Jugendliche erzählen

12. Juni 2017 12:04; Akt: 12.06.2017 12:04 Print

Die harzige Suche nach der passenden Lehrstelle

von V. Blank - In der Schweiz bleiben Tausende Lehrstellen unbesetzt. Dennoch ist es für viele Junge schwierig, den Traum-Ausbildungsplatz zu finden. Betroffene erzählen.

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Trotz Überangebot an Lehrstellen tun sich viele Schweizer Jugendliche schwer, den gewünschten Ausbildungsplatz zu finden – besonders in beliebten Lehrstellen-Branchen wie dem Detailhandel. Die Detailhandelsfachfrau gehört zu den beliebtesten Lehren bei jungen Frauen. Bei jungen Männern ist die Informatiker-Lehre populär. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen ist entsprechend gross. Schwierig kann sich die Lehrstellensuche auch in Nischen-Berufen gestalten, wo schlicht nicht so viele Lehrstellen angeboten werden. Ein 20-Minuten-Leser sucht beispielsweise erfolglos nach einem Ausbildungsplatz als Ziergärtner. Im Bild: Ein Gärtner bei der Arbeit. In der Schweiz sind hochgerechnet 23'500 Lehrstellen noch nicht besetzt. Das Baugewerbe ist eine der Branchen, die mit Lehrlingsmangel zu kämpfen haben. Wo bekommt man als Lehrling am meisten Lohn? Die Rangliste, beginnend mit Rang 15: Gemüsegärtner/in EFZ, 1217 Franken gibts hier im Schnitt über die ganze Lehrzeit gerechnet. Je nach Lehrbetrieb kann es (wie bei den anderen Berufen) individuell natürlich mehr oder weniger sein. Rang 14: Obstfachmann/-frau EFZ, Lohn: 1220 Franken pro Monat. Als Gleisbauer verdient man 1223 Franken, das reicht für Rang 13. Rang 12 und 11 gehen an Strassenbauer ... ... und Maurer. Beide bekommen in der Lehre 1225 Franken Lohn. Rang 10: Gebäudereiniger/in EFZ, 1268 Franken Lohn. Rang 9: Pflästerer/Pflästerin EFZ, 1280 Franken Lohn. Auf Rang 8 bis 5 verdienen laut Empfehlung alle gleich viel. Ob Koch/Köchin EFZ, ... ... Restaurationsfachmann/frau EFZ, ... ... Systemgastronomiefachmann/frau EFZ, ... ... oder lernende/r Hotelfachmann/frau EFZ: Man erhält einen Lohn von durchschnittlich 1290 Franken. Platz 4 geht an den Landwirt. Hier gibts im Schnitt einen Lehrlingslohn von 1313 Franken. Auf Platz 3 landet die Lehre für Geflügelfachleute. Diese kümmern sich auf dem Bauernhof, in Brütereien oder auf Geflügelfarmen um die Aufzucht der Hühner. Auf Platz 2 kommen die Winzer. Hier verdient man während der Lehre im Schnitt 1388 Franken pro Monat. Platz 1: Als Grundbauer-Lehrling verdient man laut den Empfehlungen im Schnitt 1548 Franken pro Monat.

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Die Zahlen suggerieren paradiesische Zustände für junge Lehrstellensuchende: Per April 2017 sind in der Schweiz hochgerechnet 23'500 Lehrstellen noch zu haben. Das Angebot übertreffe die Nachfrage seitens der Jugendlichen, heisst es im neusten Lehrstellenbarometer.

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Dennoch ist es für viele Jugendliche aus der Schweiz schwierig, eine passende Lehrstelle zu finden. Drei Betroffene haben 20 Minuten von ihren Erfahrungen erzählt.

Zeynep, 19, aus Bern: «‹Wir wollen Eidgenossinnen›, sagten sie mir»
«Ich habe mich mega geärgert, als ich gelesen habe, dass die Betriebe viele Lehrstellen nicht besetzen können. Meine Erfahrungen mit der Lehrstellensuche sind sehr schlecht. Ich bin Schweizerin mit türkischer Abstammung. Nach der Sek wollte ich das KV machen und habe etwa 30 Bewerbungen geschrieben. Es kamen nur Absagen. Irgendwann habe ich angefangen, bei den Firmen nach dem Grund zu fragen. Ein paar Mal hiess es tatsächlich: ‹Wir wollen Eidgenossinen, keine Ausländerinnen.› Frustriert entschied ich mich dann für eine Lehre im Detailhandel. Auch in dieser Branche war die Suche extrem schwierig. Als Schülerin mit guten Noten fragte ich mich irgendwann, warum mir die Betriebe keine Chance geben wollen. In letzter Minute hat es dann doch noch geklappt: Zwei Wochen vor Schulabschluss und nachdem ich etwa 40 Bewerbungen geschrieben hatte, fand ich eine Lehrstelle als Detailhandelsfachfrau.»

Daniel*, 21, aus Zürich: «Warum bevorzugen sie Schulabgänger?»
«Ich habe letzten August die zweijährige EBA-Lehre als Informatikpraktiker mit der Note 5,2 abgeschlossen. Jetzt würde ich gern die Informatiker-Lehre EFZ anhängen. Doch ich finde einfach keinen Ausbildungsplatz. Ich wurde zwar zu mehreren Vorstellungsgesprächen eingeladen, aber immer sagte man mir ab. Die Begründung: Man bevorzuge Schulabgänger frisch ab der Sek. Das geht mir einfach nicht in den Kopf: Warum geben die Betriebe nicht jemandem eine Chance, der schon IT-Erfahrung hat? Jetzt arbeite ich temporär als Supporter und bin sogar gut bezahlt. Trotzdem will ich unbedingt die Informatiker-Lehre EFZ machen weil ich sicher bin, dass ich eine Karriere in der IT machen will. Ich hoffe, es klappt bald mit einer Lehrstelle.»

