Emmi-Chef

16. Juni 2017 22:45; Akt: 16.06.2017 22:45 Print

«Ich war eine Woche lang Teilzeit-Veganer»

von Isabel Strassheim, Luzern - Der Schweizer Milchverarbeiter Emmi hat keine Angst vor dem Vegan-Trend. CEO Urs Riedener erklärt im Interview, wieso.

Emmi-CEO Urs Riedener spricht im Interview mit 20 Minuten über Milch und erklärt, warum die Bauern so wenig daran verdienen. (Video: I. Strassheim)
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Urs Riedener, haben Sie Angst vor Veganern?
Nein, ich finde es spannend. Auch ich habe schon verschiedene Milchersatzprodukte probiert. Wir führten bei uns am Emmi-Hauptsitz sogar eine vegane Woche durch, um herauszufinden, wie dieser Lifestyle funktioniert. Ich habe als Teilzeit-Veganer mitgemacht und in der Kantine vegan gegessen. Die Frage ist, wie gross die Überzeugung sein muss, um das durchzuhalten. Die Art und Weise, wie ich was wo bekomme, ist anstrengend. Aber ich finde viel Gutes daran, denn die Leute interessieren sich wieder vermehrt dafür, was sie essen.

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Achten Sie darauf, Schweizer Milchprodukte zu konsumieren?

Emmi gehört mehrheitlich den Zentralschweizer Milchproduzenten – und Sie machen auf vegan?
Vegane Milchersatzprodukte sind für Emmi keine strategische Option. Das bedeutet aber nicht, dass sich Emmi dem Vegan-Trend verweigern würde. Wir stellen schon jetzt eine Palette an veganen Milchersatzprodukten her, etwa auf Basis von Soja, aber auch mit Mandel- und Lupinenmilch. Einige Karma-Produkte von Coop kommen von uns. Wir betrachten aber gerade den Rohstoff Soja sehr kritisch. Die Frage ist schon, ob Soja aus Brasilien nachhaltiger ist als Schweizer Gras, das zu Milch verarbeitet wird. Und die Zusatzstoffe in vielen veganen Nahrungsmitteln sind auch nicht zu unterschätzen.

Auch Nicht-Veganer trinken immer weniger Milch.
Das hängt mit dem extrem grossen Lebensmittelangebot und den Lebensgewohnheiten zusammen. Das Biertrinken geht ebenso zurück, denn die Leute sitzen kaum noch zusammen am Tisch. Wenn das Morgenessen, Mittagessen und vielleicht auch noch das Abendessen vermehrt unterwegs stattfinden, ist halt der Caffè Latte im Becher gefragter als das Glas Milch. Unser Job ist es, den Leuten Milch so anzubieten, dass sie zu ihrem Lebensstil passt. Und das ist immer weniger im Tetra Pak.

Emmi will dieses Jahr beim Umsatz erneut zulegen – wie?
In der Schweiz wird das weiterhin schwierig sein. Hier rechnen wir insgesamt mit einem stagnierenden bis rückläufigen Umsatz und Ertrag. Auch wenn es in der Schweiz Produkte gibt, die noch immer zulegen können, beispielsweise Caffè Latte und Kaltbach. In ganz vielen europäischen Ländern wachsen wir – auch dank Caffè Latte und Kaltbach aus der Schweiz. Nebst den Exporten produzieren wir auch in Ländern ausserhalb der Schweiz. Unser wichtigster Auslandsmarkt sind die USA. Dort wollen wir dieses Jahr auch vor allem mit unseren Ziegenmilchprodukten wachsen.

Wird Emmi zum Lifestyle-Konzern?
Nahrungsmittelhersteller sollten sich doch immer am Lebensstil der Konsumenten orientieren, um erfolgreich zu sein. In unserem Bereich gibt es einen Trend zurück zu natürlichen Lebensmitteln. Die Mode des Functional Food mit künstlichen Zusatzstoffen ist am Abflauen, ebenso der Light-Trend. Beides kommt uns als Milchverarbeiter entgegen.

Warum?
Der Margarinenkonsum zum Beispiel geht in der Schweiz stark zurück, weil die Leute kein künstlich zusammengesetztes Produkt wollen, das eventuell Palmöl enthält. Es geht zurück zum Natürlichen. Deshalb steigt der Butterabsatz. Interessant ist für uns auch der Superfood-Trend. Deshalb haben wir vor kurzem ein Birchermüesli mit Chia-Samen lanciert. Auch Milch könnte so dank ihrer Natürlichkeit wieder trendig werden.

Es tobt ein Kampf um den Milchpreis, müssen die Bauern mehr Geld erhalten?
Das liegt in den Händen der Detailhändler. Sie können Preisänderungen durchsetzen. Ich finde es sehr gut, dass Coop den Bauern ab Juli mehr bezahlt. Aber erst wenn auch die Migros als grösster Schweizer Milchverkäufer mit eigenem Verarbeitungsbetrieb nachzieht, wird es eine Branchenbewegung geben. Das muss die Migros jedoch selbst entscheiden.

