Make-up im Job

31. August 2017 11:28; Akt: 31.08.2017 11:28 Print

«Schminkvorschriften sind unzulässig»

von Isabel Strassheim - Wenn Arbeitgeber Make-up vorschreiben, ist dies laut Unia unzulässig. In einigen Branchen gelten sogar Grenzen fürs Schminken.

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McDonald's Schweiz kennt zwar keine allgemeine Schminkpflicht. Aber eine Filiale in Bellinzona hatte ihre Mitarbeiterinnen offenbar unter Make-up-Zwang gestellt. Dies aber ist unzulässig und ein zu starker Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, sagt der Zürcher Anwalt und Arbeitsrechtler Georges Chanson zu 20 Minuten. Weil nur Frauen betroffen seien, könne man sich sogar fragen, ob nicht eine Diskriminierung im Sinne des Gleichstellungsgesetzes vorliege.

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Auch Unia-Sprecher Pepo Hofstetter sagt: Arbeitgeber könnten zwar ein angemessenes Erscheinungsbild verlangen. «Aber es muss sich in klaren Grenzen halten.» Laut Unia sind zum Beispiel auch High-Heels- oder Décolleté-Vorschriften für die Arbeit unzulässig. Dies gehe klar zu weit, weil es nichts mit dem Job zu tun habe.

Statt einer Schminkpflicht gibt es in einigen Branchen Grenzen fürs Make-up:

• Banken:
Bei Credit Suisse heisst es: «Es steht jeder Person frei, sich zu schminken oder eben nicht.» Für Angestellte in unseren Cash-Service-Filialen gelte, dass sie sich, wenn überhaupt, dann dezent schminken sollten. Bei UBS gibt es dagegen keine spezifischen Vorgaben für Make-up.

• Gastronomie:
Bei der Ospena-Gruppe, die 18 Molino-Restaurants in der ganzen Schweiz betreibt, gibt es eine Make-up-Limite: «Wenn geschminkt, dann nicht zu stark», sagt Sprecherin Sabina Karpf. In den vegetarischen Hiltl-Restaurants gibt es dagegen keinerlei Vorschriften – ausser zu duschen und Deo zu verwenden: «Die Leute sollen sich selbst sein», sagt Rolf Hiltl. Laut Brigitte Meier vom Verband Gastrosuisse richten sich Auftreten und Bekleidung des Personals zunehmend am individuellen Konzept und an der Marken-Philosophie der einzelnen Restaurants aus.

• Flugbranche
Bei Swiss ist Lippenstift oder getöntes Lipgloss in Rot- oder Brauntönen für das weibliche Kabinenpersonal Pflicht, wie Sprecherin Meike Fuhlrott schreibt. Zudem wird ein dezentes Make-up empfohlen. Allgemein heisst es: «Als offener und zeitgemässer Arbeitgeber respektieren wir die Individualität unserer Arbeitnehmer.»

• Verkauf
Auch wenn einem in Warenhäusern und Parfümerien oft stark geschminkte Verkäuferinnen auffallen: Den Mitarbeiterinnen mit direktem Kundenkontakt ist es in den Kauf- und Modehäusern der Loeb-Gruppe freigestellt, sich zu schminken oder nicht. Es gebe kein Reglement hierzu, sagt CEO Ronald Christen. Bei Manor heisst es: «Das Aussehen soll zum entsprechenden Rayon und zur Person passen.» Es gebe aber keine spezielle Regelungen fürs Make-up.

«Hinter einem Schminkzwang stehen normative Vorstellungen, wie eine Mitarbeiterin auszusehen hat», sagt Geschlechterforscherin Fabienne Amlinger. Das Weiblichkeits- und auch Schönheitsideal sei standardisiert und damit auch klar beschränkt. «Dieser Vorstellung entsprechend sind Frauen nur attraktiv, wenn sie geschminkt sind.» Und: Offensichtliches Make-up wie Lippenstift wird allein Frauen zugeschrieben. «Wie tief das verankert ist, merkt man bei einem Gedankenexperiment: Was, wenn ein Mann sich so schminken würde?» Die freie Ausdrucksmöglichkeit und die Vielfalt geht damit allgemein verloren.