Martin*, 18, aus Luzern: «Mit schlechten Noten hat man nur wenig Chancen»
«Ich versuche seit einem Jahr vergeblich, eine Lehrstelle zu finden. Ich habe nach der obligatorischen Schulzeit ein Praktikum als Fachmann Betreuung in einer Krippe gemacht, konnte aufgrund der Kündigung der Lehrlingsbetreuerin aber anschliessend keine Lehrstelle antreten. Deshalb ging ich zur Berufsberatung und konnte nochmals in einige Berufe reinschnuppern. Da entdeckte ich, wie viel Freude mir der Beruf als Ziergärtner macht. Ich habe mich ab dann nur noch als Ziergärtner beworben. Aber leider hat es bis jetzt nicht geklappt. Ich bin immer sehr nervös bei den Vorstellungsgesprächen – es geht schliesslich um sehr viel. Ich habe zum Teil einfach Angst, etwas Falsches zu sagen. Ich hatte in der Schule keine guten Noten, was ich nun sehr bereue. Doch die Lehrbetriebe geben einer Person nur selten eine Chance, wenn sie nicht sehr gute Noten hat. Ich kann und will jedoch arbeiten und eine gute Lehre absolvieren – hoffentlich gibt mir bald jemand diese Chance.»

*Name von der Redaktion geändert

Den ersten Teil der 20-Minuten-Serie «Deine Lehre» finden Sie hier.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michi Huber am 12.06.2017 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt auf den Bau

    Bitte ihr jungen Menschen, wir auf dem Bau brauchen Nachwuchs, Nachwuchs mit Freude am erschaffenem, Nachwuchs mit Berufstolz. Die meisten Handwerklichen Berufe sind meist anspruchsvoller wie ihr Ruf. Bei uns Gipser z.b. ist der Ruf ganz schlimm, dabei wird der Beruf mit den energerischen Sanierungen, den neuen Brandschutzvorschriften, dem Trockenbau, Akustik oder auch den biologischen Trend, immer interessanter. Leider finden wir fast kein Nachwuchs, welcher auch mit freude den Beruf erlernen möchten. Später kann man Vorarbeiter, Polier oder Meisterschule machen, ein Wechsel in den Aussendiest oder z.b. die Bauführerschule machen. Liebe Oberstufenschüler, gebt dem Bau eine Chance.

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  • Prof.Dr.Weiss am 12.06.2017 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin 50

    Und immer noch nichts passendes gefunden. Wie ist es dann mit 15 ?

  • Florian P am 12.06.2017 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    KV Lehre

    Bei einer KV Lehre die heute ca. 50 % der Schüler machen wollen muss man sich nicht wundern wenn von 30 Bewerbern die mit den schlechten Noten usw. aussortiert werden. Bei der Firma in der ich selber sie Ausbildung mache gibt es im Jahr zwischen 40-60 Bewerber für nur 1 KV-Stelle. Wenn sich die Firmen mit jedem genau befassen sollen dann muss man ja fast dauerhaft einen Schnupperstift im Betrieb haben und einen Mitarbeiter nur für diese Anstellen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz am 13.06.2017 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Regulation.

    Der Staat muss regulieren, KV-Lehrlinge und Philosophie Studenten gibt es jedes Jahr soviele das es nicht mal mehr lustig ist.

  • Swagetti Chabonara am 13.06.2017 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anzahl Bewerbungen

    Also 30 Bewerbungen schreiben und nur Absagen zu erhalten ist sicher frustrierend, aber viel ist es nicht. Meine Jungs mussten für ihren Traumberuf jeder über 140 Bewerbungen schreiben. Klar muss das Profil stimmen. Also mit sehr schlechten Noten in Mathematik kann man nicht Applikationsentwickler werden. Aber 30 Bewerbungen ist noch sehr wenig.

  • Alex am 13.06.2017 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    @ Daniel, 21

    Es gibt auch die Flucht nach vorne, zum Beispiel den Wirtschaftsinformatiker an der AKAD... Es kümmert danach niemanden mehr, ob du eine Informatiklehre gemacht hast.

  • Dingo am 13.06.2017 06:42 Report Diesen Beitrag melden

    Training vor den Gesprächen

    Man sollte unbedingt mit einer geschulten Person die Gespräche vorbereiten, ausprobieren, und schauen wie man sich gibt, geben will, und wie man eigentlich ist. Bei meinen Vorstellungsgesprächen war ich ehrlich, auch mit meinen Fehlern, ich konnte damit überzeugen, dass ich wirklich etwas neues lernen will, der Firma einen nutzen bringe und sie dadurch im Endeffekt profitierten, wenn sie mich anstellten. Aber dafür muss man seine Stärken kennen, von sich im gewissen Rahmen überzeugt sein, und entsprechend rüberkommen. Ohne Trainings geht das kaum.

    • Berner Bär am 13.06.2017 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dingo

      Die Einstellung und Leistung zählt und nicht was in Vorszellungsgesprächen Vorgelogen wird!!!!!!!

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  • Mari am 12.06.2017 23:56 Report Diesen Beitrag melden

    Mus die Kinder fördern

    Heute Tag es ist nicht mehr Vom 4 Jahre weil wenn C Schule keine schanze zum Lehre finden leiden