Ausblick

21. September 2017 08:49; Akt: 21.09.2017 09:00 Print

Angst um Jobs – so steht es um einzelne Branchen

von R. Knecht - In den letzten zwei Monaten wurde der Abbau von 1500 Stellen in der Schweiz bekannt gegeben. Wie geht es weiter? 20 Minuten hat sich in den einzelnen Sektoren umgehört.

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Sparprogramm, Stellenabbau, Verlagerung ins Ausland: In den letzten zwei Monaten haben Unternehmen die Streichung von über 1500 Jobs in der Schweiz bekannt gegeben. Erst am Dienstag verkündeten Automatisierer Rockwell Automation und Medizintechniker Edwards Lifesciences Pläne, je 250 Stellen in der Schweiz zu streichen. Obwohl es der Schweizer Wirtschaft gemäss Seco insgesamt gut geht, sieht es nicht für alle Sektoren rosig aus. Ein Überblick:

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Detailhandel im Abwärtstrend

Für den Detailhandel wird es schwierig. Laut Dagmar Jenni, Geschäftsführerin der Swiss Retail Federation, ist weiterhin mit leicht rückläufiger Beschäftigung zu rechnen. Grund dafür sei insbesondere die Verlagerung in den Online-Handel. Stationär geprägte Detailhändler müssen sich mit der Digitalisierung auseinandersetzen und diese in ihre Geschäftsmodelle aufnehmen. In den vergangenen Jahren habe der starke Franken zu mehr Auslandeinkäufen geführt. Immerhin ist laut Jenni nicht zu erwarten, dass diese weiter zunehmen.

Wenig Jobsicherheit auf dem Bau

Die Baubranche ist laut einem Sprecher der Unia in den Bereichen unter Druck, wo die Wertschöpfung nicht primär in der Schweiz stattfindet. So werden fertig gebaute Küchen oft zu niedrigen Preisen importiert. Aussergewöhnlicher Stellenabbau sei aber nicht zu erwarten. Aufgrund saisonaler Bedingungen und weil im Bau Temporäranstellungen immer üblicher werden, ist die Jobsicherheit in der Baubranche trotzdem niedrig.

Export- und MEM-Industrie erholen sich

Die Jobs in der mittelständischen Exportindustrie sind stabil, wie Carl A. Ziegler, Präsident des Verbands Swiss Export, sagt. Der Franken scheine sich abzuschwächen und viele exportierende Betriebe hätten einen allfälligen Stellenabbau bereits hinter sich. Die Frankenstärke hat die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) laut Swissmem-Sprecher Ivo Zimmermann rund 13'000 Stellen gekostet. Nun sei die Beschäftigungssituation aber stabil. Die Voraussetzungen für die MEM-Industrie seien derzeit gut. In Einzelfällen kann es trotzdem zu einem Stellenabbau kommen.

ICT-Branche hat zu viele Stellen

In der ICT-Branche entstehen laufend neue Berufe, wie ein Sprecher von ICTswitzerland mitteilt. Wer eine gute Ausbildung habe und sich weiterbilde, der finde einen Job. Die Digitalisierung, die vielen anderen Branchen zu schaffen macht, sei für die ICT-Branche eine positive Entwicklung. Eine grosse Hürde für die Branche ist, dass es eben mehr Stellen zu besetzen gibt, als es in der Schweiz Fachkräfte gibt.

Pharmaindustrie ist krisensicher

Die Pharmaindustrie ist laut einer Sprecherin des Verbands Interpharma krisenresistenter als andere Branchen, weil die Nachfrage nach Medikamenten weniger konjunkturabhängig ist als andere Produkte. Die Anzahl Stellen sei jahrelang gewachsen und werde das voraussichtlich auch in Zukunft tun. Trotzdem kündigte Novartis im August an, dass das Unternehmen bis zu 500 Stellen streichen wird.

Bankgeschäft vor Trendwende

In den letzten Jahren nahm die Beschäftigung in der Banken-Branche um etwa ein Prozent pro Jahr ab. Dem Schweizer Bankgeschäft machen vor allem Negativzinsen zu schaffen. Laut Sprecherin Sindy Schmiegel von Swissbanking erwartet der Verband, dass die Schweizer Nationalbank den Negativzins wieder abschaffen wird, wenn sich die Situation entspannt. Laut der ETH-Konjunkturforschungsstelle wird es in Zukunft sogar ein Stellenwachstum geben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schwiizer am 21.09.2017 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlos

    Wärend immer mehr Jobs verloren gehen wird das Leben in der Schweiz immer teurer - für nichts und wieder nichts. So langsam sollte sich die Regierung was dagegen überlegen bevor dieses Land zugrunde geht. Auf das Volk geht diese ja nicht ein.

