Futurologe Gerd Leonhard

18. April 2016 05:49; Akt: 18.04.2016 05:49 Print

«Roboter werden alle Routinearbeiten machen»

von K. Wolfensberger - Roboter werden uns bald viele Jobs wegnehmen, sagt Futurologe Gerd Leonhard. Er erklärt auch, was wir tun müssen, um trotzdem noch Arbeit zu finden.

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Herr Leonhard, wie verändert die Digitalisierung unsere Arbeit in Zukunft?
Alle Vorgänge, bei denen das möglich ist, werden bald automatisiert, digitalisiert und virtualisiert. Das ist eine radikale Veränderung. Es wird verschiedenste Bereiche wie Buchhaltung, Finanzberatung, Busfahren oder Bezahlen im Supermarkt treffen. Die Experten sind sich einig: Alle Arbeiten, die repetitiv sind, werden von den Maschinen gekapert.

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Haben Sie Angst davor, Ihren Job irgendwann an einen Roboter zu verlieren?
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Insgesamt 8813 Teilnehmer

Dann gehen viele Berufe verloren. Was geschieht mit den Arbeitnehmern?
Die Menschen müssen dann komplexere Arbeiten ausführen, die keine Maschine machen kann. Also Arbeiten, die Koordinieren, Verhandeln sowie das Lösen komplexer Probleme beinhalten. Einen Taxi-Fahrer vom Bahnhof zum Hotel in der Stadt wird es dank selbstfahrender Autos nicht mehr geben, dafür muss das System gewartet werden. Es braucht weiterhin Handwerker.

Wie können wir uns auf diesen Wechsel vorbereiten?
Bei der Ausbildung müssen wir uns dramatisch anpassen. Studenten müssen lernen, neue Berufe zu erfinden. Sie müssen kreativer werden und sich aufs Lösen von Problemen fokussieren.

Junge Leute können einen kreativen Beruf erlernen. Was machen ältere Arbeitnehmer, deren Job wegfällt?
Sie müssen sich Nischen suchen und herausfinden, wie sie ihre Talente in einem Job einsetzen können, der nicht aus Routine besteht. Denn alles, was dauernd wiederholt wird, können Maschinen lernen. Ein Beispiel: Eine Maschine kann Schach spielen lernen und schlägt selbst Grossmeister. Doch der Computer kann nicht mit einem Zweijährigen reden, der sich völlig unvorhersehbar verhält.

Müssen wir uns vor der Macht der Computer fürchten?
Nein, aber die Entwicklung hat Vor- und Nachteile. Positiv ist, dass Maschinen uns helfen, grosse Probleme zu lösen. Zum Beispiel das Problem der globalen Klimaerwärmung. Hier lassen sich dank Computern Massnahmen zur Klimakontrolle schaffen. Negativ ist aber, dass wir uns in Zukunft komplett auf Maschinen verlassen müssen. Wir werden so abhängig. Die Privatsphäre geht ebenfalls verloren.

Wie wichtig ist der Schutz der Privatsphäre?
Die Privatsphäre ist ein fundamentales Menschenrecht. Ohne den Raum des Privaten gibt es keine Geheimnisse, keine Entdeckungen, keine Zufälle. Diese Dinge machen das menschliche Wesen aus. Ähnliche Probleme gibt es beim Thema Effizienz. Menschen sind ineffizient, langsam und teuer. Doch so sind wir nun einmal und das müssen wir beschützen. Es braucht deshalb private Freiräume, damit wir uns entfalten können.

Ist das realistisch? Heute erlauben die meisten Arbeitgeber nicht einmal mehr, dass wir das Handy ausschalten. Sie erwarten permanente Verfügbarkeit von uns.
Die komplette Hypervernetzung ist eigentlich keine menschliche Eigenschaft. Dass wir ständig online sind, erzeugt bei uns eine Sucht nach immer mehr Daten. Auf Englisch sagt man: Wir werden «digitally obese» (dt. digital fettleibig). Das ist ein Trend, der uns längerfristig psychisch krank machen wird. Wir bewegen uns in eine Richtung einer Horrorvorstellung, wie wir sie nur aus Science-Fiction-Filmen kennen. Tragisch ist das, weil es gar keinen Sinn ergibt, dass wir ständig online sind. Maschinen und Computer sollten immer on sein, sie sind dafür programmiert. Der Mensch ist das nicht.

Offline ist also der neue Luxus?
Ja, genau. Und es ist ein Luxus, den wir uns leisten müssen. Wir brauchen ein Recht zum Ausschalten, zum Offlinegehen.

Gerd Leonhard wird am Digital Economic Forum in Zürich teilnehmen. Es findet am 26. und 27. April statt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franz W. am 18.04.2016 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht gut

    Traurige Perspektive Noch mehr Druck, noch weniger Kindheit, noch mehr Menschen, die sich überflüssig vorkommen werden. Was für Lösungen hat die Zukunftsforschung hier?

    einklappen einklappen
  • Lemlem am 18.04.2016 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ziel verfehlt

    Eigentlich wäre das Ziel, dass wir wir nicht mehr arbeiten müssen. Aber nicht so dass wir am Ende auf der Strasse landen. Die Firmen gehen den Fortschritt falsch an.

  • Michi am 18.04.2016 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon komisch

    Praktisch niemand will diesen Fortschritt, trotzdem passiert er!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • A.m am 19.04.2016 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    roboter

    geht doch einmal in eine industrie früher 1000 mitarbeiter am fliessband nach 20 jahren 85 mitarbeiter und jetzt wurde die firma ausgelagert. viele meinen man muss ja die roboter bauen aber nur am anfang dan baut der roboter selber und sicher nicht in der schweiz weil wir zu teuer sind

  • Erny Rei am 19.04.2016 05:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung Total

    Sofern ein entsprechender Teil der Wertschöpfung in die Sicherstellung der Sozialwerke (AHV/IV/Arbeitslosenkasse) investiert wird ist dies wirklich eine vielversprechende Entwicklung. Die Finanzierung der AHV/IV sollte schon längst auch auf diesem, zweiten Standbein, realisiert werden. Dies, denke ich, wäre eine Menschenwürdiger Ansatz zur Lösung der kommenden Herausforderungen.

  • Automatiker am 19.04.2016 02:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Automatiker

    Lernt Automatiker statt immer nur das KV, als Automatiker verdienst du gut und es ist der einstig in die Automatisierte Welt

  • Siebenstein am 18.04.2016 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsinn

    Das hat man schon vor 30 Jahren voraus gesagt und was ist in der Zeit passiert? Nicht viel. Also sollten solche Herren wie Herr Leonhard den Mund nicht zu vollnehem und einfach abwarten. Bis jetzt gibt's jedenfalls auf dem Bau keine Roboter und in der Zukunft sehe ich da auch keine und das gilt für viele Branchen. Man stelle sich vor im Restaurant kommt nicht mehr die hübsche Serviertochter sondern ein Roboter...

  • koiper am 18.04.2016 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Du Nichtsnutz

    Es wird keine Bedrohung durch Maschinen geben. Roboter haben einen entscheidenden Nachteil, während wir das Produkt von Milliarden Jahren Evolution sind, in dem jeder Augenblick ein Kampf ums Überleben war, werden Roboter kreiert. Während wir nach dem Sinn unserer Existenz suchen, ist ihre Existenz klar definiert, es gibt sie nur weil sie einen Nutzen haben. Unsere Überlegenheit ist genau das, das wir keinen Nutzen haben, uns dessen bewusst sind und gelernt haben damit umzugehen.