Industrie 4.0

11. Februar 2016 23:25; Akt: 12.02.2016 09:31 Print

So schützen Sie sich vor der Roboter-Konkurrenz

von K. Wolfensberger - Roboter werden die Arbeitswelt grundlegend verändern. Zehntausende Schweizer Jobs könnten verschwinden. Was kann man tun, um nicht verdrängt zu werden?

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Roboter sollen die Arbeitswelt grundsätzlich verändern. Oliver Bendel von der FHNW sagt: «Alles, was mit manueller Arbeit zu tun hat, kann nach und nach ersetzt werden. Wie eine neue Studie des Weltwirtschaftsforums gezeigt hat, sind aber auch Bürojobs durch Roboter bedroht.» «Alle Bereiche der Arbeitswelt werden durch Industrie 4.0 und die technologischen Innovationen, die mit dem Konzept zusammenhängen, tiefgreifende Änderungen erfahren», sagt Prof. Dr.-Ing. Hans Wernher van de Venn von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Auf dem Bild: Bundesrat Johann Schneider-Ammann besucht das Robotische Fertigungslabor an der ETH Zürich. Es sei aber schwer abzuschätzen, wie die Entwicklung in den Unternehmen, die Industrie 4.0 umsetzen, ablaufen wird. «Dafür ist nicht alleine die Technik ausschlaggebend», so van de Venn. Auf dem Bild: Das vollautomatische Medikamenten-Lager in der Damian Apotheke in Nussbaumen bei Baden. Moritz Hämmerle vom Fraunhofer-Institut in Stuttgart nennt Zahlen zu Deutschland: «Es gibt verschiedene Studien zur Beschäftigungsentwicklung durch Digitalisierung/ Industrie 4.0. Die pessimistischsten sehen ca. 45 Prozent der deutschen Arbeitsplätze als gefährdet an, die optimistischen sehen allein für Deutschland einen Beschäftigungsaufbau von etwa 350.000 Jobs.» Auf dem Bild: Ein Roboter ordnet Käse der Alp L'Etivaz in der Schweiz. FHNW-Professor Hannes Lubich beschwichtigt im Bezug auf pessimistische Schätzungen: «Es ist zu bemerken, dass die Schätzungen und der Zeithorizont eine grosse Varianz aufweisen, da einfache lineare Prognosen für solche Veränderungen nicht ausreichen und die Zahlen oft auch im Sinne eines Weckrufs oder zur Untermauerung politischer oder gesellschaftlicher Ansprüche verwendet werden.» Auf dem Bild: Bucher Hydraulics-Mitarbeiter Torsten Klar beim Fertigungsroboter für Steuerblöcke. Markus Krack von der Fachhochschule Nordwestschweiz sagt:« Vor allem niederqualifizierte Jobs werden verschwinden. Der klassische Fabrikarbeiter hat ausgedient.» Bild: Das Tiefkühllager und Logistik-Zentrum der Migros in Neuendorf. Bernhard Isenschmid, Technologie- und Innovationsexperte am Hightech Zentrum Aargau sagt zu 20 Minuten: «Besonders gefährdet sind Arbeitsplätze, bei denen wiederholendende, einfache Tätigkeiten gefordert sind. Diese lassen sich durch Robotik und Automation erledigen. Neu sind aber auch Arbeiten die kognitive, nicht repetitive Tätigkeiten beinhalten dem Druck der aktuellen Entwicklung ausgesetzt.» Fintech-Entrepreneur Marc P. Bernegger meint zum Bankwesen: «Bereits heute führt die Digitalisierung und Automatisierung zum Abbau diverser Arbeitsplätze bei Banken.» Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds hält die Diskussion im Gegensatz zu den anderen befragten Experten für einen Hype: «Wir gehen aber davon aus, dass der überbewertete Franken einen wesentlich stärkeren Rationalisierungsdruck ausübt als die teilweise neu verfügbaren Technologien», sagt er zu 20 Minuten.

Der Mensch muss dem Roboter immer mehr weichen.

