Mangel an Talenten

15. Juni 2011 14:06; Akt: 15.06.2011 14:50 Print

«Das ist eine gute Basis für Lohngespräche»

von Hans Peter Arnold - Qualifizierte Arbeitskräfte werden in der Schweiz knapp. Damit steigen für die Mitarbeitenden die Chancen, Lohnerhöhungen zu erringen. Was Sie dabei wissen sollten.

storybild

Unterbezahlten Fachkräften winkt im Herbst eine neue Chance für eine Lohnaufbesserung. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In der Schweiz geben 46 Prozent der befragten Unternehmen an, vom Talentemangel betroffen zu sein, wie aus einer am Dienstag publizierten Umfrage von Manpower hervorgeht. Vor einem Jahr hatte sich rund ein Drittel über den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften beklagt. Letztmals war der Fachkräftemangel in der Schweiz im Jahr 2006 so hoch wie heute.

«Die aktuelle wirtschaftliche Prosperität und die zu erwartenden guten Unternehmensergebnisse sind grundsätzlich eine gute Basis für Lohngespräche», meint Urs Schuepbach, Generaldirektor von Manpower gegenüber 20 Minuten Online. Die Arbeitnehmer seien heute im stark ausgetrockneten Arbeitsmarkt in einer stärkeren Verhandlungsposition. Sie dürften daher durchaus «realistische Forderungen» auf den Verhandlungstisch bringen. Schuepbach: «Ich bin überzeugt, dass sich die längerfristig denkenden Arbeitgeber ihre wertvollen, gut qualifizierten und vor allem auch motivierten Arbeitskräfte angesichts der Schwierigkeiten bei der Rekrutierung etwas kosten lassen.»

«Fachkräfte verdienen bereits überdurchschnittlich»

Michel Ganouchi, Länder-Chef der Rekrutierungsfirma Monster, gibt zu bedenken, dass Fachkräfte in der Schweiz «sehr häufig schon überdurchschnittlich gut verdienen». Dazu komme, dass die Unternehmen sich der Situation bewusst seien und diese Kräfte häufig ohnehin automatisch in bevorstehende Lohnrunden mit einbeziehen würden. Über den Zeitpunkt von individuellen Lohnverhandlungen meint Ganouchi: «Wir glauben nicht, dass es dafür einen optimalen und idealen Zeitpunkt gibt.»

Trotzdem dürfte es laut Experten für Mitarbeitende generell vorteilhaft sein, über Sommer den eigenen Status zu überdenken. Tatsache ist nämlich: Wer erst im Dezember Lohnforderungen stellt, wird häufig mit der immer selben Begründung abgewimmelt: «Dafür gibt es keinen finanziellen Spielraum.» Der Hintergrund: Im Herbst werden in den meisten Unternehmungen die Budgets für das kommende Jahr erstellt.

Tipp: Lohnniveau in Erfahrung bringen

«Auch wir stellen einen Fachkräftemangel fest; und zwar breit abgestützt über verschiedenste Sektoren und Berufskategorien», sagt Rainer Gubler, Geschäftsleitungsmitglied von Humanis, die Manager und Fachkräfte vermittelt. Dem Gebot nach Fortbildung und die Weiterentwicklung der Kompetenzen bestehender Mitarbeiter, um vakante Posten im Unternehmen zu besetzen, komme ein wichtiger Stellenwert zu.

Zur Frage über die Möglichkeiten zu Lohnaufbesserungen meint Gubler: «Es lohnt sich, das durchschnittliche Lohnniveau in Erfahrung zu bringen - zum Beispiel im Gespräch mit Berufskollegen oder mit einem spezialisierten Personalberatungsunternehmen.» Hilfreich sind auch Lohnrechner. Danach könne man durchaus das Gespräch mit seinem Vorgesetzten suchen. Die Erfahrungen würden jedoch zeigen: «Der Lohn ist ein Faktor unter vielen.» Flexible Arbeitszeitmodelle, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Entwicklungsperspektiven oder die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, würden ebenso zählen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dominik Felder am 15.06.2011 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frage

    Eine Frage: Ich weiss, dass ich einiges weniger verdiene als meine Arebtiskollegen. Gemäss Arbeitsbewertungen in den letzten Jahren gehöre ich aber immer zu den "besseren". Nun, ich bin mit 24 Jahren der jüngste im Team. Ist das Alter tatsächlich so Lohnentscheidend und nicht etwa, was ich für Leistungen erbringe? Gruss Dominik

    einklappen einklappen
  • Ulrich Habegger am 15.06.2011 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Du musst warten

