Ab ins Steuerparadies

12. Oktober 2012 14:17; Akt: 14.10.2012 11:23 Print

Steuerdumping entzieht Ausland Milliarden

von S. Spaeth - Die günstigen Schweizer Steuersätze locken internationale Firmen an. Jüngster Neuzuzug ist Griechenlands grösste Firma. Helvetische Steuerprivilegien kosten andere Länder Milliarden.

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Wichtigstes Kriterium für einen Umzug des Firmensitzes in die Schweiz ist die Steuerbelastung. Im Bild: Das Steuerparadies Zug. (Bild: Keystone)

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Coca Cola Hellenic muss die Steuerbelastung in der Schweiz vorkommen wie dem Bar-Besucher die Happy-Hour: Wegen Schweizer Steuerprivilegien dürfte die nach Marktwert grösste griechische Firma hierzulande lediglich einen Bruchteil bezahlen. Offizieller Grund die Flucht in die Schweiz und die Kotierung an der Londoner Börse ist die internationale Ausrichtung der Firma. In Tat und Wahrheit dürft es aber um Steuerabgaben gehen: Die Regierung in Athen will im Zuge ihrer harten Sparbemühungen auf der Einnahmeseite an der Schraube drehen.

Dass sich der Getränkeabfüller im Kanton Zug niederlässt, kommt nicht von ungefähr. Laut dem Taxation Index der Forschungsstelle BAK-Basel ist Zug punkto Gewinnbesteuerung einer der attraktivsten Plätze weltweit. Günstiger wären unter anderem noch Hongkong und Singapur sowie die Kantone Nidwalden, Luzern, Appenzell Ausserrhoden, Obwalden oder Schwyz. Zieht man aber noch die Steuerbelastung der Managerlöhne hinzu, hat Coca-Cola Hellenic die perfekte Schweizer Wahl getroffen. Nirgends zahlen sie so wenig wie in Zug.

Steuerbelastung als wichtiger Faktor

Dass die internationalen Firmen stark auf die Steuerbelastung schielen, zeigt auch eine Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little aus dem Jahr 2009. Als wichtigstes Kriterium für einen Umzug des Headquarters in die Schweiz wurde in einer Umfrage die Steuerbelastung genannt, gefolgt von der Verfügbarkeit der Manager und der politischen Stabilität.

Ein wichtiger Faktor für die Standortwahl dürften verschiedene Sonderformen der Besteuerungen sein. Gewisse Kantone bieten neuangesiedelten Unternehmen als Zückerchen fürs Kommen so genannte Tax Holidays an – sprich eine Steuerbefreiung über mehrere Jahre. Zudem kennt die Schweiz auf kantonaler Ebene das sogenannte Holdingprivileg. Werden mindestens zwei Drittel der Unternehmenserträge mittels Beteiligungen im Ausland erzielt, muss keine kantonale Gewinnsteuer bezahlt werden. Die Holding selbst darf in der Schweiz aber keine kommerzielle Tätigkeit ausüben.

Der EU sind diese Steuerprivilegien ein Dorn im Auge. Nach Ansicht Brüssels ist das Schweizer Vorgehen diskriminierend, weil Unternehmensgewinne von in- und ausländischen Firmen teils unterschiedlich besteuert werden.

Schweiz als Ausbeuterin?

Eine vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund Anfang Oktober veröffentlichte Studie schätzt die Gewinne der multinationalen Unternehmen mit steuerlichem Sonderstatus auf 39 Milliarden Franken im Jahr 2008. «Damit wird das Ausmass der Gewinne, die dank kantonaler Sonderregelungen faktisch steuerbefreit sind, zum ersten Mal klar beziffert», heisst es bei der globalisierungskritischen Organisation Erklärung von Bern (EVB). Da die mittels Steuerdeals angelockten Konzerne – zu einem grossen Teil aus Rohstoffbereich – vorwiegend in Entwicklungsländern tätig seien, trage die Schweiz massgeblich zur Abwanderung des Steuersubstrats und damit zur Ausbeutung dieser Länder bei.

