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Pharma
03. September 2010 19:55; Akt: 03.09.2010 19:56 Print
Pechsträne für Roche
von Sandro Spaeth - Der Pharmariese Roche muss sparen. Der Grund: Regierungen aus aller Welt drücken die Medikamentenpreise. Noch viel gravierender ist aber: Beim Kassenschlager Avastin nehmen die Probleme zu.

(Bild: Keystone)
Roche setzt den Rotstift an und überprüft seine Ausgaben. Wo genau ist unklar: «Es handelt sich um eine konzernweite Initiative, bei der alle Funktionen weltweit ihre Strukturen und Prozesse überprüfen», so Roche-Sprecherin Anette Walz zu 20 Minuten Online. Damit ist klar: Betroffen ist auch der Standort Basel, wo der Grossteil der
Fakt ist: Roche hat jährlich weltweite operative Kosten von 34 Milliarden Franken – und diese müssen sinken. Analysten gehen davon aus, dass der Pharmagigant die Ausgaben um eine bis zwei Milliarden senken kann. «Das Sparprogramm ist eine Reaktion auf das sich verändernde Umfeld», so Vontobel-Analyst Andrew Weiss zu 20 Minuten Online. Der Grund: Die Regierungen drücken überall auf die Kostenbremse im Gesundheitsbereich. Trotzdem ist der Basler Pharmariese laut Weiss gut aufgestellt. «Die meisten Pharmafirmen haben erst mit Restrukturierungen begonnen, als sie vom Auslaufen von Patenten betroffen wurden.» Bei Roche sei die Situation aber anders, denn bei den Baslern liefen in den kommenden Jahren nur wenige Patente ab.
Rückschläge mit Kassenschlager
Dafür häufen sich die Probleme mit der Zulassung neuer Medikamente: Im Mai musste Roche die Entwicklung eines Medikaments gegen Arthritis wegen unerwünschten Nebenwirkungen einstellen und im Juni wurde bekannt, dass ein für 2011 angekündigtes Diabetes-Medikamten frühstens 2013 eingeführt werden kann. Für Sorgenfalten sorgt auch der bisherige Kassenschlager, das Krebsmedikament Avastin, womit im letzten Jahr 6,2 Milliarden Franken verdient wurde. In den USA droht dem Krebsmedikament der Entzug der Marktzulassung. Eine schlechte Nachricht betreffend Avastin traf bei Roche auch Ende August ein: Die britische Gesundheitsbehörde lehnte Avastin zur Behandlung von Darmkrebs als zu teuer ab.
«Roche hatte dieses Jahr einfach eine Pechsträhne», sagt der ZKB-Analyst Michael Nawrath. Das Unternehmen hätte die Quittung dafür aber bereits erhalten. Dies verdeutlicht der Blick auf den SMI: Der Roche-Titel hat seit dem 1. Januar über 16 Prozent verloren. Noch schlechter entwickelten sich nur Holcim und Actelion. Zum Vergleich: Roches Konkurrent Novartis verlor in der gleichen Periode nur 1 Prozent. In der Pharmabranche sind Glück und Pech manchmal nahe beieinander: «Als Roche 2004 das damals revolutionäre Avastin lancierte, war auch Glück dabei», so Nawrath.
Börse honoriert Entlassungsankündigung
Laut dem ZKB-Anlaylsten Navrath sind bei Roche die Zeiten des überproportionalen Wachstums im Vergleich zum Pharmamarkt vorerst vorbei. Schon nächstes Jahr könnte sich dies aber ändern: «Gelingt es Roche neue Medikamente einzuführen, dürfte das Unternehmen wieder stärker wachsen als der Markt.» Damit rechnet auch ein von 20 Minuten Online kontaktierter Börsenhändler: «Die guten Zeiten für Roche kommen wieder». Wichtig sei, dass der Konzern in dieser Situation nicht zuviel bei der Forschung spare. Denn: Die Ergebnisse aus der Forschung sind die Medikamente von morgen.
Obwohl über das Restrukturierungsprogramm nichts Konkretes bekannt wurde, hat der Markt die Ankündigung positiv aufgenommen. Die Roche-Titel legten am Freitag um fast zwei Prozent zu.