Und wieso zahlt Emmi den Bauern nicht mehr?
Weil wir in einem intensiven Wettbewerb stehen. Die Schweiz importiert so viel Joghurt und Käse wie nie zuvor. Zudem gibt es von unserem Blockbuster Caffè Latte unzählige Billigkopien aus dem Ausland. Die ausländische Milch ist 20 Rappen günstiger pro Liter. Dagegen müssen wir uns behaupten können.

Die Lösung wäre nur Schweizer Milch für Schweizer Konsumenten?
Ich glaube an den freien Konsumenten. Aber ich empfehle, schon mal auf der Packung nachzulesen, woher ein Joghurt kommt. Die Sache ist ganz einfach: Wenn in den Geschäften weniger Schweizer Milchprodukte verkauft werden, gibt es unter den Schweizer Bauern weniger zu verteilen. Da hat der Konsument mehr Einfluss, als ihm vielfach bewusst ist.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Petra am 16.06.2017 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Herzig. 1 Woche und dann noch teilzeit. Sicher eine krasse Erfahrung.... ;-)

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  • Trainer am 16.06.2017 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungesund

    Grösste Zuckermafia. Verkauft an Protein Drink mit mehr Zucker als Protein.Sämtliche Produktetotal überzuckert

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  • Monika G.F. am 16.06.2017 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptproblem Zucker

    Emmi sollte sich lieber mal endlich Gedanken darüber machen, wie sie ihre Produkte von Zuckerbomben in wirklich gesunde Milchprodukte umwandeln könnte. Ganz natürlich mit Stevia!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 17.06.2017 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Affentheater für nichts...

    Veganer mit Sojamilch, ach so, passt das zusammen? vor allem wenn man weiss das Sojapflanzen öfters genmanipuliert sind. Persönlich ziehe ich ein gutes Glas Schaf oder Kamelmilch vor. Das hat höchstens Tiergenen...

  • Ernesto Froehlich am 17.06.2017 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wort des Jahren: Teilzeitveganer

    Und ich bin seit 40 Jahren Teilzeitveganer, nämlich von 8 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr und dann wieder ab Mitternacht bis zum Aufstehen...

    • Martial2 am 17.06.2017 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ernesto Froehlich

      Es gibt Teilzeitarbeit aber bestimmt nicht Teilzeit Veganer. Man ist es oder auch nicht...Als Rentner bin ich lieber Teilzeitarbeiter, dafür Vollzeit Fleisch Fresser!!

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  • Teilzeitler am 17.06.2017 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teilzeit? Aber immer!

    Ich bin das ganze Jahr über und seit meiner Geburt Teilzeitveganer - wer ist das schon nicht?

  • paul krucks am 17.06.2017 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Missionieren

    Immer diese Leute, die meinen Veganer seien missionierend...es gibt viel viel mehr Fleischesser, die einem in den Ohren liegen ! und jeder hat seine Meinung...aber wisst ihr was ? ich bin froh, dass es soviel likes gibt fuer pro-vegan und pro-vegane posts, obwohl die Veganer deutlich in der Minderheit sind. und hoffentlich ist vegan in 10 Jahren eine diskussionslose akzeptierte Ernährungsform...

    • Soso am 17.06.2017 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @paul krucks

      Aber überleg mal. Warum gibts wohl erst die Fleischesser die in den Ohren liegen? Wenn sich Vegetarier und Veganer ruhiger verhalten wuerden, gäbs gar keinen Stress.

    • Martial2 am 17.06.2017 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @paul krucks

      Veganer sein ist eine Mode die nichts bringt. Die können das tun aber bitte die Normalos in Ruhe lassen. Wie jede Modetrend, es kommt und geht wieder sehr schnell...

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  • Vg0989 am 17.06.2017 14:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    stop

    achtung jetzt kommen die milchhassprediger. ihr bringt mich mit euren kommentaren zum überschäumen.. sprecht mal mit einem älpler. dieser klatscht euch städter der milchkessel über. was glaubt ihr eigentlich von was sich unsere grosseltern ernährt haben? von hanfsamenmilch? hört auf mit dem eiter- kälber-schwachsinn. Leben und leben lassen!

    • Allesesser am 17.06.2017 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Vg0989

      Bin zwar kein Vegi, aber nur weil etwas vor 60 Jahreb logisch und gut war muss es dass heute nichtmehr sein. Entweder wir dezimieren die Weltbevölkerung drastisch oder alle werden Vegan aber für 10 milliarden fleischesser und mehr fehlen schlichtweg die Ressourcen. Das sage ich, heuchlerisch, während ich zum Mittag ein Schnitzel verdrückt habe...

    • Franz Hochstamm am 17.06.2017 16:09 Report Diesen Beitrag melden

      Versagen Monopol Emmi @Vgo989

      Brauchen wir überhaupt noch Bauern ? Keiner produziert Rentabel ? Es wird weiterhin Finanzvitamine in den Hintern geschoben , ich kaufe schon lange alles in Deutschland für meine 5 Köpfige Familie und spare so Spesen Zeit abgezogen, Rein Netto 6000 CHF ein , ohne dies können wir uns keine Ferien mehr leiten , unsere Bauern die mit 3 bis 4 Traktoren , wo zu Faul sind Hänger um zu hängen 2 billig Portugiesen , jammern was das Zeug hält

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