Air-Berlin-Pleite

17. August 2017 08:06; Akt: 17.08.2017 08:06 Print

Was ändert sich nun in der Flugbranche?

von Isabel Strassheim - Air Berlin fliegt zwar noch, aber für Experten ist klar, dass die Airline zerschlagen wird. Dann dominiert Lufthansa mit Swiss und Austrian Airlines im deutschsprachigen Raum.

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Bis zum Herbst kann Air Berlin dank eines staatlichen Überbrückungskredits noch fliegen. «Es ist aber grundsätzlich davon auszugehen, dass die Airline mittelfristig aus dem Markt fallen wird», sagt der Aviatik-Experte der Universität St. Gallen, Andreas Wittmer, zu 20 Minuten. Die zweitgrösste deutsche Fluggesellschaft hatte am Dienstag Insolvenz beantragt. Nun reissen sich die Konkurrenten um ihre profitablen Teile.

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«Der Rausfall von Air Berlin hat zur Folge, dass Lufthansa mit ihren Tochtergesellschaften zur dominanten Airline im deutschsprachigen Raum wird und je nach Entwicklung eine Monopol-Stellung erhalten kann», sagt Wittmer. Lufthansa und mit ihr Swiss und Austrian Airlines dürften versuchen, am die frei werdenden Start- und Landerechte (Slots) zu gelangen. Diese Zeitfenster von ein bis zwei Minuten an den Flughäfen sind begrenzt und hoch begehrt.

Der Kampf um die Slots von Air Berlin

Der Kampf um die Slots ist nun in vollem Gang: Ab Zürich besitzt Air Berlin über den ganzen Tag verteilt Slots. «Swiss ist generell an allen Slots – unabhängig davon, welche Airline sie freigibt – interessiert, die in unsere Hauptabflugzeiten fallen und den täglichen Betrieb verbessern», sagt Swiss-Sprecher Stefan Vasic. Entweder kann Swiss über die Übernahme von Air-Berlin-Teilen durch Lufthansa an diese gelangen, wenn die Wettbewerbsbehörden dies zulassen. Oder aber durch die Vergabe an der regelmässig in Brüssel stattfindenden Slotkonferenz. «Für Swiss könnte das eine Möglichkeit für neue Routen mit Marktpotenzial sein», sagt Wittmer. Aber auch andere Fluggesellschaften sind an Slots und eventuell auch an neuen Strecken interessiert.

Auch wenn mit Air Berlin bald ein Anbieter wegfallen dürfte, sollte das auf die Ticketpreise keine Auswirkungen haben. «Vor allem in Europa werden sie niedrig bleiben», sagt der deutsche Aviatik-Experte Cord Schellenberg. Grund seien die nach wie vor bestehenden Überkapazitäten. Auch Wittmer sieht weiterhin einen Verdrängungswettbewerb, der über die Flugpreise ausgetragen wird. Mit weiteren Pleiten sei jedoch nicht zu rechnen, jedenfalls mit Ausnahme von Alitalia, die ebenfalls insolvent ist.

Riesige Nachfrage diesen Sommer

Europas Flugbranche ist in einer stabilen Phase. Daran ändert auch die Air-Berlin-Pleite nichts, denn sie geht auf strategische Unternehmensfehler zurück. Die generelle Nachfrage nach Flügen sei in den wichtigen Sommermonaten gestiegen, berichteten Lufthansa wie auch IAG (British Airways und Iberia). Aber immer noch bestehen Überkapazitäten, die die Ticketpreise niedrig halten. Die Airlines erzielen trotzdem höhere Gewinne: Ihre neuen Flugzeuge fliegen kostensparender – und weisen mehr Sitzplätze auf, was eben zu dem Überangebot führt.

Der durchschnittliche Ticketpreis von Ryanair beträgt 40 Euro, so Schellenberg. «Das Geschäftsmodell der Billigflieger geht auf, weil sie auch von Zusatzeinnahmen wie dem Essen- und Getränkeverkauf oder Mietwagenvermittlung leben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Keypeele85 am 17.08.2017 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    Coole Umfrage:) Sehr passend zum Thema, Übernahme, Insolvenz und so.

  • Pitri am 17.08.2017 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....

    nun ja und wenn Airberlin gewisse Flugzeuge nicht mehr fliegen lassen können, können sie diese dann beim Flughafen BER deponieren, dort starten und landen ja noch länger keine Flugzeuge.

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  • Nemo am 17.08.2017 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    .......

    Anständiger Tarif für anständige Beförderung. Billig, billig, billg. Ich kanns nicht mehr hören.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • José Conde am 18.08.2017 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Arrogante Piloten

    Geschieht recht mit solchen Firmen die sich arrogant mit den Kunden verhalten. Wir (2+1) wurden am Flughafen ZH stehen gelassen, weil wir ein wenig zu spät dran waren. Das Flugzeug war noch da, aber der Pilot wollte uns nicht mehr mitnehmen. Auch ein R-Brief wurde nicht mal beantwortet. Die Konkurrenz lässt grüssen, Kunden vergessen nicht alles. Schade um das Personal.

    • C. Fighter am 18.08.2017 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @José Conde

      Naja, die andern 280 Passagiere waren wohl froh, mussten sie nicht auf dich warten. Und weil sie nicht warten, sind sie pünktlich...

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  • AndyZüri am 18.08.2017 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hüstel...

    Wer hätte gedacht, dass AirBerlin noch schneller fertig ist als der Berliner Flughafen?

  • PS;L am 18.08.2017 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Atemrobleme

    Das Fliegen ist viel zu günstig - ich bin froh um unsere Umwelt, wenn diese billig Airlines verschwinden - Die Fliegerei und die Schwer-Schifffahrt wird uns mal in tiefen schwarzen Smog hüllen...

  • arke am 17.08.2017 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    Tschüss AB

    ich werd dich nicht vermissen ... 12h warten (sie konnten nichts für die verspätung) aber keine info an die gäste was los ist ... und wenn man fragte wurde man angeschnautzt ... während andere geselschaften abflogen oder ihre leute in die hotels verschoben ... und so ähnliche scenarios hab ich mehrfach erlebt die letzten jahre ... und wegen der jobs ... sicher kurzfristig wirds arbeitslose geben ... nur die neuen airlines die die slots füllen werden, brauchen auch wieder personal für ihre flieger ... also ist es in erster linie eine umverteilung, mehr nicht ...

  • Onkel Albert am 17.08.2017 21:43 Report Diesen Beitrag melden

    Etihad

    Etihad spielt eine entscheidende Rolle. Mit 29% groesster Aktionaer. Ende April sicherte Etihad Air Berlin die notwendigen Finanzen zu fuer einen 18-monatigen Flugbetrieb. Damals wurde auch explizit darauf hingewiesen, dass die Situation der Air Berlin nicht mit der der Allitalia verglichen werden kann. Bei Allitalia scheiterte eine Rettung durch Etihad wegen der Ablehnung des Rettungsplanes durch die Gewerkschaften. Nehme an, dass Etihad und Air Berlin am gleichen Strick ziehen. Berlin ist ein super Zulieferer, und zentraler Europa-Hub.

    • Sagender am 17.08.2017 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Onkel Albert

      Etihad hat selber Probleme. Warum sollten die Air Berlin und deren mieses Management unterstützen? Hätte auch nicht bezahlt, wenn diese Airlines nur auf Geld wartet aus Abu Dhabi und selber nichts spart. Die 150 Mio reichen nicht mal bis Mitte Oktober. Wie auch, bei den Leasinggebühren für die Flugzeuge.

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