Offizielle Zahlen zu diesen unversteuerten Unternehmensgewinnen hat diese Woche das Westschweizer Fernsehen (RTS) veröffentlicht. Laut Angaben der Eidgenössischen Steuerverwaltung lagen diese 2008 gar bei 53 Milliarden Franken und im Folgejahr bei 62 Milliarden Franken. Nicht berücksichtigt in diesen Beträgen sind die steuerfreien Beteiligungsgewinne, die sich allein 2008 auf 195 Milliarden Franken beliefen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Polizeispitzel am 13.10.2012 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch das ist Ausbeutung

    Ich bin verwundert, dass sich die sonst so vollmundigen Kommentatoren hier zurückhalten. Sollte sie vielleicht gar das schlechte Gewissen gepackt haben? Oder ist einfach noch keineStammtischzeit heute? Der Bericht zeigt sachlich, warum die. Schweizer Politik, vornehmlich die Steuerpolitik, nicht die Schweizer Bürger, so "richtig beliebt" sind in der Welt.

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  • Sven am 13.10.2012 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Steuergerechtigkeit ist ungerecht

    Die kleinen Schweizer nimmt man auf allen Stufen aus, und den grossen werden Steuergeschenke gemacht - die Rechnung geht so nicht auf liebe Politiker - lieber verzichten wir auf diese Arbeitsplätze und beziehen Sozialhilfe vom Staat.

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  • AnHi am 13.10.2012 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zug

    Die Steiern imKt. Zug haben sich seit zig Jahren entwickelt und für Private sind die Steuern immer zwischen 2% und max 8%, egal wie viel man verdient. Die Begrenzung nach oben ist wichtig. Auch die Firmensteuern bestehe seit zig Jahren... wir hatten Glück, vorausschauende Verantwortliche in der Steuerverwaltung zu haben, welche mit entsprexhender Weitsicht für die Zukunft des Standortes Zug gearbeitet haben und nicht verschwänderisch das Geld zum Fenster hinauswarfen. Rechechiert mal richtig, dann seht ihr auch dass andere Kantone Firmen mit Steuergeschenken aus Zug weglocken... siehe Alcon nach Fribourg und Genf. Ist bei weitem nicht das einzige Beispiel!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beni am 15.10.2012 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Profitmaximierung

    Neoliberalismus oder Kapitalismus usw. ist sächlich und daher weder schlecht noch gut. Die Globalisierung hat es gewissen Menschen ermöglicht, an sehr viel Geld zu kommen. Nach wie vor geht mit Geld, Macht einher. Nach dem geistigen Prinzip, müsste eigentlich eine Person mit sehr viel Macht, sehr viel Verantwortung tragen. Sozial, Oekologisch und Ethisch. Anscheinend sind wir aber nicht nach geistigen Krtierien gesteuert. Wenn ein Grieche konsumiert, wird sich auch dieser in der Regel nach dem Preis orientieren (grösste Profitmaxim. für sich selber), oder etwa doch nach geistigen Kriterien?

  • Michael am 15.10.2012 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ausl. Briefkasten-Firmen verbieten

    Zuviele gibt schweizweit zuviele Abzocker-Investoren - Geld investiere und das 100 / 1'000-fache herausholen ist die Devise - die ausl. Diktatoren-Rechnung in der Schweiz geht nicht mehr auf - die Schweizer-Schatten-Politiker / Wirtschaftsleute haben leider immer noch frei Hand.

  • D. Ganz am 15.10.2012 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Günstige Sätze?

    Also mit normalem Einkommen und wohnhaft im Kanton Bern, würde ich es nicht wagen das Wort "günstig" in den Mund zu nehmen. Obwohl ich sparsam lebe, muss ich doch immer schauen, dass das Geld für die Steuern reicht. Ausserdem kommen zu den Steuern ja weitere Gebühren, wie z.B. Billag oder für den Abfall dazu. Es mag für den überdurchschnittlich verdienenden "günstig" sein, für den Normalverdienenden mit Familie sicherlich nicht.

    • A. Anton am 15.10.2012 12:55 Report Diesen Beitrag melden

      Einkommen?

      Hier geht es aber nicht um die Einkommenssteuer von natürlichen Personen, sondern um Kapital- und Gewinnsteuern von juristischen Personen. Ihr Jammern ist hier also fehl am Platze. Aber trotzdem, ich fühle mit Ihnen (wohne auch im Kt. BE).

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  • Matti am 15.10.2012 00:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stellt euch vor...

    wir über nehmen die Steuersätze unserer Nachbarn, wir hätten bald keine Schulden mehr... Irgendwas schreibt die Schweiz falsch zu machen...

  • Diego am 14.10.2012 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    Wieso Steuer"dumping"? Wir haben seit Jahren die gleichen Steuergesetze, und gehen damit nicht Bankrott. Was können wir dafür, dass die Anderen nicht so gut wirtschaften können. Müssen wir uns nun verschlechtern, um so schlecht wie die anderen zu werden? Nicht nur unlogisch, sondern einfach dumm.