Wegelin am Ende

27. Januar 2012 22:00; Akt: 28.01.2012 09:33 Print

Das Lebenswerk eines Bankers ist zerstörtDas Lebenswerk eines Bankers ist zerstört

Die älteste Schweizer Privatbank fällt dem Steuerstreit mit den USA zum Opfer. Das Ende der Bank ist auch das Ende des Lebenswerks von Konrad Hummler, dem geschäftsführenden Teilhaber der Bank Wegelin.

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Konrad Hummler muss seinen Stuhl bei der St. Galler Privatbank Wegelin räumen. (Bild: Keystone/Reuters)

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Die Privatbank Wegelin & Co. zerfällt unter dem Druck der US-Steuerbehörden. Sie hat den Grossteil ihres Geschäfts an die Raiffeisengruppe verkauft. Die Teilhaber der ältesten Schweizer Privatbank reagieren mit diesem Schritt auf eine drohende Klage aus den USA.

Die Ära der 1741 gegründeten St. Galler Privatbank Wegelin ist vorbei. Mit Ausnahme der US-Kunden werden sämtliche Geschäfte in die neu gegründete Notenstein Privatbank übertragen, wie die Wegelin Bank am Freitag mitteilte. Besitzerin des neuen Unternehmens ist die Raiffeisengruppe. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Vermögenswerte der bisherigen Wegelin-Kunden in der Höhe von 21 Milliarden Franken werden vollumfänglich in die Notenstein Privatbank integriert. Auch die 700 Wegelin-Mitarbeitenden wechseln unter das Dach des neuen Finanzinstituts.

Ruder herumreissen

Mit der Zerschlagung der Traditionsbank versuchen die acht Teilhaber der Wegelin Bank, im Steuerstreit mit den US-Behörden das Ruder noch herumzureisen. Die Bank war im Sog der Steueraffäre rund um die UBS auf den Radar der US-Steuerbehörden gekommen. Im Oktober 2010 wurde ein ehemaliger Direktor des Instituts wegen versuchter Geldwäscherei vom Geheimdienst FBI verhaftet.

Anfang Januar wurden dann drei Wegelin-Mitarbeiter in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt. In der Anklageschrift gegen die drei erwähnen die Behörden auch einen Wegelin-Teilhaber und bezeichnen diesen als «Mitverschwörer» - allerdings ohne Namen. Am vergangenen Montag beurlaubte Wegelin den Teilhaber Christian Hafner.

Lebenswerk aufgegeben

Wenige Tage später sah sich die Traditionsbank zum radikalen Schnitt gezwungen. «Gewiss kann man sich vorstellen, wie schwer uns dieser Schritt fällt, geben wir doch unser Lebenswerk auf», schreibt der geschäftsführende Teilhaber Konrad Hummler in einer Mitteilung. Doch die Auseinandersetzung mit den US-Behörden hätten die Bank in eine «ungeheuer schwierige und existenzbedrohende Lage» gebracht.

Die neu gegründete Notenstein Bank soll unter dem Dach der Raiffeisengruppe vor einer Anklage geschützt sein. «Wir kamen zum Schluss, es ist zu verantworten», sagte Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz vor den Medien in Zürich. Die Übernahme der Privatbank sei auch für Raiffeisen «eine gute Lösung».

Die genossenschaftlich organisierte Raiffeisengruppe hat bereits seit Längerem mit der Übernahme einer Schweizer Privatbank geliebäugelt. Raiffeisen bleibe aber eine Gruppe von 330 selbständigen Banken, die auch in Zukunft schwergewichtig im Retailbanking aktiv seien, versicherte Vincenz.

«Keinerlei Beziehungen zur USA»

Die Notenstein Privatbank bleibe eigenständig und werde nicht in die Muttergesellschaft integriert, sagte der Raiffeisen-Chef. Der bisherige Wegelin-Gesellschafter Adrian Künzi ist bei der Notenstein-Bank für das operative Geschäft zuständig. Mit ihm wechselt noch ein weiterer bisheriger Wegelin-Teilhaber in das neue Unternehmen. Gemäss Vincenz stehen beide nicht im Fokus der US-Behörden.

70 Prozent der Notenstein-Kunden stammen aus der Schweiz, 30 Prozent aus weiteren europäischen Ländern. Es gebe also «keinerlei Beziehungen zur USA», betonte Vincenz, der auch Verwaltungsratspräsident der neuen Bank ist. Der Fokus der Bank werde auf der Schweiz liegen.

«Bad Bank» bleibt bei Wegelin-Teilhabern

Das bisherige US-Geschäft der Wegelin-Bank bleibt als eine Art «Bad Bank» bei Wegelin und den sechs verbleibenden Teilhabern. Für die Regelung allfälliger rechtlicher und finanzieller Konsequenzen aus dem US-Geschäft sind somit weiterhin die Bank Wegelin und die darin verbleibenden, unbeschränkt haftenden Teilhaber verantwortlich. Diese sind an der neuen Notenstein Privatbank nicht beteiligt.

Die Finanzmarktaufsicht Finma bewilligte die Wegelin-Aufspaltung und den Verkauf des Nicht-US-Geschäfts an Raiffeisen. Durch diese Massnahmen würden die Risiken, die sich durch die Untersuchungen der US-Justiz gegen die Bank Wegelin ergeben, angemessen berücksichtigt, teilte die Finma mit.

Der Bundesrat wollte am Freitag das Ende der heutigen Wegelin- Bank nicht kommentieren. Mario Tuor, Mediensprecher beim Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen , hielt sich ebenfalls zurück. Der Fall zeige aber, wie notwendig eine Einigung mit den USA sei, damit wieder Rechtssicherheit herrsche.

In den USA wollten weder die Steuerbehörde IRS noch die für den Fall der drei angeklagten Wegelin-Banker zuständige Staatsanwaltschaft in New York am Freitag den Wegelin-Verkauf kommentieren.

(sda)

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  • Supermario am 30.01.2012 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Magenschmerzen

    Die Mehrzahl der Kommentare verursachen mir eklatante Bauchschmerzen. Und zwar darum, weil offenbar die Mehrheit hierzulande immer noch nicht verstanden hat, worum es wirklich geht. Die USA mischen sich in die hiesige Rechtssprechung ein und unsere Regierung tut wenig bis nichts dagegen. Die Geschäftsaufgabe von betroffenen Banken ist dann nur die logische Folge davon. Wegelin ist übrigens nicht die erste Bank die genau deswegen das Handtuch geworfen hat! Neue Zürcher Bank vor ca. 10 Monaten!

  • Sherpa am 29.01.2012 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Millionensumme

    Die Wegelin Kollektivgesellschafter haben doch keineswegs "ihr Lebenswerk" zerstört. Jeder von denen hat eine tolle, mindestens zweistellige Millionensumme "Kohle" bekommen.

  • FWeber am 29.01.2012 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beängstigende Schweizer Labilität

    Die USA setzt sich wieder einmal über alles hinweg und unsere labile Regierung wird mit grosser Sicherheit volle Unterstützung geleistet haben. Eigentlich gibt es ja geltendes Schweizer Recht! Doch wenn unsere Regierung noch weitere, ach so tolle Verträge abschliesst, können wir bald zusammenpacken. Die Schweiz wird Stück für Stück demontiert...

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