Fliegen immer billiger?

18. Juni 2011 10:09; Akt: 18.06.2011 12:20 Print

Airlines nerven mit einer Unzahl von Zuschlägen

von Kian Ramezani - Mit allerlei Gebühren knöpfen US-Airlines ihren Passagieren jedes Jahr Milliarden ab. In Europa machen es ihnen vor allem Billigflieger wie Ryanair und Easyjet nach.

Parodie von MADtv auf den Gebührenwahnsinn in den USA. Einfach alles ausser still Dasitzen kostet etwas. (Video: Youtube)
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5.7 Milliarden Dollar haben amerikanische Airlines im vergangenen Jahr durch Zuschläge für Gepäck, Flugänderungen und -stornierungen eingenommen, schreibt das US-Magazin «The Atlantic». Klingt nach viel, aber: Im selben Zeitraum beförderten sie 720 Millionen Passagiere und setzten insgesamt 170 Milliarden Dollar um. Vor diesem Hintergrund scheinen die Zusatzeinnahmen wie ein Klacks.

Dennoch lohnt es sich, genauer hinzuschauen. In den vergangenen Jahren haben sich Spezialzuschläge zu einer zunehmend wichtigen Einnahmequelle für US-Airlines entwickelt. Wie «The Atlantic» am Beispiel von Delta Air Lines vorrechnet, machten Zuschläge für Gepäck, Flugänderungen und -stornierungen 2007 nur 0.6 Prozent des Gesamtumsatzes der grössten Fluggesellschaft der Welt aus. Bis 2010 stieg dieser Anteil auf 6.9 Prozent – oder fast um Faktor 12. Während ein Delta-Passagier vor drei Jahren durchschnittlich 1.55 Dollar Gebühren pro Flug bezahlte, waren es im vergangenen Jahr bereits 16.39 Dollar.

30 Dollar, um einen Flug zu blockieren

Kommt hinzu, dass inzwischen für eine ganze Reihe anderer Dienstleistungen Zuschläge erhoben werden, die in den 5.7 Milliarden nicht enthalten sind. Gebührenspitzenreiter Spirit berechnet 25 Dollar für das Mitführen von Handgepäck (20 Dollar bei Online-Buchung) und 3 Dollar für ein alkoholfreies Getränk. Für Mahlzeiten bezahlen Passagiere in fast allen US-Airlines. American Airlines verteilt Kissen und Decken für 8 Dollar. Continental verlangt 3 Dollar für Kopfhörer, die bei keiner anderen Airline funktionieren, 30 Dollar, um ein Flugticket für 72 Stunden zu blockieren und 10 Dollar, um vor der grossen Masse einzusteigen. Wer bei U.S. Air übers Telefon bucht, bezahlt dafür 25 Dollar zusätzlich.

Viele dieser Zuschläge haben tatsächlich einen tieferen Sinn. Wer auf ein Kissen oder eine Decke verzichten kann, sollte nicht gezwungen sein, die Bedürfnisse anderer Passagiere mitzufinanzieren. Dasselbe gilt für Mahlzeiten, Getränke und Bordunterhaltung. Auch ein Premium-Sitzplatz (etwa bei den Notausgängen) darf etwas kosten, schliesslich ist deren Zahl beschränkt und man sitzt dort unbestritten bequemer.

Sogar eine Gebühr für das Mitführen von Handgepäck hat einen positiven Effekt, wenn dadurch weniger Passagiere von der Option Gebrauch machen: Mehr Platz in der Gepäckablage und kürzere Schlangen vor der Gepäckkontrolle. Der Sinn anderer Zuschläge erschliesst sich hingegen nicht auf den ersten Blick: Spirit berechnet mindestens 10 Dollar für das Privileg, den Sitzplatz (auch einen schlechten) selbst auszuwählen. Ohne Aufschlag gibt es nur einen Sitz, der einem von der Airline zugewiesen wird.

1 Euro pro Toilettenbesuch

Amerikanische Zustände herrschen in Europa nicht. Nationale Fluggesellschaften wie die Swiss erbringen immer noch zahlreiche Dienstleistungen, ohne dafür eine Zusatzgebühr zu verrechnen. Doch der Preis- und Konkurrenzdruck ist unbarmherzig. Längst haben Billigflieger das amerikanische Gebührenmodell für sich entdeckt und (er)finden ständig neue Dienstleistungen, die sie den Passagieren verrechnen können. Wenig überraschend schwappte die Welle zuerst auf den angelsächsischen Teil Europas über.

Wofür der irische Billigflieger Ryanair alles Zuschläge erhebt, versetzt Passagiere immer wieder in Rage. Ein Reiseexperte hat eine entsprechende Liste erstellt und berechnet, dass eine sechsköpfige Familie mit viel Pech und Sorglosigkeit auf einem Hinflug 3000 Euro zusätzlich hinblättern müsste. Zum Beispiel durch einen falsch geschriebenen Namen. Kostenpunkt 100 Euro online, 150 Euro am Schalter. Oder 20 Euro pro Kilo Übergepäck – maximal 15 Kilo sind erlaubt. Oder eine Kreditkartengebühr von 5 Euro pro Person und Flug, also 60 Euro für eine sechsköpfige Familie mit einem Hin- und Rückflug. Ryanair plant, schon bald 1 Euro pro Toilettenbesuch einzukassieren.

