Kohlendioxid-Konzentration

20. April 2017 05:36; Akt: 20.04.2017 05:36 Print

Wie schädlich ist die schlechte Luft im ÖV?

Laut Untersuchungen herrscht in Zügen stickige Luft. Das kann Schwindel oder Kopfschmerzen auslösen. Ebenso störend sind aber auch andere Gerüche.

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In den Zügen der SBB herrscht dicke Luft: Das zeigt eine Erhebung der Zeitschrift «Ktipp». In neun von 20 untersuchten Zügen belief sich die Kohlendioxid-Konzentration auf über 1500 ppm («parts per million») pro Kubikmeter Luft. Zum Vergleich: Im Arbeitsgesetz ist festgehalten, dass der CO2-Wert in Büros die Schwelle von 1000 ppm nicht überschreiten sollte.

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Wie finden Sie die Luft in den Zügen?

Die erhöhten Werte bleiben nicht ohne Folgen für die Gesundheit der Pendler: Das Seco, das die Luftqualität an den Arbeitsplätzen untersucht, bezeichnet bereits Konzentrationen ab 1000 ppm als «mittlere Luftqualität». Die Folgen: Reizungen der Schleimhäute, Konzentrationsstörungen, Schwindel oder Kopfschmerzen. Arbeitshygieniker Thomas Hofmann erklärte gegenüber dem «Ktipp», dass bereits Mittelwerte ab 1000 ppm im Zug das Wohlbefinden deutlich schmälern könnten.

Martin Bänninger, Geschäftsführer des Schweizerischen Vereins für Luft- und Wasserhygiene, beunruhigt die Luftqualität in den SBB-Zügen jedoch nicht. Zwar zeigten die erhöhten CO2-Werte, dass der Luftaustausch in den Zügen nur ungenügend funktioniere. «Bis man da etwas von der Belastung merkt, müsste man schon einige Stunden im Zug sitzen – und das tun wohl die wenigsten Pendler», sagt er zu 20 Minuten.

«Mindestens so störend können Gerüche sein»

Problematisch kann es laut Bänninger für die Passagiere werden, wenn zu den erhöhten CO2-Werten in schlecht durchlüfteten Zügen weitere Luftverschmutzungen hinzukommen: «Mindestens so störend können Gerüche sein, die andere Passagiere verursachen – wenn etwa jemand im Zug isst oder dauernd hustet.»

Die Wahrnehmung, ob das Verhalten der anderen Passagiere oder die CO2-Belastung einen beeinträchtige, sei aber sehr individuell, betont Bänninger. «Einige können sich bereits ab einer CO2-Belastung von 1500 ppm im Zug nicht mehr konzentrieren, andere dagegen merken davon gar nichts und fühlen sich dafür vom hustenden Sitznachbarn massiv gestört.»

SBB soll Lüftung besser überprüfen

Von der SBB fordert der Luftexperte, dass sie auf jeden Fall überprüft, wie die Luftqualität in den Zügen verbessert werden kann. Denn eine gut instand gehaltene Lüftung senke einerseits die CO2-Konzentration in der Luft, andererseits bekämpfe man so gleichzeitig, dass sich unangenehme Gerüche – oder gar Krankheiten – im Zug verbreiteten.

SBB-Sprecherin Masha Foursova bestätigt auf Anfrage, dass die Werte in der Hauptverkehrszeit zwar «während einzelner Minuten» auf 1500 ppm steigen könnten, danach aber laut eigenen Messungen schnell wieder sinken. Aufgrund der Tatsache, dass «in der Hauptverkehrszeit die Personenbelegungsdichte vergleichsweise doppelt so hoch ist wie etwa in einem Hörsaal», sieht die SBB keinen Handlungsbedarf.

Bisher keine Beschwerden wegen Luftqualität in Zügen

«Die SBB tauscht alle zwei bis sechs Monate die Filter der Klimaanlagen aus», erklärt Foursova. Zudem würden alle Klimaanalagen der SBB-Flotte jährlich unterhalten und gereinigt. Zusätzlich überwache die SBB die Luftqualität in den Zügen mit Langzeitmessungen. Der Grenzwert, der allgemein für den Eisenbahnverkehr gilt, liegt bei 5000 ppm – also ein dreimal höherer Wert, als er in den Zügen gemessen wurde.

Bei der SBB heisst es weiter, dass es bisher keine Beschwerden wegen der Luftqualität in den Zügen gegeben habe. «In der Regel melden sich Kunden bei uns, wenn es im Zug zu warm oder zu kalt ist und nicht aufgrund der Luftqualität», so Foursova.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D.M. am 20.04.2017 06:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schulzimmer

    Also im Zug hatte ich noch nie Probleme... Allerdings müsste man gewisse (Berufs-)schulzimmer mal untersuchen..! Da herrscht WESENTLICH schlechtere Luft!

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  • hul am 20.04.2017 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwei grosse G's

    Geräusche und Gerüche. Ich sage nur "dauertelefonierende Wichtigtuer" und "Thonbrötli". Wer pendelt, weiss, was ich meine.

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  • T21 am 20.04.2017 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt

    Hatte auch schon Kopfschmerzen im Zug, aber die baldige Überbevölkerung macht es wahrscheinlich auch nicht besser!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • kuhälpler am 20.04.2017 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    ein wenig Toleranz, oder!

    Als ich neulich von der Alp herunterkam und den Intercity nach Bern bestieg, hatte ich ein klammes Gefühl. Ach die Menschen sind doch tolerant. Niemand hat sich beschwert, niemand hat den Platz gewechselt und ich stank wie eine Alphütte vor mich hin.

  • Experte am 20.04.2017 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seuchentempel!

    Das so richtige Seuchentempel. Man steckt sich gegenseitig an, weil man sich doch sehr nahe kommt. Viele Leute halten nicht mal ein Taschentuch bereit falls man niesen muss. Man wird von deren so richtig abgeduscht. Man sieht es nicht, weil die Partikel so klein sind. Aber wie gesagt obereklig. Es gibt halt leider viele ohne Rücksicht!

  • Adrian am 20.04.2017 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    schlechte Luft hatte die SBB schon immer

    Neu ist dabei nur die Strahlung, sie ist teilweise über dem Grenzwert und damit 60mal höher als von Baubiologen empfohlen.

  • Yannick Huber am 20.04.2017 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen..

    Luft verbessern: -Essen in zügen verbieten. -zu viele kommen leider nicht auf die Idee morgens unter die Dusche zu springen.. -tonnen von parfüm und deo am mensch ist auch nicht das beste.. usw. usw. usw.

  • Warum am 20.04.2017 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ernst genommen

    Martin Bänninger fäfrt ja auch nicht Zug während den Stosszeiten. Der hat sicher ein Auto, ansonsten 1.Klasse. Der nimmt das Problem nicht ernst genug.