Spektakuläre Börsengänge

02. Februar 2012 14:25; Akt: 02.02.2012 16:02 Print

Die Goldgräber im Internet-Business

von Elisabeth Rizzi - Nun geht Facebook definitiv an die Börse. Vor dem Internet-Netzwerk wagte eine ganze Reihe von IT-Firmen den Gang an die Öffentlichkeit - mit unterschiedlichem Erfolg.

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Das Internetportal Yahoo ging schon 1996 an die Börse und überlebte die Dot-Com-Blase unbeschadet. Im Gegenteil: Zwischenzeitlich wurde Yahoo vom Softwaregiganten Microsoft heftigst umworben. Der Windows-Riese wollte 2008 33 Dollar pro Aktie zahlen. Nachdem Yahoo die Übernahme abgelehnt hatte, sackten die Papiere auf knapp 15 Dollar ab. Anfang dieses Jahres verabschiedete sich Yahoo-Gründer Jerry Yang aus dem Unternehmen, was die Investoren wieder hoffen lässt. Ein Jahr später ging der Internet-Händler Amazon an die Börse. Dazumal fragten sich Kritiker noch, ob E-Commerce-Anbieter überhaupt je schwarze Zahlen erreichen könnten. Tempi passati: Der Kurs der Amazon-Aktie ist heute 119 Mal höher als beim Börsengang. Der Online-Händler ist heute weltweiter Marktführer. Der Gewinn betrug 2011 trotz Halbierung gegenüber dem Vorjahr 631 Millionen Dollar. Auch hinter das Internet-Auktionshaus Ebay stellten Skeptiker Fragezeichen. Nichtsdestotrotz hat es sich etabliert und ist heute Marktführer. 2010 machte der Händler, der inzwischen auch Neuware anbietet, einen Umsatz von 9 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 1,8 Milliarden Dollar. Im gleichen Jahr ging der Online-CD-Verkäufer CDnow an die Börse. CDnow zählte zu den populärsten Webseiten weltweit. Inzwischen ist er aus dem Markt verschwunden und in Amazon aufgegangen. Die Domäne cdnow.com wird heute von einer Firma verwendet, die nichts mehr mit der ursprünglichen Kultfirma zu tun hat. Auch die Schweizer Börse erlebte um die Jahrtausendwende einige spektakuläre Börsengänge. Dazu zählt etwa das Initial Public Offering (IPO) von The Fantastic Corporation im Jahr 2000. Sogar der Newsanbieter Reuters engagierte sich beim Unternehmen. Fantastic baute nicht grundsätzlich auf Fantasie, war aber schlicht seiner Zeit voraus. Es baute an Breitband-Multimedia-Software, als sich der Grossteil der Internetuser noch geräuschvoll mit einem Analogmodem über die Telefonleitung ins Netz einwählte. Ebenfalls mit Software-Versprechungen köderte Think Tools die Anleger an der Schweizer Börse. Um 288 Prozent kletterte der Aktienkurs am ersten Börsentag im Jahr 2000. Die Emission war 30 Mal überzeichnet worden. Doch steckte am Schluss nicht mehr als heisse Luft im Unternehmen. Das von Think Tools entwickelte Programm wurde als billig und trivial entlarvt - zu spät. Die Firma rutschte in die Verlustzone und wurde 2004 mit Redit fusioniert. Redit wiederum beantragte 2009 die Dekotierung von der Börse; wegen Verlusten. Als Erfolg präsentiert sich dagegen die Geschichte von Day Interactive; auch das ein ehemaliges Lieblingskind der Schweizer Börse. Die Basler Software-Firma wurde 1993 gegründet und im Jahr 2000 kotiert. Zwar geriet auch dieses Unternehmen zu Beginn des Jahrtausends in die Verlustzone. Doch gelang es ihm, sich wieder aufzurappeln. 2010 übernahm der kalifornische Softwarekonzern Adobe die Day Software für 255 Millionen Franken. Im Gedächtnis der Anleger bleibt auch der fulminante Börsengang des 1995 gegründeten niederländischen Internetportals Lycos im Jahr 2000. Lycos warf eine der ersten Suchmaschinen auf den Markt und zählte zu den 25 Top-Internet-Adressen der Welt. Indes musste das europäische Suchportal 2008 die Pforten schliessen. Der Börsenkurs ist um 99 Prozent gefallen. Das weltweit tätige Lycos inc. wiederum wurde 2010 an den indischen Provider Ybrant Digital verkauft. Einige Jahre später ging der Datengigant Google an die Börse und hatte mehr Glück als Lycos. Der Schritt an die Öffentlichkeit hat Google 1,9 Milliarden Dollar in die Kassen gespült. Der Aktienkurs ist heute fünfmal höher als 2004. Das Unternehmen arbeitet höchst profitabel. Schon lange vor Facebook wagten andere soziale Netzwerke den Börsengang, so etwa Xing im Jahr 2006. Der Kurs des vor allem beruflich genutzten Portals hat sich heute trotz Finanz- und Schuldenkrise um Faktor 1,6 vervielfacht. Letztes Jahr ging auch Konkurrent Linked-In an die Börse. Die Spekulationen im Vorfeld und die regelrechte Kursexplosion lösten Ängste vor einer Internetblase aus. Ursprünglich hatte das Netzwerk einen Börsenwert von rund drei Milliarden Dollar angepeilt. Stattdessen war das Netzwerk mit rund 1300 Beschäftigten nach dem ersten Handelstag bereits rund neun Milliarden Dollar wert. Ebenfalls an die Börse kam letztes Jahr die beliebteste Suchmaschine Russlands, Yandex. Sie sammelte an der Wallstreet 1,3 Milliarden Dollar ein. Bei ihrem Börsendebüt schnellten die Aktienkurse um 40 Prozent in die Höhe. Auch das Schnäppchenportal Groupon ging letztes Jahr an die Börse; allerdings in einem viel stärkeren Zickzack-Kurs als Yandex. Zuerst jubelte die Investorengemeinschaft das Unternehmen zum neuen Börsenstar mit einem Bewertungspotenzial von 20 bis 30 Milliarden Dollar hoch. Zweifel am Geschäftsmodell sorgten dann jedoch dafür, dass der Börsengang immer wieder hinaus gezögert wurde. Am Schluss war die Nachfrage aber dann doch höher als erwartet. Groupon setzte rund 700 Millionen Dollar mit dem IPO um.