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  • Nick am 21.09.2017 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende Fachkräfte bei IT

    In der IT-Branche mag es viele Jobs geben, aber wer sich als Ü50 (manche sagen auch schon Ü45) bewirbt, hat vor alle die sehr gute Chance, gleich mal aussortiert zu werden.

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  • Paul am 21.09.2017 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauren in die Politik fehlt

    Die Wirtschaft sucht sich die Zukunft ohne die Politik. Grund: Die Politik mit ihren ständigen Regulierungen hat das Vertrauen der Wirtschaft und des bürgerlichen Volkes verloren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Barbara S. am 21.09.2017 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Den Kapitalismus,

    welchen wir in der globalisierten Welt leben ist überhitzt. Dies wahrscheinlich seit der Einführung des Shareholder-Value. Geld und vor allem Gewinn wird über alles inkl. Gesundheit und Umwelt gestellt. Ob dies gut geht, kann sich jeder selbst entscheiden.

  • Patriziox am 21.09.2017 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aspetta!

    Das ist nur der Hauch einer Andeutung. Wartet, bis die von den Chinesen aufgekauften Firmen nach China verlegt werden. Wir werden ein Drittweltland bzw. ein Entwicklungsland werden.

  • Gabriela am 21.09.2017 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal gut überlegen

    Alle wollen einen krisensicheren Job in der Schweiz, aber im Ausland einkaufen. Nicht nur der Einzelhandel muss Personal entlassen, sondern auch die involvierten Herstellungs- und Zulieferbetriebe. Man kann nicht alles haben

    • Nick am 21.09.2017 15:25 Report Diesen Beitrag melden

      Von den Konzernen lernen

      Die Konzerne machen es doch vor. Sie schreien ständig nach dem freien Markt. Da heisst es "Offshoring" (=Indien) oder "Nearshoring" (=Osteuropa), wenn sie IT-Arbeitsplätze aus CH verlagern. Die Migros druckt Prospekte in DE, um nur ein einziges Beispiel zu erwähnen. Da muss kein/e Bürger/in Bedenken haben, wenn er/sie auch seine/ihre kleinen Vorteile nutzt.

    • Peter Pan am 21.09.2017 15:43 Report Diesen Beitrag melden

      @ Gabriela

      So lange die Schweiz ca. 11 Milliarden pro Jahr ins Ausland verschenkt, sehe ich da kein Problem einen Teil von meinem Lohn im Ausland einzukaufen / Auszugeben.

    • Cara am 21.09.2017 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Gabriela

      Die Schweizer werden in Sachen Detailhandel einfach nur abgezockt... Gewisse Kosmetikprodukte, wie ein Haargel oder dekorative Kosmetik, aus DE sind in CHF umgerechnet teilweise 5x günstiger als in der CH. Das nenne ich einfach nur Abzocke und irgendwelche Zwischenhändler verdienen sich ein goldiges Näschen dabei... Dass es da Leute nach DE zieht, ist sowas von sonnenklar (Freier Markt!?). Produkte aus der Schweiz müssen einfach wieder zu faireren Preisen verkauft werden, dann ist das Problem vom Tisch.

    • Roman am 21.09.2017 19:14 Report Diesen Beitrag melden

      Liebe Gabriela

      Beispiel: Meine Lebensmittelfirma (darf Namen leider nicht nennen) kauft den Salbei/Rosmarin aus Marokko, Israel, Frankreich. Peperoni kommt aus Spanien oder Holland. Der Knoblauch kommt aus China. Kartonverpackungen aus Italien. Die Kunststoffolien aus Deutschland. Die Verpackungsschalen aus Deutschland/Österreich etc. Jetzt bin ich mal auf ihre intelligenten Erklärungen gespannt!

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  • Pauli am 21.09.2017 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weniger Jobs

    Und wir brauchen immer mer Fachkräfte die übers Meer kommen.Wer arbeitet denn dann noch für diese?

    • Realist am 21.09.2017 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pauli

      Unsere Jobs werden nicht wegen Fachkräften die übers Meer zu uns kommen ins Ausland verlagert. Wir verlieren unsere Jobs weil die Löhne die exportierende Firmen bei uns bezahlen sind so hoch dass sie kaum mehr mit Gewinn exportieren können. Bald werden wir nur Unternehmen bei uns haben die für nur den CH-Markt produzieren. Alles andere wird nicht mehr rentabel sein. Und da kann Politik kaum helfen. Also langfristig entweder sehr hohe Löhne oder Arbeit.

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  • Health am 21.09.2017 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitwesen fehlt ?

    was ist mit dem Gesundheitswesen - auch und gerade alles was sich sonst noch um Pflege und Aerzte tut ? Hier tut sich im Moment ein weites Feld auf...