Euro-Krise

17. Mai 2012 08:00; Akt: 17.05.2012 08:02 Print

Vier Szenarien für Griechenland

Wie endet das Drama in Griechenland nach der Ansetzung von Neuwahlen? Die US-Zeitung «The Wall Street Journal» skizziert vier mögliche Varianten für einen Ausweg.

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Ausstieg, Ablehnung, Neuverhandlung, Reue? Wie entscheidet sich Griechenland? (Bild: Keystone)

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Ausstieg: Das Szenario geht davon aus, dass nach den Neuwahlen eine vom Linksbündnis Syriza gestützte Regierung die Macht übernimmt und die internationalen Rettungspakete aufkündigt. Damit käme der Geldfluss aus Europa, den Griechenland zur Regierungsführung braucht, wahrscheinlich zum Stillstand. Trotz Befürchtungen über Panikreaktionen in Portugal und Spanien.

Athen könnte sich wohl während einiger Zeit über Wasser halten, indem es seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllt. Letztlich ginge dem Land aber auch das Geld zur Zahlung der Löhne und Sozialleistungen aus. Das dürfte soziale Unruhen auslösen. Griechenland braucht überdies Milliarden aus Europa, um seine von der Zahlungsunfähigkeit bedrohten Banken zu rekapitalisieren.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird es nicht zulassen, dass die griechische Notenbank die Euro-Notenpresse anwirft, um das Überleben der Banken zu sichern. Griechenland wäre deshalb bald gezwungen, Drachmen zu drucken.

Anzeichen für dieses Szenario sind insofern bereits im Gang, als Sparer ihre Euroguthaben von den griechischen Banken abziehen. Ein eigentlicher Bankrun – ein Sturm auf die Bankschalter – würde zur Schliessung der Banken und zur Wiedereinführung der Drachme führen.

Ablehnung: Der Führer der Linksallianz, Alexis Tsipras, verspricht den Griechen, das Land könne den Euro behalten, auch wenn es die Sparauflagen der Rettungspakete ablehne. Der Glaube an einen dritten Weg zwischen Austerität und Ausschluss hat durch die politische Stimmung und den Wahlausgang in Ländern wie Frankreich, Holland, Italien und sogar Deutschland Auftrieb erhalten.

Allerdings sind diese Länder im Unterschied zu Griechenland nicht von Rettungspaketen abhängig, die durch die Steuerzahler anderer Länder finanziert werden. Die Mittel, die Griechenland zur Zahlung der Renten und der Lehrerlöhne braucht, werden nicht mehr fliessen, falls das Land die Restrukturierung von Staat und Wirtschaft unterbricht.

Neuverhandlung: Entgegen den Umfragen könnten die Parteien, die hinter den Rettungspaketen stehen, die Neuwahlen gewinnen. Auch sie möchten aber die im vergangenen März unterzeichneten Rettungspläne neu aushandeln. Weniger rigide Sparauflagen würden aber höhere Hilfszahlungen aus Europa bedingen, damit Griechenland seine Budgetengpässe überbrücken kann.

Das wird bei den Gläubigern in Nordeuropa auf wenig Gegenliebe stossen. Der ursprüngliche Rettungsplan von 2010 musste bereits um weitere 138 Milliarden Euro aufgestockt werden. Eine nochmalige Erhöhung hätte in den Parlamenten Deutschlands, Hollands und Finnlands einen schweren Stand. Kommt es bei Neuverhandlungen bloss zu geringfügigen Konzessionen, hätte die griechische Regierung erneut ein grosses Problem mit der Linksallianz Syriza.

Reue: Die griechischen Politiker stellen den Widerstand gegen den Rettungsplan ein und erfüllen die Auflagen. Das Land müsste dabei bis Mitte Jahr eine neue Sparrunde akzeptieren. Dann erhielte es neue Gelder zur Zahlung von Löhnen und Sozialleistungen. Dazu ist es aber möglicherweise zu spät. Der politische Druck gegen die Sparpläne ist zu gross. Die jüngsten Wahlen waren auch ein Votum gegen den Rettungsplan.

