Kritik an zertifiziertem Anbau

26. Oktober 2017 12:36; Akt: 26.10.2017 12:36 Print

«Schweizer, esst bitte kein Palmöl mehr»

von Isabel Strassheim, Bern - Migros und Coop setzen auf zertifiziertes Palmöl. Das aber vergrössere nur das Problem, sagt eine Aktivistin aus Honduras zu 20 Minuten. Selbst dem WWF reicht das eigene Label nicht.

Botschaft an die Schweizer Konsumenten: Die unter Todesdrohungen stehende Aktivistin vom Volk der Garifuna aus Honduras konnte von 20 Minuten leider nicht direkt gefilmt werden. Auch ihre Stimme wurde zu ihrem Schutz verzerrt.
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Palmöl steckt fast überall drin: In Nutella, Nivea-Creme, Waschmittel. Doch der Anbau gilt als problematisch, weil für ihn Regenwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden. Deswegen setzen die Detailhändler Migros und Coop bei ihren Eigenprodukten auf zertifizierten Anbau und sind Mitglied der Organisation Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO). «Das schadet jedoch mehr, als es hilft», kritisiert B. G.* gegenüber 20 Minuten. Die Vertreterin des Volkes der Garifuna aus Honduras ist im Rahmen der Petition «Palmöl heisst Landraub» bei den Entwicklungsorganisationen Brot für alle und Fastenopfer in Bern sowie bei der UNO in Genf. Als Aktivistin erhält sie in Honduras Morddrohungen und muss ihre Identität auch im Ausland schützen. Deshalb konnte 20 Minuten die Frau im Video auch nicht zeigen und hat ihre Stimme verzerrt.

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«Schweizer, esst bitte kein Palmöl mehr», fordert B. G. Denn auch die Zertifizierung schütze ihr Volk und sein ursprüngliches Land nicht. «Sie beruhigt nur das Gewissen und führt zu noch mehr Konsum und Produktion.» Auf dem Land der Garifuna wird laut B. G. heute zertifiziertes Palmöl hergestellt. Das Wasser des Flusses Aguán sei mit Pestiziden und Kunstdünger verseucht. «Es gibt bei uns viel Hunger und die Leute ziehen in andere Regionen oder wandern in die USA aus», sagt B. G. «Obwohl die Garifuna Urkunden über ihr Landeigentum haben, ist bislang keine Entschädigung bezahlt worden, auch Gerichtsklagen halfen nicht», erklärt sie.

WWF, Migros und Coop reicht ihr eigenes Label nicht

Weltweit sind bislang 20 Prozent der Palmölproduktion RSPO-zertifiziert, so die Umweltorganisation WWF. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des RSPO. Biozertifiziert und damit strengeren Kriterien für Mensch und Umwelt entsprechen lediglich 0,1 Prozent des Palmöls. Rund 80 Prozent und damit die grosse Mehrheit des Öls genügt keinerlei internationalen Standards.

«Im RSPO-Standard sind noch lange nicht alle Kriterien abgedeckt, die nötig wären», sagt WWF-Schweiz-Sprecherin Corina Gyssler. Der Einsatz gefährlicher Pestizide sei etwa erlaubt. «Der im Jahr 2004 geschaffene Mindeststandard ist aber besser als gar keiner.» Ziel des WWF sei, die Kriterien Schritt für Schritt zu verschärfen. Dennoch sagt auch Gyssler: «Der steigende Verbrauch von Palmöl muss uns zu denken geben.»

Palmöl ist billig und dient als Biotreibstoff

Palmöl boomt derzeit weltweit. Der Grund: Es ist im Vergleich zu anderen Ölen besonders billig ist. Zudem schmeckt es neutral und bleibt auch bei Zimmertemperatur zähflüssig, was zum Beispiel für Schoggifüllungen günstig ist. Der Anbau ist effizient und verbraucht zur Erzeugung derselben Menge weniger Fläche als Raps- oder Sojaöl. Weil Palmöl auch gern als pflanzlicher Treibstoff eingesetzt wird, steigt der Verbrauch zurzeit vor allem in Europa.

Coop und Migros verwenden nach eigenen Angaben ausschliesslich zertifiziertes Palmöl. «Wir sind auch der Meinung, dass RSPO noch nicht so weit ist, wie wir uns dies wünschen», sagt Coop-Sprecher Ramón Gander. Wie auch der WWF engagiert sich Coop für die Verschärfung der Anforderungen. Ebenso Migros.

