzlich musste ich jeden Monat, Geld von meinem Ersparten brauchen, damit ich über die Runden kam. Vor 5 Wochen musste ich nun meinen Liebling mit 14 Jahren einschläfern lassen, da sie sehr krank war. Ich vermisse sie so sehr und weiss, dass sie mein letzter Hund war. Jetzt muss ich 100% arbeiten gehen und somit kommt für mich leider kein Hund mehr in Frage. Auch wenn mich dieser Gedanke so traurig macht, ist dies die einzige vernünftige Entscheidung-dem Tier zuliebe.

  • Maia am 15.04.2017 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen Sharing

    Menschen Sharing gibts schon lange - denkt mal gut darüber nach......nur das es halt unter dem Namen Seitensprung bekannt ist!

    • Nationless am 15.04.2017 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Maia

      Oder über Human Ressources und Temporärbüros. Also wieso nicht Hunde. Es findet immer den Weg zum Herrchen.

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  • Anne89 am 15.04.2017 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bindung?

    Ich gebe Frau Bürer recht, auch wenn es mir schwer fallen würde, die Worte so gemässigt zu finden. Ich habe mein Leben lang schon Hunde, und ich mag mich an keinen erinnern, der für "Dogsharing" geeignet gewesen wäre. Meine Hunde haben sehr eine enge Bindung zu meiner Familie und mir. Wenn jemand fehlt, werden sie unruhig. Es wäre für sie schrecklich, regelmässig weggegeben zu werden. Und mir würden sie schon nach einer Stunde fehlen.. Wenn jemand seine Hunde wirklich liebt, kann er sie nicht frohen Herzens die halbe Zeit ausleihen, dann stimmt etwas mit der Bindung ganz klar nicht!