Managed Care

16. Juni 2010 23:02; Akt: 16.06.2010 23:09 Print

Bumerang für Versicherte befürchtet

von Elisabeth Rizzi - Krankenkassen müssen künftig zwingend Versicherungen mit Ärztenetzwerken anbieten. Das Sparpotenzial könnte kleiner sein als erwartet.

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Werden die bisherigen Rabatte für Managed-Care-Versicherte bald gestrichen? (Keystone)

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Gestern beschloss der Nationalrat, dass Krankenkassen künftig Versicherungen mit Ärztenetzwerken (Managed Care) anbieten müssen. Ein ­höherer Selbstbehalt für Versicherte mit der freien Arztwahl (heute das Standardmodell) soll mehr Leute zu einem Wechsel zu Managed Care bewegen. «Man erwartet, dass hier sowohl die Qualität als auch die Wirtschaftlichkeit besser sind», erklärt Urs Brügger, Gesundheitsökonom an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Winterthur. Heute befinden sich 30 Prozent der Versicherten in Netzwerken. Brügger glaubt, dass nach dem Nationalratsentscheid bald mehr als 50 Prozent Managed Care wählen würden.

Der Krankenkassenverband Santésuisse zeigt sich ebenso wenig besorgt wie Branchenprimus Helsana. Doch es gibt auch Mahner: Derzeit bekommen Managed-Care-Versicherte bis zu 20 Prozent Prämienrabatt. Die Krankenkassen beklagen aber schon heute ein Loch bei den Prämieneinnahmen. Diese würden bei einer Zunahme von Managed Care weiter sinken. «Die Hoffnung ist, dass die Kosten so weit sinken, dass das Prämienvolumen tiefer sein kann», sagt Peter Zweifel, Gesundheitsökonom an der Uni Zürich.

Damit dies möglich ist, müssten die Krankenkassen jedoch frei wählen können, mit welchen Ärzten sie zusammenarbeiten – sprich: zu teure ablehnen können. «Das ist nicht möglich.» Zweifel befürchtet deshalb eine versteckte Prämienerhöhung: Die Kassen könnten gezwungen sein, die bisherigen Rabatte für Managed Care zu streichen, wenn die Ersparnisse tiefer ausfallen als erwartet.