    Ja, das ist so. Ich bin mit meinen 47 Jahren der Bestbezahlte, weil auch der ältetste im Team, obwohl die Jüngeren viel mehr Leistungen bringen als ich, verdienen sie weniger.

    einklappen einklappen
  • Greis am 15.06.2011 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Altersguillotine

    Fachkräftemangel ??? Wenn natürlich sämtlichen bestens ausgewiesenen Fachkräften diese Fachkräfte aufgrund ihres Alters plötzlich abhanden(?) kommen (gemäss Einschätzung der Arbeitgeber ab ca. 45-50 Jahren), ja dann gibt es zuwenige!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ingenieur aus Olten am 10.07.2011 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Fachkräftemangel

    Ich bin Ingenieur, 41 Jahre alt, gut ausgebildet und habe einen breiten Rucksack. Wenn ich mich jedoch auf eine Stelle bewerbe kriege ich immer die selben Floskeln zu hören: Zu wenig Erfahrung oder es gäbe Andere die dem Profil noch besser entsprechen würden. Von Fachkräftemangel ist hier keine Spur. Die Firmen sind extrem heikel geworden und wollen keinen Cent für die Integration des Neuen investieren. Man sollte an der neuen Stelle so anfangen, als wäre man schon immer da gewesen.

  • daniel am 10.07.2011 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    wers glaubt

    immer diese geschichten.erst kürzlich wurden viele billige ausländer arbeiter gesucht.und jetzt so was

  • mirco am 10.07.2011 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    auch dieser aufruf stimmt nicht

    ohhh das tönt aber wirklich sehr gut.nur schade,dass den bürgern auch hier nur sand in die augen gestreut wird.vor ein paar tagen haben genau diese laut geschrien.billige arbeiter gesucht ausländer willkommen

  • HR-Frau_Bank am 16.06.2011 06:55 Report Diesen Beitrag melden

    Junge sollen auch x zufrieden sein!

    Sorry, ich verstehe diese Einträge hier nicht. Ich hatte mit 20-25 Jahren gerade mal 4000-4500 Fr. (x12) und das bei einer Bank und diversen guten Schulabschlüssen! Ich weiss wirklich nicht, was die Jungen heute haben. Es ist eine gute Lektion, mit wenig Geld durchzukommen (man denke nur x an die Handyschulden der Jungen)! Heute bin ich knapp über 30ig + verdiene auch erst 5600 x13. Das einzige was ich feststellen musste ist, dass Männer in meinem früheren Job wirklich für die gleiche Arbeit/gleiches Alter z.T. 20% mehr verdienten (ich war fix und fertig) und dabei noch unfähig waren...

    • barbara buffler am 16.06.2011 10:15 Report Diesen Beitrag melden

      mehr arbeit, mehr engagement, mehr lohn

      eben die banken sind sehr interessiert an der weiterbildung junger.ich hatte ein angebot, mit studium, 60%arbeiten und hatte 4000.- musste jedoch halt, ein wenig bei dieser bank bleiben, was ich nur fair finde, da sie die studienkosten und spesen uebernehmen. allgemein denke ich, wir muessen uns einfach weiterbilden, es reicht nicht mehr aus nur zu arbeiten, sonder es ist wichtig in seinem job *aufzugehen*. nur so kann man die geforderten leistungen uebertreffen. und dann hat man auch eine lohnerhoehung verdient. nur aelter werden heisst nicht mehr erfahrung, man kann sich davor auch druecken

    • Martin am 16.06.2011 12:32 Report Diesen Beitrag melden

      oje, du Arme...

      Du sprichst davon, nur 5600 x 13 zu verdienen... Ich bin älter als Du, verdiene weniger und werde wohl kaum je so viel verdienen wie Du.... so viel zu Thema realistisch bleiben! Es gibt auch Leute, die ARBEITEN für Ihr geld hart. und kommt jetzt micht mid dem Spruch von Weiterbildung, Lohnverhandlung oder "such dir einen anständigen Job".

    einklappen einklappen
  • Meyer am 15.06.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Talentmangel ist Lohnabhaengig

    Eine Firma die einen hohen Lohn in Spitzenleute investiert, wird niemals "Talentmangel" haben.

    • Gianin May am 16.06.2011 15:23 Report Diesen Beitrag melden

      Spitzenleute?

      Was sind Spitzenleute?

    einklappen einklappen