(bb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • peter p am 17.05.2012 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    griechenland kann uns alle retten...!!

    leider ist es bitter nötig, dass staaten wie griechenland vor die hunde gehen...es müssen noch viele folgen!! erstmals ist das leid und elend der bevölkerung natürlich schwer zu verstehen und mitanzusehen...aber nur wenn möglichst viele mitgliedsstaaten ''kaputt'' gehen besteht eine geringe chance, dass die EU endlich das bekommt was ihr zugesteht...einen Untergang in dimensionen die wir uns nur erträumen können...geschieht dies nicht, werden sie uns alles wegnehmen, uns unterwerfen und uns besiegen...wir können es nicht sehen und doch geschieht es...

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  • Matthias am 17.05.2012 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    Amis vs Europa

    Das Problem ist nicht der Euro sondern die Staaten, welche schon vor dem Euro wirtschaftlich schlecht dagestanden haben. Sie meinten mit dem Euro ihre miese Situation zu umgehen. Aber schauen wir mal über den grossen Teich zu den Amis, wohl mehr Schulden als alle Länder zusammen und dennoch immer ein grosses Maul gegenüber andern. Amerika stand letztes Jahr im August kurz vor dem Staatsbankrott.

  • Die Wahrheit am 17.05.2012 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Griechenland raus

    die EU war von Anfang an ein Witz! Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied und dieses Glied ist Griechenland. Raus mit ihnen aus der EU!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • artax w. am 18.05.2012 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschafts-/Weltkrieg

    Es ist schon so wie Sergio Ermotti sagte: "Die ganze Welt führt einen Wirtschaftskrieg gegen die Schweiz". Der Neid führt zu so eigenartigen Blüten. Auf politischer Ebene bin ich seit Jahren der Meinung, dass Deutschland das, was sie in zwei Weltkriegen nicht erreichten, sie nun auf politischer Ebene versuchen; nämlich Erreichen der Herrschaft über ganz Europa. Fast wäre dies mit Hilfe der Grande Nation auch gelungen, wenn nur nicht diese "Ausscherer" wären...

    • H. Stierli am 18.05.2012 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      Selten so ein Käse gehört

      Bei allem Respekt, was geht denn in Ihnen vor so einen Blödsinn zu schreiben? Aber wenn Sie denn seit Jahren dieser Meinung sind, sollten Sie natürlich alle daran teilhaben lassen. Vieleicht ist es ja auch die Weltherrschaft die die Merkel anstrebt. Wer den Zahlemann für die EU macht, der sollte auch den Weg weisen

    • Leo Rei am 18.05.2012 13:58 Report Diesen Beitrag melden

      So ein Blödsinn

      So ein Blödsinn. - Da nimmt "Herr Schweizer" sich wohl ein wenig zu wichtig. Die Idee eines vereinten Europas ist nicht schlecht - nur wurde bei der Umsetzung - sprich Mitgliedschaft der einzelnen Staaten, zu wenig selektiert. Und dank frisierten Bilanzen war es ein leichtes für die Aufnahme in den Staatenbund. Jeder wusste es von Anfang an und jeder hat davon profitiert (auch die CH)- und jetzt das grosse Jammern.

    • koloniali am 18.05.2012 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      made in taiwan...?

      europa hat in der vergangenheit viel schuld auf sich geladen.

    • kaspar maritim am 18.05.2012 16:21 Report Diesen Beitrag melden

      risiko verteilen...?

      die schweiz bezieht momentan immerhin 40% seines erdöls aus kasachstan und 20% aus aserbaidschan (baku..).

    • Muhkuh am 18.05.2012 16:23 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht unbedingt Blödsinn...