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Der Hype Börsengänge von IT-Unternehmen hat Tradition. 1993 kamen die ersten grafikfähigen Webbrowser auf den Markt. Seither ist der Vormarsch des Internets nicht mehr aufzuhalten. Weil die Möglichkeiten des World Wide Web so unendlich sind, wurde das Internet schnell zur Projektionsfläche von Investitionsfantasien. Eine wahre Goldgräberstimmung breitete sich Ende der Neunzigerjahre aus. Sie ging in die Geschichte ein mit dem unrühmlichen Begriff «Dot-Com-Blase».

Schon damals drängten Firmen mit astronomischen Bewertungen an die Börse und heizten die Gier der Anleger an. Yahoo, Amazon, Ebay aber auch die Schweizer Firmen Fantastic, Day Interactive oder Think Tools sind Beispiele. Viele dieser Sterne verglühten mit einem grossen Knall, als die Blase platzte. Manche dümpeln heute noch als Penny-Stocks vor sich hin. Nur wenige konnten sich behaupten.

Auch nach der Dot-Com-Blase Börsengänge

Der Aktienkurs des Internet-Händlers Amazon etwa hat sich sage und schreibe 119 mal vervielfacht seit dem Börsengang. Ebay ist immerhin 19 mal mehr wert. Und sogar der serbelnde Internetportal Yahoo ist trotz ausgeschlagener Übernahme durch Microsoft 12 mal mehr wert als Mitte der Neunzigerjahre.

Auch nach dem Internet-Kater zu Beginn des Jahrtausends gab es verschiedene spektakuläre Börsengänge von Web-Firmen. So ging etwa der Datenkrake Google 2004 an die Börse. Und auch das soziale Netzwerk Xing wagte 2006 erfolgreich den Schritt in die Öffentlichkeit. Heute hat sich der Aktienkurs von Xing trotz Finanz- und Staatsschuldenkrise um 1,6 vervielfacht. Einen fulminanten Börsenstart legte schliesslich letztes Jahr auch Konkurrent LinkedIn hin.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Kritiker am 02.02.2012 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Nur kurzfristiger Erfolg möglich

    Man setzt den Gewinn von Facebook ins Verhältnis zur Börsenkapitalisierung und erhält so die Rentabilität des Eigenkapitals. Man schaut sich dann auf den Finanzmärkten um und sieht, dass andere Gesellschaften mit tieferem EK wesentlich höhere Gewinne machen. Am Ende weiss man, dass nichts, als heisse Luft dahinter ist und die Facebook-Manie in 3 - 4 Jahren wieder vorbei und das Geld futsch ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Kritiker am 02.02.2012 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Nur kurzfristiger Erfolg möglich

    Man setzt den Gewinn von Facebook ins Verhältnis zur Börsenkapitalisierung und erhält so die Rentabilität des Eigenkapitals. Man schaut sich dann auf den Finanzmärkten um und sieht, dass andere Gesellschaften mit tieferem EK wesentlich höhere Gewinne machen. Am Ende weiss man, dass nichts, als heisse Luft dahinter ist und die Facebook-Manie in 3 - 4 Jahren wieder vorbei und das Geld futsch ist.