Firmen-Gründungen

16. Oktober 2016 08:10; Akt: 16.10.2016 08:10 Print

Jungen fehlt der Mut zum Unternehmertum

von D. Vollenweider - Nur drei Prozent der 18- bis 24-Jährigen können sich vorstellen, eine Firma zu gründen. Grund: Sie wollen ihre Komfortzone nicht verlassen.

Die Hochschule für Wirtschaft in Freiburg bietet ein Camp für Jugendliche mit Unternehmergeist an.
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Die Schweizer Bevölkerung hat eine positive Einstellung zum Unternehmertum. Trotzdem tut sie sich schwer, selbst eine Firma zu gründen. Besonders deutlich zeichnet sich dieser Trend bei den 18- bis 24-Jährigen ab. Gerade einmal 3,1 Prozent der jungen Schweizer ziehen eine Firmengründung als Karriereoption ernsthaft in Betracht.

Umfrage
Können Sie sich vorstellen, ein eigenes Unternehmen zu gründen?
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12 %
8 %
26 %
Insgesamt 4173 Teilnehmer

Damit liegt die Schweiz auf dem 18. Platz von insgesamt 22 Ländern. Das zeigt die neuste internationale Studie zu Firmengründungen, der sogenannte Global Entrepreneurship Monitor (GEM). In der Schweiz hat die Hochschule für Wirtschaft (HSW) in Freiburg dafür über 2000 Personen zu ihrer Einstellung zum Unternehmertum befragt.

Woran liegt diese Lustlosigkeit der Jungen? «Die Schweizer Jugend scheint nicht bereit zu sein, die Komfortzone einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit zu verlassen», sagt Rico Baldegger, Direktor der HSW in Freiburg. Nach der Ausbildung sei die Situation für Junge auf dem Arbeitsmarkt zudem positiv, was die Motivation zur Gründung einer eigenen Firma mindere.

Unternehmertum als Schulfach

Er sieht aber auch Handlungsbedarf – besonders im Schweizer Bildungswesen: «Unternehmertum sollte schon früher gefördert werden und spätestens im Sekundarschul-Alter fix in den Lehrplan aufgenommen werden», so Baldegger. Nur wenn Kreativität und Gründergeist schon früh unterstützt würden, könne sich Unternehmertum als Berufsoption in der Schweiz durchsetzen.

Über alle Alterskategorien gesehen, haben zwischen 2013 und 2015 7,3 Prozent der Schweizer ihre eigene Firma gegründet. Damit liegt die Schweizer Gründungsrate leicht über der von Nachbarländern wie Italien oder Deutschland, jedoch deutlich unter Kanada (14,75 Prozent), Australien (12,8 Prozent) und den USA (11,9 Prozent). Die neuen Schweizer Gründer waren vorwiegend männlich und zwischen 35 und 44 Jahre alt. Das bestätige, dass bei der jungen Generation und bei potenziellen Gründerinnen angesetzt werden müsse.

Jungen fehlt der Mut zum Unternehmertum

«Die Resultate bezüglich Frauen und Unternehmertum schwanken stark», sagt Baldegger. Sie seien vor allem vom Teilzeit-Arbeitsmarkt abhängig. In den früheren Jahren nahm der Anteil an Gründerinnen beispielsweise zu, weil der Leidensdruck laut Baldegger grösser war. Das heisst: Die Notwendigkeit, ein Unternehmen zu gründen, um überhaupt berufstätig zu sein, war grösser.

Zu hohe Steuern, zu viel Bürokratie

Auch müsste die Schweiz positive Rahmenbedingungen bei der Besteuerung von Start-ups schaffen. Besonders im Kanton Zürich leiden Jungunternehmen unter der restriktiven Besteuerung.

