Spirituosen-Importe

03. Mai 2012 21:41; Akt: 04.05.2012 13:55 Print

Whisky fliesst, Pflümli bleibt stehen

von Elisabeth Rizzi - Schweizer Schnapsbrenner sind in der Krise: Die Flut von ausländischem Wodka und Whisky hat viele heimische Betriebe weggespült - und selbst die Trinkgewohnheiten verändert.

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Die Schweizer Brennereien, die überlebt haben (Im Bild Etter), nehmen sich die schottischen Single-Malt-Produzenten als Vorbild. (Bild: Etter)

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1999 war das Horrorjahr für viele Schnapsbrennereien in der Schweiz. Damals führte der Bund den Einheitssteuersatz für Spirituosen ein. Seither werden eingeführte Spirituosen gleich hoch besteuert wie die Produkte aus Schweizer Rohstoffen.

Im Klartext: Ausländische Billigware flutet die Schweiz. Insbesondere die Importe an Wodka und Whisky sind hochgeschnellt. Mit einem Einfuhranteil von 15 011 Hektolitern bzw. 18 770 Hektolitern übertreffen Wodka und Whisky inzwischen sogar die heimische Produktion von 19 451 Hektolitern Kernobst- und Spezialbränden. Gerade noch 20 000 bis 30 000 Tonnen Obst werden in der Schweiz zu Lebenswassern verarbeitet.

Ausländische Billigschnäpse

«Seit der Marktöffnung ist die einheimische Schnapsproduktion auf nur mehr ein Fünftel bis ein Sechstel des ursprünglichen Volumens zurückgegangen» klagt Reto Wehrli, Präsident des Schweizer Brennerverbandes. Es sei zu einem veritablen Brennereiensterben gekommen. «Von den grossen Brennereien existiert mit Diwisa nur noch eine einzige», so Wehrli.

Zu allem Übel sei der Markt nämlich nicht nur mit Wodka und Whisky, sondern auch mit ausländischen Billig-Obstschnäpsen überschwemmt worden. Das hat laut Toni Eberhard von der Brennerei Dettling den Preisdruck durch die Grossverteiler erhöht. So seien innerhalb der letzten zehn Jahre die Preise für einheimisches Kirschwasser teilweise um 40 Prozent eingebrochen.

Von den Schotten lernen

Doch nicht genug damit. Wodka-Orange, Whisky-Cola und andere Mixturen haben auch die Trinkgewohnheiten der Schweizerinnen und Schweizer verändert. Das «Gastro Journal» titelte neulich nicht zufällig «Grappa ist den meisten zu stark». Man müsse die Nasen in der Tat wieder an die hiesigen Schnäpse gewöhnen, glaubt auch Wehrli.

Das Ende der Brandwasser will er dennoch nicht herbeireden. «Schnaps oder Kirsch sind eine Frage der hiesigen Kultur und des Genusses», ist er überzeugt. Für seine Branche seien die Single-Malt-Brennereien in Schottland das grosse Vorbild. Ihnen sei es gelungen, das Interesse der Leute für die Brennereien zu wecken, ihre Produkte als naturnah und hochwertig zu vermarkten sowie in atmosphärische Storys zu verpacken. Die Schweizer Brennereien müssten bei dieser Dimension ansetzen, da sie im Preiskampf der Billigprodukte keine Chance hätten.

Kirsch im Eis

Das haben inzwischen auch einzelne Destillerien erkannt. Das Traditionshaus Etter etwa setzt auf die Fruchtbrand-Entwicklung. «Vor fünfzehn Jahren waren Vieille-Produkte eine absolute Nische bei uns», erzählt Gabriel Galliker-Etter. Inzwischen machen die mundgerechteren Barrique-Wasser bereits 30 Prozent des Umsatzes aus. Auch sanftere Liköre seien inzwischen im Sortiment. Zudem werde immer weiter an den traditionellen klaren Wassern gefeilt.

Auch bei Marktführer Diwisa ist man nicht untätig: «Wir haben schon seit vielen Jahren in den Aufbau eigener Marken investiert, um so von der Obstbrandproduktion unabhängiger zu werden», sagt Betriebsdirektor Adrian Affentranger. Weitherum bekannt ist die Brennerei inzwischen für ihren Trojka Wodka.

Bei Dettling schliesslich sind die Marketingkosten inzwischen fast gleich hoch wie jene für die Rohstoffe. Dafür kann die Brennerei ihre Produkte auch bei Globus verkaufen. Dettling-Kirsch findet sich zudem in Mövenpick-Eis. Spricht Eberhard für die ganze Branche, verdüstert sich allerdings sein Ausblick: «Zumindest im mittleren Segment ist zu befürchten, dass der Abschwung noch weitergeht. Die Gefahr ist gross, dass die Grossverteiler weiter auf die Preise drücken», glaubt er.

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