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Die Wissenschaft ist überzeugt: Roboter werden vielen Arbeitern und Angestellten den Arbeitsplatz wegnehmen. Hinzu kommt die fortschreitende Digitalisierung von Dienstleistungen, die ebenfalls Stellen verschwinden lässt. Laut Oliver Bendel, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), kann von den Robotern alles, «was mit manueller Arbeit zu tun hat, nach und nach ersetzt werden». Moritz Hämmerle vom Fraunhofer-Institut bestätigt: «Die sehr formalisierten und stark repetitiven Tätigkeiten stehen unter Druck, von intelligenten Maschinen ersetzt zu werden.»

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Das heisst: Fabrikhallen, früher dicht belegt von Arbeitern, die Bauteile im Akkord bearbeitet oder montiert haben, finden sich heute in fast keinem Betrieb mehr. «Roboter und automatisierte flexible Fertigungssysteme haben ihre Arbeit übernommen. Der Lagerist ist bald Geschichte, ersetzt durch vernetzte Lagersysteme», so Markus Krack von der FHNW.

Höhere Anforderungen

Wie schützen sich Arbeitnehmer davor, von einem Roboter ersetzt zu werden? Hämmerle sagt: Die Industrie 4.0
erhöht die Qualifikationsanforderungen an die Mitarbeiter. Diese bräuchten mehr Digitalkompetenz sowie die Fähigkeit zum Austausch mit Maschinen. Krack empfiehlt Arbeitnehmern daher, sich in Bereichen wie Informatik, Automation oder Prozessmanagement weiterzubilden. «Lebenslanges Lernen ist ein Muss, um in der neuen Arbeitswelt zu überleben.»

Dabei sei ein Studium nicht zwangsläufig notwendig für den beruflichen Erfolg, erklärt Mechatronik-Professor Wernher van de Venn: Eine gute Berufsbildung ist weiterhin eine passende Voraussetzung für eine Tätigkeit in der Industrie. Grosses Potenzial haben sicher Jobs in den Bereichen Technik, IT, Betriebswirtschaft und Logistik.»

Gewisse Jobs werden trotzdem verschwinden, da helfe auch keine Fortbildung, erklärt Bendel. Wer noch vor der Ausbildung steht, der solle bedenken: «In den nächsten Jahren braucht es gut ausgebildete Informatiker, Wirtschaftsinformatiker, Robotiker und Experten für Künstliche Intelligenz.» Doch auch die Geisteswissenschaftler werden im künftig von Automatisierung geprägten Zeitalter noch benötigt.

Auch neue Jobs entstehen

Auch Bürojobs bei Banken könnten bald wegfallen: «Bereits heute führt die Digitalisierung und Automatisierung zum Abbau diverser Arbeitsplätze im Finanzwesen», erklärt Fintech-Investor Marc P. Bernegger. Langfristig seien über 50 Prozent der heutigen Jobs gefährdet, da viele Abläufe bei Banken ohne persönlichen Kundenkontakt automatisiert werden könnten.

Bernegger erkennt in der Digitalisierung und Industrie 4.0 auch eine Chance. Bei technologischen Sprüngen wie der Industrie 4.0 entstünden auch neue Berufsfelder. «Ich glaube, dass es hilft, sich mit Themen zu beschäftigen, für die man sich persönlich interessiert und die man mit einer gewissen Passion verfolgt.»

Veränderungen geschehen nicht über Nacht

Auch FHNW-Professor Hannes Lubich beschwichtigt: «Veränderungen geschehen nicht über Nacht.» Arbeitgeber hätten bei guter Planung genügend Zeit, sich auf die Veränderungen durch die Industrie 4.0 vorzubereiten. Reisebüros und Buchhandlungen hätten gezeigt, dass durch Umstellungen auch Mehrwerte für Kunden geschaffen werden können.

