Trick mit Umweltprämie

01. Dezember 2017 11:11; Akt: 01.12.2017 14:34 Print

Tesla soll Geld vom Staat erschwindelt haben

Der kalifornische Autobauer bewarb in Deutschland ein Modell, das es so gar nicht gibt. Die Regierung zieht nun die Konsequenzen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Tesla steht in Deutschland im Verdacht des Subventionsbetrugs, des unlauteren Wettbewerbs und der Konsumententäuschung. Grund: Mit einem Trick soll der amerikanische Hersteller von Elektroautos seinen Käufern Zugang zur staatlichen Umweltprämie von bis zu 4000 Euro verschafft haben, wie das «Manager-Magazin» berichtet.

Umfrage
Was halten Sie von Teslas Prämien-Trick?

Damit hat sich Tesla wohl widerrechtlich staatliche Subventionen erschlichen. Zumindest sieht das offenbar die deutsche Bundesregierung so, denn sie hat den Autobauer von der Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge gestrichen. Das heisst: Tesla-Käufer erhalten keinen Umweltrabatt mehr.

Abgespecktes Basismodel

Die Umweltprämie hatte Deutschland im letzten Jahr eingeführt, um den Absatz von umweltfreundlichen Fahrzeugen zu fördern. Damit nicht auch die bis zu 150'000 Euro teuren Luxusversionen von Tesla subventioniert werden, setzte die Regierung eine Obergrenze fest: Die Prämie galt daher nur für E-Autos mit einem Verkaufspreis bis zu 60'000 Euro.

Doch Tesla-Chef Elon Musk wusste sich offenbar zu helfen. Er erdachte sich einfach ein arg abgespecktes Basismodell für rund 58'000 Euro. Die bei einem Model S eigentlich serienmässigen Standards wie Navigationssystem, Rückfahrkamera oder elektrisch einklappbare Aussenspiegel waren nicht dabei, schreibt das «Manager-Magazin». Diese konnte der Käufer dann mittels «Komfortpaket» dazukaufen. Damit war der Umweltrabatt gesichert.

Ohne Extras gibts keinen Tesla

Verdeckte Testkäufe eines Model S 75D haben nun aber gezeigt: Das Modell war ohne das Komfortpaket gar nicht erhältlich. Wie ein Tesla-Kundenberater dem Testkäufer erklärte, gehe es beim Basismodell ausschliesslich darum, den «Umweltbonus mitzunehmen».

Auch andere Kunden haben laut «Manager-Magazin» ähnliche Erfahrungen gemacht. Entweder stornierte Tesla die Bestellungen des Model S 75D ohne Extras, oder das Auto wurde zum Basispreis geliefert – allerdings mit der Komfort-Ausstattung.

Anschuldigung ist komplett falsch

Tesla wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Die Anschuldigung ist komplett falsch», teil der Autobauer 20 Minuten mit. Man könne in Deutschland eine Basisversion der Model S auch ohne Komfortpaket kaufen. «Solche Versionen haben wir schon an Kunden geliefert», so Tesla. Gegen Verkäufer, die etwas anderes behaupteten, werde man falls nötig entsprechende Schritte einleiten.

(dob)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • giorgio1954 am 01.12.2017 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    USA

    Wenn daselbe eine deutsche Autofirma in den USA machen würde, wäre sie erledigt. Die Amis würden versuchen, sie zu ruinieren.

    einklappen einklappen
  • popi am 01.12.2017 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    2 Tonnen Panzer

    Warum wird so ein Fahrzeug überhaupt gefördert? Weil man 2 Tonnen Gewicht mit Elektrizität bewegt? Das hat doch gar nichts mit Umweltfreundlich zu tun, das bleibt Energieverschwendung.

    einklappen einklappen
  • popi am 01.12.2017 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    ...von der Liste gestrichen...

    Tesla ist zur Strafe in Deutschland nicht mehr "förderfähig". Was für eine abnorme Kuschelstrategie. Bitte eine Millionenklage einreichen, das ist das mindeste.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Al Reid am 02.12.2017 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Systemfehler - grundsätzlich

    Subventionen sind ein künstliches marktverfremdendes Element - wer das benötigt zeigt, dass sein Produkt von den Bürgern als ungenügend eingestuft wird - sorry an alle, welche das anders sehen, denn wenn ihr den Tesla auch so gekauft hättet, warum habt ihr das gesparte Geld nicht wohltätig gespendet?

  • Markus Meier am 02.12.2017 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Andere schummeln bei den Abgaswerten.

    Die Kunden zahlen ja die Zeche! Andere bauen 2 Tonnen Benzin oder Dieselpanzer, stammen aber aus D... daher macht das nie was!

  • Analyst am 02.12.2017 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    An alle Tesla Hasser hier: die Grundmodelle bei jedem deutschen Autobauer fahren auch nicht rum. Jeder, ausnahmslos jeder kauft mehrere Extras. Also identisches Vorgehen. Wenn der Staat zu doof ist, Rabatte auf den Basis- statt effektiven Preis zu geben: selbst Schuld. Und da hier sonst viele so stark in Verschwörungstheorien sind: fällt euch nicht auf, dass der deutsche Wirtschaftsmotor (Automobilbau) der die Trendwende mehr als verschlafen hat, dahinter steckt? Die wollen nur nicht, dass ihre treuen Gold Diesel Fahrer zu Tesla wechseln. Ganz einfach. Trotzdem wird Tesla III der neue Golf.

    • Merak am 02.12.2017 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Analyst

      Aber die Grundmodelle würden genauso geliefert werden wenn der Kunde nur bereit wäre den aufgerufenen Grundpreis zu bezahlen...

    • Analyst am 02.12.2017 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Merak

      Spielt keine Rolle. Wenn die Rabatte auf den Basispreis gegeben werden, dann ist das System falsch. Wenn die deutschen Autobauer - leider dazu unfähig - ein gescheites Elektroauto im Angebot hätten, hätten die genauso profitiert, ohne ein einziges Basismodell zu verkaufen. Reiner Protektionismus, mit dem sich die Tesla Anwälte sicherlich schon zu Recht befassen.

    einklappen einklappen
  • C.Käser am 02.12.2017 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Die gesamte Ökobilanz

    von Elektroautos ist erschwindelt. Kommt aber erst raus wenn alle so einen Föhn haben und zahlen müssen...

    • Tesla am 02.12.2017 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @C.Käser

      Leider falsch. Rechnen Sie beim Verbrenner bitte: Umweltschäden bei Ölbohrungen, Tankerabgase (ganz schlimm), Tankerunfälle, Pipeline (sind nie dicht und Pumpen benötigt immens viel Strom), Raffinerien (Stromverbrauch), Feinverteilung Bahn und Lastwagen. Erst dann können Sie tanken und die Ökobilanz des Verbrenners ist sowas von tot. Also seriös vergleichen und staunen.

    einklappen einklappen
  • ElonTheLegend am 02.12.2017 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Benzinautofahrer sollten zahlen

    Sind halt die Leute selbst Schuld, wenn sie sich kein Elektroauto kaufen und die Staatsgelder nicht an sie gezahlt werden. Besser wäre es, wenn Benzinautofahrer diese Umweltsprämie den Elektroautofahrern zahlen müsste.