Zudem sind die bürokratischen Hürden noch immer sehr hoch. In der Studie zeigt sich, dass über 50 Prozent jener, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben, ihre Geschäftstätigkeit aufgrund der Bürokratie wieder aufgeben. Immerhin hat die Schweiz mit 1,7 Prozent unter allen Ländern den tiefsten Anteil an Unternehmern, die ihre Tätigkeit in den letzten Monaten wieder aufgegeben haben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • max b. am 16.10.2016 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Risiko zu hoch

    Ich denke eher dass es auch eine finanzielle Sache ist. Man invenstiert alles was man hat und geht dann pleite. Am Schluss steht man alleine da und jeder will dann sein Geld. Als Selbstständiger, vor allem zu Beginn, muss man halt auch einplanen dass 60h/Woche und mehr Standart sind.

  • Mani am 16.10.2016 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zufrieden

    ich bin seit 28 jahren selbständig und würde es wieder machen.Reich bin ich dabei nicht geworden aber ich konnte immer alles bezahlen war mein eigener chef und bin zufrieden. Hallo ich bin reich an Zufriedenheit.

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  • Johnson Elvis am 16.10.2016 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hätte ich auch gerne

    Aber woher soll man die finanziellen mittel nehmen wenn man wie ich normalverdiener ist und ne Familie hat?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mum am 17.10.2016 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer wagt es zuerst?

    Was ändert sich nach diesen vielen Kommentaren? Werden Politiker,Banken,Versicherungen endlich wach und haben den Mut wieder etwas mehr zu wagen ,oder wird die Kohle weiterhin bei den oberen 10 tausend hin und her hgeschoben?Die kleinen kann man ja bluten lassen bevor man sie ins Boot holt,wehe ein Sturm kommt wird der Kleine über Bord geworfen und die Kohle wird neu verteilt nach dem Motto gibst du mir gib ich dir,aber gib du mir zuerst.

  • Thomas am 17.10.2016 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenschaften eines Unternehmers

    Was sind eigentlich die Eigenschaften eines Unternehmers. Er muss gerne Arbeiten, gerne Probleme lösen, Menschen für eine Sache begeistern können und er muss Menschen mögen. Ja, Menschen mögen. Ich sage ja auch Unternehmer und nicht Manager. Das ist ein gewaltiger Unterschied!

  • Jimmy am 17.10.2016 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach tun...

    Der richtige Moment wird nie kommen. Habe mich auch mit 26 Jahren selbstandig gemacht, ohne Kapital, ohne Kundenstamm, ohne Job nebenbei...Ich bin nicht reich aber die Arbeit erfüllt mich und ich arbeite im Sommer in der Badi :-) Man muss einfach ein Risiko in Kauf nehmen und von seinem Erfolg überzeugt sein! Viel Erfolg!

  • Klein anfangen am 17.10.2016 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    Mut zur Tat

    Ich bin 23 Jahre alt und habe vor etwas mehr als 4 Jahren gemeinsam mit meiner Freundin das erste Unternehmen gegründet. Angefangen hatten wir mit CHF 3'000. Mittlerweile haben wir 3 Festangestellte und mehrere Teilzeitmitarbeiter. Neben dem eigenen Unternehmen haben wir lange noch nebenbei gearbeitet. Freizeit war für uns immer zweitrangig und wir hatten und haben viel Spass bei der Arbeit. Viele schreiben hier, sie hätten das Geld nicht für eine Selbständigkeit. Man kann auch langsam anfangen und hat zur Sicherheit auch noch ein zweites Standbein...

  • Marianne boernberg am 17.10.2016 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts'

    Wenn wunderts - nicht mal Arbeitslosengeld bekommt man, wenn man eine eigene Firma hat bzw. hatte - also die Sicherheit ist überhaupt nicht gegeben. Hier wäre die Politik schon lange gefordert, aber macht natürlich nichts. Dazu braucht es viel Geld um eine eigene Firma über Wasser zu halten, als 24 jähriger hat man das einfach nicht und woher soll das Geld kommen - nicht von den Banken!