Eine Position, die Bernhard Isenschmid, Technologie- und Innovationsexperte beim Hightech Zentrum Aargau, unterstützt: «Der Mensch wird nicht aus der Arbeitswelt verdrängt werden. Engagierte Mitarbeiter spielen nach wie vor eine zentrale Rolle.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Hügli am 11.02.2016 23:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann mir nicht vorstellen

    dass meine Arbeit als Handwerker, der neue Häuser baut und alte restauriert, durch Roboter ersetzt wird. Handwerk hat einfach einen "goldenen Boden".

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  • Arbeitnehmer am 11.02.2016 23:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft geht unter

    Tja liebe Wirtschaft, herzliche Gratulation zur Selbstvernichtung. Vielleicht habt ihr es noch nicht bemerkt, aber ein Roboter konsumiert nicht und braucht auch keine Dienstleistung. Kennt ihr den Wirtschaftskreislauf???

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  • Dino 18 am 11.02.2016 23:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nichts überlegen

    wenn ich nichts mehr Kaufen kann, was nützt ein Roboter.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jan am 12.02.2016 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit 2.0

    Heute müssen wir für den Arbeitsmarkt fit sein und bilden uns weiter. In Zukunft besitzt jeder einen Roboter den er an Betriebe vermietet. Diesen muss man dann stets auf dem neusten Stand halten damit dieser für dem Markt interessant bleibt.

  • Robert am 12.02.2016 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Griechen

    Die Griechen beschaeftigten Sklaven, wir Roboter, moderne Zeit. Ich habe ca 60 Robots programmiert, welche 24hrs arbeiten, ohne Mucksen. Jeder kann dies, man suche Chancen ..

  • Sandro am 12.02.2016 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Verlagerung!

    Der Roboter übernimmt gewisse menschliche Arbeit, dabei entstehen aber wieder neue Arbeiten (Programmierung des Roborters, Service, Wartung, Neuentwicklung, Installation usw) aber dann muss man sich eben weiterbilden. Früher hat es auch mehr Schuhmacher etc. gegeben.

  • Roli am 12.02.2016 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alles mit Robotern

    Bei uns im Holzbaubereich wird die Robotik schon häufig in der Fertigung angewendet. Bei mir in der Planung und erst recht draussen auf dem Bau mache ich mir aber überhaupt keine Sorgen dass wir von Maschinen abgelöst werden. Schaut mal die Geschichte der Firma Ford an, immer mehr wurde automatisiert und immer mehr Arbeiter entlassen. Bis jemand herausfand, dass wenn niemand einen Job hat, auch niemand Geld hat ein Auto zu kaufen. Danach wurde wieder ein grosser Teil der Automation Rückgängig gemacht. Meine Voraussage: Es kommt wieder die Zeit wo gutes Handwerk wieder viel mehr Wert sein wird.

  • Thomas am 12.02.2016 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich bald

    Ich hoffe dass diese Entwicklung bald passiert. Wenn ich sehe wie viele Leute in der Schweiz die ausgezeichnete Schulbildung in die Tonne treten um nach 9 Jahren (sauteurer und) hochwertiger Schulbildung auf dem Bau oder in einer Fabrik verrotten, wird mir schlecht. Der Mensch soll sein grösstes Kapital, nämlich seinen Intellekt nutzen, Hände kann man bauen... Es ist schade dass so viele Leute in der Vergangenheit leben anstatt sich nach vorne zu orientieren. Und an alle Jobverlust-propagandeure; Mit der Automatisierung entstehen sehr viele neue und interessante Jobs...!!

    • Roli am 12.02.2016 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      @ Thomas

      So, nach Ihrer Meinung braucht es auf dem Bau keinen Intellekt? Sie dürfen gerne einmal 2-3 Monate vorbeikommen und mitarbeiten. Wenn wir nicht selber Lösungen für alle Probleme erarbeiten würden, wären ganz viele studierte Architekten ganz schön am Anschlag. Aber schön zu hören wie ich meine Schulbildung in die Tonne getreten habe und wie unsere Arbeit geschätzt wird ;-)

    • kurt am 12.02.2016 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas

      nach 9 Jahren haben sie nur das obligatorische. dann müsste man ein Studium machen welches vciel zu wenige machen

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