Aus Sicht einer Stilberaterin sieht die Sache anders aus: Gerade in Berufen mit Kundenkontakt empfehle sie, dass sich Frauen leicht schminkten, sagt Susanne Abplanalp von Kniggetoday.ch. Der Grund: «Dies wirkt gepflegter und drückt somit die Wertschätzung des Gegenübers aus.» Dabei sei auf dezentes Make-up zu achten.«Zu starke Farben wirken aufdringlich und lenken zudem von der eigentlichen Aufgabe ab.» Das gelte auch für grelle oder stark gemusterte Kleidung. Und zwar bei Frauen wie bei Männern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julia am 31.08.2017 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Je nach Beruf

    Kommt halt drauf an, wo man arbeitet. Wenn man im Verkauf einem Kunden etwas teurere Dekorativkosmetik verkaufen soll, dann ist es wohl besser, wenn man ein bisschen geschminkt ist.

  • Amina123 am 31.08.2017 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    klarstellung

    ich finde, gepflegt aussehen hat mit make up creme oder puder nichts gemeinsam,so wie es frau abplanalp darstellt. ne ordentliche frisur,korrekte kleidung sollten genügen. ich 'schmiere' mir weder getönte tagescremes noch puder ins gesicht. meine augen bekommen lidstrich,wimperntouche und kajal...mehr brauchts nicht. schon gar nicht im mc donalds, fritteusendampf usw...

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  • L.K. am 31.08.2017 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Je nach dem...

    Wenn man als Verkäuferin von Pflege -und Make-up Produkten arbeitet, finde ich sollte man schon geschminkt sein. Ist ja dann sicher auch im eigenen Interesse. Aber eine Make-up Pflicht bei McDonalds, dass geht eindeutig zu weit...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Soso... am 01.09.2017 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    "Dies [Schminke] wirkt gepflegter"

    Ich lasse mich viel lieber von jemandem beraten, der nicht aussieht wie in den Farbtopf gefallen und dazu noch riecht wie ein wandelnder Parfumflakon, dem man olfaktorisch nicht entkommen kann. "Gepflegt" ist das meiner Meinung nach nicht - ganz im Gegenteil. Saubere Kleidung und Körper (also geduscht und gekämmt), geordnete Arbeitsumgebung und anständiger, freundlicher Ton sind für mich von Belang.

  • unbekannter am 01.09.2017 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    keine anderen Probleme...

    haben wir keine wichtigeren Probleme auf der Welt?!

    • Martial2 am 01.09.2017 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @unbekannter

      Ein Forum ist da um zu diskutieren, damit jede/jeder seine Meinung, Ideen, Vorschläge auch Kritiken anbringen kann, Danke!!

    • @martial am 01.09.2017 20:38 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist ja Kritik

      was der Unbekannte anbringt, also beteiligt er sich an der Diskussion. Wo ist das Problem? ;)

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  • Jean Weiss am 01.09.2017 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht

    Man stelle sich die Vielfalt der Jobs vor, sind auch im Theater Schminkvorschriften unzulässig?? (Es gibt in den USA zum Beispiel Sportsbars wo die Bedienung richtig verkleidet ist, und die ganze Szenerie durchaus in Richtung Theater geht, denn man will dem Kunden ein Erlebnis vermitteln. Solche Konzepte dürfen dann gar nicht mehr existieren)

  • Cabin Crew Lola am 01.09.2017 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Flugbranche

    Der Abschnitt von Swiss ist in sich schon widersprüchlich. Sie sagen, sie respektieren die Individualität der Arbeitnehmer, schreiben aber wiederum vor, in welchen Tönen sich das weibliche Kabinenpersonal die Lippen zu schminken hat (rot oder braun). Pink oder Violett geht nicht oder was? Ebenfalls sind sie gar nicht ein so zeitgemässer und offener Arbeitgeber, wie sie sich immer darstellen wollen. Menschen mit kleinen Tattoos werden als Kabinenpersonal abgelehnt, als seien sie etwas Schlechteres. Wow, hier wird Individualität gross geschrieben....

  • Astrid am 01.09.2017 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bleibt ästhetisch

    Na ja wenn ich rumlaufen würde wie ein explodierter Schminkkasten dann klar. Sehe dann ja aus wie irgendwo aus dem Nachtgewerbe, alles hat so seine Grenzen. Auf einer Bank oder bei M oder Coop mit Kundenkontakt einen Ausschnitt bis zum Bauchnabel ist auch nicht das gelbe vom Ei. Privat ist es egal wie man rumläuft. Ist aber auch manchmal privat auch sehr peinlich wenn ältere Frauen Bauchfrei ihre Runzeln wie eine Handorgel rumzeigen. Es sollte alles immer ästhetisch bleiben und nicht zum Horrorzenarior ausarten.