      ... Die Weichen in Richtung EU wurden relativ kurz nach dem 2. Weltkrieg gestellt, nicht von Deutschland, denn der Staat ist und war seit ende de 2. Weltkriegs nie wieder vollständig souverän (Aussage Schäubles vor rund eine Jahr). Nun wirft das die Frage auf: Wer genau steckt hinter der Deutschland GmbH? Schlussendlich läuft es auf die damaligen Alliierten, allen voran die USA und Grossbritannien, die UDSSR hatte ihren Part (Ostdeutschland) an Deutschland zurückverkauft (war im Prinzip eine Firmenfusion...). Deutschland ist einfach einmal mehr der Depp der Geschichte....

    • paesc am 18.05.2012 16:28 Report Diesen Beitrag melden

      Zusammen eine Grossmacht

      Ich wage zu behaupten, dass die ehemaligen Grossmächte Deutschland, Frankreich und Grossbritannien sehr wohl mittels der EU versuchen, in der heutigen Weltgeschichte ihre Stimme lauter zu erheben. Alleine wären sie bekanntlich heute zu klein gegen Grossmächte wie die USA, Russland, China und die aufstrebenden Nationen Brasilien und Indien (BRICs Einfluss wächst).

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  • Torsten Schuhmacher, Wil SG am 18.05.2012 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Das füntfte Szenario

    Etwas scheint hier bei allen Planungen vergessen zu gehen. Griechenland hat zwei Institutionen die bei der Mehrheit der Griechen hoch angesehen sind; zum einen die Orthodoxe Kirche, zum anderen das Militär. Vergessen gehen oft die vielen Inseln, dort sind die Menschen teils sehr konservativ. Sollte der Demagoge AlexisTsipras wirklich eine Linksregierung bilden, so erlaube ich mir die These dass innert 48 Stunden die Panzer auffahren. Hatten wir schon mal am 21. April 1967, aber heute sind die Umstände weitaus andere. Aber wie damals dürfte die 'Genehmigung' auch wieder von den USA kommen.

  • Matthias am 17.05.2012 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    Amis vs Europa

    Das Problem ist nicht der Euro sondern die Staaten, welche schon vor dem Euro wirtschaftlich schlecht dagestanden haben. Sie meinten mit dem Euro ihre miese Situation zu umgehen. Aber schauen wir mal über den grossen Teich zu den Amis, wohl mehr Schulden als alle Länder zusammen und dennoch immer ein grosses Maul gegenüber andern. Amerika stand letztes Jahr im August kurz vor dem Staatsbankrott.

  • Roger am 17.05.2012 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ausstieg bietet Chancen!

    Stimme mit dem Bericht nicht zu. Der Ausstieg bietet gute Chancen für die Griechen. Mit diesem Szenario wird nicht alles negativ sein! Wenn die Griechen wieder die eigenen Währung herausgeben, können die Löhne wieder gezahlt werden. Wird die neue Währung genügend abgewertet, dann kommt die Wirtschaft wieder in Gang, weil Griechenland für Investoren und Touristen wieder attraktiv wird! Das sind die notwendigen Schritte für die Normalisierung. Den Euro könnte man parallel beibehalten. Wenn sich die Wirtschaft jedoch erholt, dann wird der Euro in Griechenland nur noch eine zweite Wahl sein.

  • peter p am 17.05.2012 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    griechenland kann uns alle retten...!!

    leider ist es bitter nötig, dass staaten wie griechenland vor die hunde gehen...es müssen noch viele folgen!! erstmals ist das leid und elend der bevölkerung natürlich schwer zu verstehen und mitanzusehen...aber nur wenn möglichst viele mitgliedsstaaten ''kaputt'' gehen besteht eine geringe chance, dass die EU endlich das bekommt was ihr zugesteht...einen Untergang in dimensionen die wir uns nur erträumen können...geschieht dies nicht, werden sie uns alles wegnehmen, uns unterwerfen und uns besiegen...wir können es nicht sehen und doch geschieht es...

    • Perry Pan am 19.05.2012 09:31 Report Diesen Beitrag melden

      Krude Idee!

      Es geht Ihnen also nicht darum, dass es den Leuten besser geht, sie wollen einfach nur, dass die EU zugrunde geht, auch wenn dafür die Griechen und andere richtig bluten müssen? Oh Mann! Und das meinen Sie noch ernst?

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