B. G. von den Garifuna in Honduras will dagegen keine strengere Zertifizierungs-Standards. Sie und ihr Volk wollen ihr Land zurück, um wieder selbst davon leben zu können. Dafür setzt sie sich diese Woche bei einem Besuch der UNO in Genf ein, wo Gespräche über einen international verpflichtenden Vertrag für Unternehmen zur Einhaltung der Menschenrechte laufen.

* Der richtige Name ist der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Aarauerin am 26.10.2017 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Palmölfrei

    Wir leben ohne Palmöl. Auch wenn es zu Beginn wirklich eine Herausforderung ist, herauszufinden und zu wissen in welchen Produkten Palmöl enthalten ist, lohnt sich die Mühe und wir können unsere Lebensmittel mit gutem Gewissen geniessen. Meiner Meinung nach sollte Palmöl in der Schweiz auf die schwarze Liste gesetzt und verboten werden!

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  • Kudi am 26.10.2017 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau hinschauen

    Sogar im KägiFret steckt Palmfett drin. Langsam sind alle meine Lieblings-Riegel mit dem Zeug verseucht

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  • norina am 26.10.2017 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    palmöl- UND plastikfrei

    es ist echt manchmal fast ein ding der unmöglichkeit, produkte ohne palmöl zu kaufen. mit der zeit kennt man aber die palmöl- und auch plastikfreien produkte... nehmt euch bitte einfach die zeit dazu! (p.s.: nestlé meide ich wehement!! aber achtung, nestlé versteckt sich hinter vielen anderen markennamen)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tuzzp am 27.10.2017 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ok aber Nutella auch okay

    Finde es nicht toll aber auf Nutella würde ich sicher nicht verzichten.

  • Soso2 am 27.10.2017 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tiere

    Beginnen wir doch zuerst mit dem Thema Pelz... nur leider können die Tiere selber nicht an die Öffentlichkeit um zu reden und zu warnen! !

    • AlexK am 27.10.2017 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Soso2

      Ja, gehen sie am besten nach drüben zu den Hungerleidenden, und erklären denen, dass wir uns zur Zeit leider auf Pelzträger fokusieren müssen.

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  • Doofe Nuss am 27.10.2017 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Palmöl Import

    Warum wird nicht einfach der sog. Import von Palmöl und Import von Produkte mit Palmöl verboten? Dann gibts auch nichts mehr zu kaufen, was Palmöl enthält. Wäre ja so einfach! Aber nein, man flöplet lieber die Konsumenten, statt die Produzenten! Polierte-Beamten-Bananen-Republik-Schweiz.

    • Yannick95 am 27.10.2017 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Doofe Nuss

      weil sich dann die halbe schweizer bevölkerung kein essen mehr leisten könnte, firmen die darauf angewiesen sind schliessen würden und die wirtschaft kollabieren würde?

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  • Akzeptanz am 27.10.2017 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Atmen nicht vergessen

    Ich finde es verrückt wieviele Konsumenten mit all den Ideologien verunsichert werden. Ich denke man kann Umweltschutz auf paar ganz einfache Sätze reduzieren, isolieren sie ihr Haus, gehen sie soviel wie möglich zu Fuss, Kaufen sie unverarbeitete Lebensmittel, verzichten sie auf Wasch/Putzmittel und Waschlotionen, Schampoos so gut es geht..und lachen sie möglichst viel. Wenn sie ein Kind haben, verbringen sie genügend Zeit mit ihm, Kochen backen etc. Bepflanzen sie gemeinsam den Balkon/ Garten mit sinnvollen Pflanzen (Bienen/ iNsekten) und leben sie so glücklich wie möglich ..

  • pb am 27.10.2017 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geld und die welt

    das thema wird viel zu wenig behandelt... viele kennen dieses problem mit palmöl gar nicht. man sollte die menschheit mal richtig aufklären, wie es leider mit der welt zugrunde geht... wie überall, geld regiert die welt. manche möchten dagegen etwas tun, aber sobalds mehr kostet schauen sie weg

    • Tinu am 27.10.2017 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      Fahren Sie fort

      Dann klären Sie uns doch auf! Ich warte auf Ihren Expertenbericht. Danke!

    • bp am 27.10.2017 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tinu

      hallo tinu. schauen sie doch mal oben im bericht über das palmöl. da steht schon praktisch alles und im video wirds auch noch erklärt. das problem sollte man noch weiter öffentlich machen, damit nacher jeder davon weiss

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