Krankenkassen-Anstieg

19. September 2017 08:46; Akt: 19.09.2017 09:01 Print

Bund verbietet Publikation provisorischer Prämien

von S. Spaeth - Will die Regierung die Empörung über immer teurere Krankenkassen möglichst kurz halten? Sie untersagt das Veröffentlichen provisorischer Prämien.

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Wie hoch wird der Prämienschub 2018? In der letzten Woche im September kommuniziert Gesundheitsminister Alain Berset für gewöhnlich die Krankenkassenprämien. Berset und das BAG haben es den den Versicherern und den Vergleichsdiensten verboten, vor dem Bundesratsauftritt die provisorischen Prämien für 2018 zu veröffentlichen. Kritiker sagen, der Bundesrat wolle mit dieser Einschränkung die Prämiendiskussion möglichst kurz halten. Bei Helsana, der grössten Krankenkasse, bezeichnet man es als «ein Stück weit störend», dass keine provisorischen Prämien mehr veröffentlicht werden dürfen: Wegen des Verbots bleibe den Kunden weniger Zeit, sich beraten zu lassen und Prämien zu vergleichen. Im Bild: Helsana-Chef Daniel H. Schmutz. Mit welcher Krankenkasse sind die Kunden am zufriedensten? Im Ranking von Moneyland.ch erhält die Swica 8,40 Punkte und liegt damit an der Spitze. Sanitas schafft es auf Rang 7. Verhältnismässig schlecht schneiden gewisse Billig-Kassen ab, darunter die Assura und die Supra. Im Ranking wurden verschiedene Kategorien wie Kulanz, Dauer der Rückerstattung oder Kundeninformationen berücksichtigt. Je nach Kategorie schneidet eine andere Kasse besser ab: Die Helsana liegt bei der Gesamtbewertung eher im hinteren Bereich. In der Studie zeigten sich auch Unterschiede zwischen Romands und Deutschschweizern. Sie sind nicht gleich zufrieden. Für das Ranking wurden die Kassen jeweils als Gruppe betrachtet, nicht als einzelne Untermarke. Gerade grosse Gruppen betreiben oft unter verschiedenen Namen Krankenkassen. Soll ich die Krankenkasse wechseln oder nicht? Diese Frage stellen sich viele Schweizerinnen und Schweizer jeden Herbst aufs Neue.

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Eines ist sicher: Wenn Bundesrat Alain Berset Ende September die Krankenkassenprämien für 2018 bekannt gibt, wird er einen Aufschlag kommunizieren. So war es in den letzten Jahren immer: 2017 betrug der Anstieg im Schnitt 4,5 Prozent. Den individuellen Anstieg erfährt die Bevölkerung dieses Jahr aber erst nach dem bundesrätlichen Auftritt: Und zwar mit dem Brief der Versicherung oder über die Abfrage bei einem Vergleichsdienst.

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Der Bund untersagt sowohl den Versicherern als auch den Vergleichsdiensten vor der Ankündigung des Gesundheitsministers, über die Prämienanstieg für 2018 zu informieren. Seit letztem Jahr ist es ausdrücklich verboten, noch nicht genehmigte Prämien zu verwenden. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) muss die von den Anbietern pro Region, Altersgruppe und Franchise errechneten und eingegebenen Prämien erst prüfen und gibt sie frei. Damit verhindert der Gesetzgeber beispielsweise, dass Kassen einzelne Altersgruppen über unzulässige Rabatte anlocken.

Wegen Verbot haben Kunden weniger Zeit

Bei Helsana, der grössten Krankenkasse, bezeichnet man es als «ein Stück weit störend», dass keine provisorischen Prämien mehr veröffentlicht werden dürfen: «Die Prämientransparenz ist ein Kundenbedürfnis, so Sprecherin Dragana Glavic. Wegen des Verbots bleibe den Kunden weniger Zeit, sich beraten zu lassen, Prämien zu vergleichen und sich über Alternativen zu informieren.

Das Verbot, mit provisorischen Prämien zu arbeiten, stört auch Felix Schneuwly. Der Krankenkassenexperte bei Comparis sagt: «Das BAG und der Bundesrat haben ein Interesse daran, das die Prämien-Diskussion möglichst kurz dauert.» Comparis hatte jeweils aufgrund der provisorischen Prämien von rund zwei Dritteln der Versicherer die Prognosen erstellt und schon nach den Sommerferien Vergleiche ermöglicht. «Die günstigen Kassen haben uns ihre Prämien gern zur Verfügung gestellt, die teuren waren zurückhaltend», so Schneuwly.

Bund erhält den Lead zurück

Der Krankenkassenverband Santé Suisse betont, dass nicht alle Anbieter ihre provisorischen Prämien publiziert haben. «Einige nutzten diese Möglichkeit jedoch, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen und Kunden anzuwerben», so Christoph Kaempf.

Will der Bund mit der Massnahme tatsächlich die Prämiendiskussion kurz halten? Der Krankenversicherungsverband will sich nicht auf die Äste hinauslassen. «Sicher ist, dass das BAG mit der Massnahme den Lead in der Prämienkommunikation übernimmt», so Kaempf. Und bei Helsana heisst es: «Der Entscheid hat gewiss eine politische Dimension.»