Auch der britische Billigflieger Easyjet lässt sich einiges einfallen. Alle Buchungen (ausser über Visa Electron) ziehen eine «Buchungsgebühr» von 10 Pfund nach sich. Wer mit einer handelsüblichen Kreditkarte bezahlt, legt zusätzlich 2.5 Prozent der Transaktionssumme oder mindestens 4.95 Pfund drauf.

Welche Zuschläge finden Sie unzumutbar? Diskutieren Sie mit.

Dieser Passagier am Londoner Flughafen Gatwick wurde Opfer der restriktiven Handgepäckbestimmungen von Easyjet:


(Video: Youtube/clarkeyqe2)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nara am 19.06.2011 06:36 Report Diesen Beitrag melden

    Jein

    eine Gebühr für Handgepäck finde ich nicht übel, weil was die Leute da alles mitschleppen...das geht auf keine Kuhhaut mehr. Sollen sie's bitte abgeben und nicht in die Kabine mitführen wo dann kein Platz mehr da ist für die Leute mit normalem Handgepäck. Also hierfür eine Gebühr ok. Für Toilette = no go! Für Getränke auf längeren Flügen = no go (zumindest Wasser sollte gratis sein, auf langen Flügen muss man viel trinken, das kann nicht angehen dass Wasser dort so viel kostet). Kreditkartengebühr = bezahlt man ja eh schon, weiss nicht warum die noch mehr abzocken wollen. usw...

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  • Rick am 18.06.2011 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich gut

    Die meisten Aufschläge gibt es ja auch in der Schweiz! Man bekommt bei der Swiss nichts umsonst ausser Getränke (Alkoholfrei) und ein Sandwich! Für Warme Speisen muss man bezahlen sowie für Decken usw. Das Handgepäck etwas Kostet finde ich richtig...Ich sehe keinen Grund, Warum Frau X für einen 6 Stunden Flug Ihr gesammtes Schminksortiment mitnehmen muss...Ich habe meistens 1 kleine Tasche mit Portemonain sowie Lektüren und ein Ladegerät dabei mehr nicht! Das Stornierungen usw. etwas Kosten ist überall so. nur WC besuche müssen Inbegriffen sein!!!

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  • Peter Fischer am 18.06.2011 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Gebuehrenwahnsin

    Ich musste sogar fuer das Online Checkin by United 15 USD bezahlen, damit ich dies ueberhaupt machen konnte. Sitze auswaehlen geht ebenfalls nur gegen Gebuehr. Das ganze auf eine Intercontinental Flug... Und uebrigens... Schon ab 1 Pfund Uebergewicht beim Gepaeck kostet es zusaetzlich 200 USD. Die Grundtickets sind nicht billiger als andere!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Micha am 20.06.2011 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt auch andere Airlines

    Dann nimmt man einfache eine andere Fluggesellschaft. Mein letzter Flug wa mit Delta. 650.- bis nach Phoenix Arizona und wieder zurück!!! Ok, war auch im Winter wo nicht viel los ist. Das war absolut all incl. Keine weiteren Zuschläge, 2 Menus (und zwar SEHR grosse) bis Atlanta, gratis Kopfhörer und gratis Decken und Kissen. Mehrmals Getränke und vor allem der beste und freundlichste Service, den ich je hatte. Beim Rückflug hatte ich dann 15 kg Übergepäck, shopping halt (!). War kein Problem, hat mich keinen einzigen Franken Zuschlag gekostet. Ich muss sagen, Delta hat mir SEHR gefallen.

  • Easyjetterin am 20.06.2011 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    "schlechter" Service: für mich ok...

    Für die Preise die Easyjet bietet nimm ich die "Risiken" gerne in kauf. Wer nicht zuviel erwartet, ist bei der Billigairline gut bedient. Ich habe übrigens noch NIE negative Erfahrungen gemacht. Wer sich auf der Homepage im voraus informiert, wird auch was Gebüren angeht nicht unangenehm überrascht.

  • T.D. am 20.06.2011 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich mit Restaurant?

    Vergleichen wir doch mal mit einer anderen branche. Was würden sie sagen wenn sie im restaurant bezahlen müssen, damit der Kellner die weinflasche öffnet 2.-, für die toliette 1Fr. Für die Garderobe 10.-Fr. Damit sie mit der Partnerin am gleichen Tisch sitzen: 50.- Tische nahe am Ausgang sind teurer. Sie dürfen nur eine Handtasche in restaurant nehemen wenn si dafür 20.- Fr bezahlen, schwerere sind teurer.

  • Ramon am 20.06.2011 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Willkür geht in die nächste Runde

    Kaufen bis man nichts mehr hat - oder doch nicht ?

  • Sebbi am 19.06.2011 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jajaaa diese Fliegerei

    Ich finde es einfach eine frechheit diese ewigen zuschlaege.Die Arlines verdienen an uns Passagieren wirklich zu genuege und mit solchen aktionen werden diese frueher oder spaeter pleite gehen. Easyjet und ryanair haben eine impossante geschaeftschtsidee welche von den kunden nicht mehr mit freude entgegen genommen wird mich inklusive.nun ja wer gut und preiswert fliegen will besonders auf intercontinentalen leggs waehlt keine amerikanische airline