Beim Bund wehrt man sich gegen die Behauptung: Die Bestimmung im Gesetz habe das Parlament zum Schutz der Versicherten erlassen. «Es soll verhindert werden, dass Versicherte die Kasse aufgrund einer ungültigen Prämie wechseln, die der Prüfung nicht standhält und noch geändert werden muss», sagt BAG-Sprecher Andrea Arcidiacono.

Langjähriger Kampf mit Comparis

Comparis und der Bund lagen sich wegen der Veröffentlichung provisorischer Prämien seit Jahren in den Haaren. Eigentlich wollte das BAG das Verbot schon 2010 erlassen, worauf der Vergleichsdienst aber erfolgreich Beschwerde einreichte mit der Begründung, es fehle die Gesetzesgrundlage.

Wegen dieses Zwists heisst es beim Comparis-Konkurrenten Moneyland: «Profitiert von den provisorischen Prämien und der Medienpräsenz hat in erster Linie Comparis – und Kassen, die die Prämien frühzeitig publiziert haben», sagt Benjamin Manz. Das sei wohl auch dem BAG ein Dorn im Auge gewesen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ernesto am 19.09.2017 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Geld wäre genug da

    Es hätte für uns Schweizer genug Geld, sowohl für die Gesundheit wie auch für die AHV. Nur wird es von unserer Regierung mit vollen Händen ins Ausland verschenkt, nota bene zweistellig Milliarden.

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  • tim am 19.09.2017 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständlich

    Ich möchte auch nicht jeden Tag, mit meinem Versagen konfrontiert werden!

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  • Daniel Jäggi am 19.09.2017 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch klar warum...

    Der feine Herr braucht mehr Zeit, um seine Lügen zu formulieren sowie die "Krämpfe" besser fingieren zu können...Ich kann beim besten Willen diesen Gesichtsausdruck nicht mehr sehen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nur Ich am 23.09.2017 16:29 Report Diesen Beitrag melden

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    Was ist falsch wenn Fakten bekant gegeben werden sollen anstatt Schätzungen? Würdet ihr es hin nehmen im coop u.s.w. eine Ware aus dem Gestell nehmen zu müssen wo "kostet vermutlich" draufsteht, an der Kasse etwas anderes verrechnet wird? Verlangen wir doch ein Gesetz, dass die Prämien nur noch max. der üblichen Teuerung angepasst werden kann. Der Selbstbedienungsladen der Leistungserbringer hätte glaube ich ein jähes Ende wenn es nichts mehr bringt noch dies und jenes zusätzlich zu verschreiben. Wieso kommen unsere (mehrheitlich Bürgerlichen) Volksvertreter nicht selber auf diese Idee?

  • H.P.Müller am 21.09.2017 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Der Volkswille

    Freie Meinung s äusserung ist kann in der Schweiz Verboten werden ? Die Bevölkerung soll nur Zahlen und Schweigen

  • Nikki am 21.09.2017 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Absolut unfaige BR

    Barset wie auch Sommaruga - unfaige Bundesräte. Sie arbeiten nicht für das Volk, sie arbeiten für die Monopolien und Riesen Unternehmen. Das Volk vertraut denen schon lange nicht mehr.

  • Freiämter am 20.09.2017 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Bei den grossen sparen

    Bundesräte sollen ihre AHV nach dem erfolg denn sie hatten bezahlt werden. So könnten wir viele Millionen einsparen. Aber ganz sicher nicht mehr als 120'000.-

    • adyp am 20.09.2017 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz korrekt...

      eine Bundesratsrente liegt bei 18000 mtl und ich weiss zwar nicht wie Sie finanziert wird, aberr wohl kaum aus der AHV. Das krasse ist das auch Ruth Metzler die noch voll im Erwerbsleben steht Anspruch als Altbundesrat hat, einmal kurz Bundesrat sein und ausgesorgt für immer mit 18000 monatlich lässt es sich sehr konfortabel leben, wobei dies weniger ist als der Durchschnitt zu mindest Prozentual, den BR haben etwa 480'000 pa Salär, Steuerfrei, die Rente ist somit 31% der durschnitt hat dann doch 50% seines bisherigen Einkommens, aber BR sind ja gute VR Mandatsträger usw. an Einn. fehlt es kau

    • Franz K. am 21.09.2017 05:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Freiämter

      Ein Exbundesrat erhält 250000.- Rente pro Jahr und darf den gleichen Betrag nochmals hinzuverdienen. Gratisauto inkl Unterhalt bleibt erhalten. So hat z.B. Ruth Metzler mit 38 Jahren die Rente bezogen, den gleichen Betrag bei Nestle hinzuverdient und ihren SUV in der bundeseigenen Werkstatt warten und mit Sommer/Winterräder immer mal neu bestücken lassen.

    • RoKoKo am 21.09.2017 18:47 Report Diesen Beitrag melden

      die Frage...

      Das man so als Neu,- Alt oder nur BR im Saus und Braus in diesen Zeiten leben kann, ist eine Schande. Haben die gar keinen Tropfen Gewissen??

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  • aw55 am 20.09.2017 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Prämien

    Nachdem wir im Kassensturz gehört haben, dass Provisionen sehr hoch sind, würde mich interessieren, wie hoch die Sponsorengelder der KK sind, die die Prämienzahler berappen müssen.