«Plain Packs»

16. August 2012 07:32; Akt: 17.08.2012 11:05 Print

Eklige Zigipäckli helfen den Tabakmultis

von Sabina Sturzenegger - Australien verbannt Markenlogos von Zigarettenpackungen. Auf den Päckli sollen nur noch eklige Bilder prangen. Den grossen Marken wird das kaum schaden – im Gegenteil.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Die Zigipäckli in Australien sollen künftig richtig gruselig aussehen: Einheitliche olivgrüne Kartonschachteln mit ekelerregenden Bildern von Nikotin-geschädigten menschlichen Organen und Föten drauf. Ein knallgelber Warnstreifen prangt auf der Seite und ein winziger Schriftzug mit der Zigarettenmarke zeigt vorne drauf, was man überhaupt raucht.

Umfrage
Was halten Sie von den Plain Packs?
5 %
61 %
34 %
Insgesamt 1572 Teilnehmer

Die australische Regierung will mit der neuen Verpackungsvorschrift das Rauchen so unattraktiv wie möglich machen. Die Tabakkonzerne haben sich bis anhin vergebens gegen die Vorschrift gewehrt. Ihr Argument: Der Wert ihrer Markenzeichen werde damit zerstört. Der oberste australische Gerichtshof wies die Klage ab.

Eine «Markenkastration»

Für den Schweizer Werber Frank Bodin kommt die neue Vorschrift einer «Markenkastration» gleich. Für den Chef der Werbeagentur Euro RSCG Schweiz ist ein solches Werbeverbot gar unzulässig. «Grundsätzlich gilt: Solange ein Produkt legal erworben werden kann – und das ist bei Zigaretten immer noch der Fall – muss es beworben werden dürfen.» Er ist überzeugt, dass die Marken so auf Dauer an Wert verlieren. Um wie viel es dabei geht, sei schwer zu sagen.

Klar ist für Bodin aber auch, dass die sogenannten Plain Packs den Wettbewerb verzerren – und zwar in eine ungewollte Richtung: «Es ist schon länger bekannt, dass Werbeverbote den grossen multinationalen Tabakgesellschaften nützen und dafür kleinere Unternehmen behindern.» Das heisst: Die grossen, etablierten Zigarettenhersteller können ihre Stellung im Markt auch mit den Plain Packs behalten, weil die meisten Raucher bei ihrer Marke bleiben. Kleinere oder neue Marken können in diesen Markt gar nicht erst eintreten.

BAT wird ein Gewinner sein

Andreas Tomaschett, Analyst bei der CS, unterstützt diese Einschätzung: «Es wird fast unmöglich für neue Wettbewerber, in den australischen Markt einzusteigen.» Für die bisherigen Marktteilnehmer wie British American Tobacco (BAT), Philipp Morris und Imperial sei das positiv – sie könnten ihren Marktanteil verteidigen, ohne gegen neue Mitbewerber kämpfen zu müssen. «Wir erwarten, dass BAT in Australien auch mit den Plain Packs die bisherigen Umsätze erreicht», sagt Tomaschett.

Allerdings könnten die Plain Packs einen anderen, von der Regierung ungewollten Effekt haben, fürchtet der Analyst: «Wenn das Logo und die Marke nicht mehr erkennbar sind, werden die Produkte noch anfälliger für Fälschungen.» Das führe einerseits zu Steuerausfällen beim Staat, andererseits zu sinkenden Preisen bei den Zigaretten. «Für junge Leute können tiefe Preise wiederum ein Anreiz sein, mit dem Rauchen anzufangen», warnt er. Andere Länder dürften vorsichtig sein mit dem Entscheid, ob sie die Plain Packs ebenfalls einführen wollen, glaubt Tomaschett.

Marke funktioniert auch ohne Logo

Für Markenspezialist Nik Stucky ist das Plain Packaging aus einer anderen Sicht ein Schlag ins Wasser: «Die Identität einer Marke kann heute auch ohne Logo und Markennamen bestehen.» Gerade Alkohol und Tabak könne man bewerben, ohne das Produkt zu nennen, sagt der Chef der Markenfirma Brandlead. «Man kann auch auf andere Marketingmittel als die Zigarettenschachtel zurückgreifen, ich denke an Events oder Sponsoring», sagt Stucky.

Bis anhin hätten die äusserlich veränderten Zigarettenpäckli, wie wir sie kennen, enttäuschend wenig bewirkt. «Das ist für mich ein Indiz dafür, dass man mit noch strengeren Mitteln, was die Verpackung angeht, nichts bewegen kann», urteilt Stucky.

Emerging Markets sind die Zukunft

Um die Zukunft der Tabakkonzerne fürchtet deshalb auch Analyst Tomaschett nicht: «Mittelfristig werden die Volumen in der westlichen Welt sinken. Doch das Wachstum kommt auch bei den Tabakprodukten aus Asien. Dort sind die Regulierungen auch noch viel weniger streng.»

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Ausgewählte Leser-Kommentare

... aber ich frage mich schon, ob es nicht zu weit geht. Ich meine dass rauchen ungesund ist sollte mittlerweile jeder wissen. Aber auch andere Dinge wie Alkohol, RedBull, McDonnalds usw. sind ebenso ungesund und können auch einen früheren Tod verursachen (am rauchen selber stirbt man ja nicht...). Ich finde es gut wenn man die Prävention vorantreibt, vor allem bei jungen, aber dass diese Bilder jemanden vom rauchen abhalten der schon Raucher ist, bezweifle ich doch stark. Auch die Jungen sind wohl nicht wirklich abgeschreckt davon... – T.G.

... um aus Rauchern Nicht-Rauchern zu machen. Aufklärung, Prävention und NUR ein Verbot. Nicht in Gesellschaft rauchen zu dürfen. Denn das bestärkt das eigene Handeln und den Zusammenhalt. Und viel wichtiger, Kinder und Jungendliche kommen so nicht in Berührung. Ich stell mir das so vor, dass man aus den vielen Telefonzellen, die sowieso nicht gebraucht werden, zu Raucherzellen in den man nicht reinschauen aber rausschauen kann umbaut. Es darf jeweils nur eine Person sich darin aufhalten und rauchen. – A. Neuhuser

Für Sammler aller Art kann es interessant sein, auch als Nichtraucher diese Päckli zu sammeln. Unter Umständen können mit der Zeit diese Päckli noch einen interessanten Wert erreichen ;-)) Die Tabackmulties können sich die Hände reiben. – Alfred W.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kurt am 21.08.2012 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ziggis ohne bilder

    Bestelle schon lange die ziggis für 2.80 online im netz.und noch hne die bilder

  • Bilder Sind Frech am 21.08.2012 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit die bilder

    Es ist schon respektlos für uns raucher,wir zahlen so viel für die ziggis und kriegen dann noch solche hässlichen bilder. Wir waren die tage in einem restaurant zum essen,die bilder snd nur ecklig und haben auch den nichtrauchern den appetit vermieset.nur freuch,hoffe die bilder werden bald verboten

  • King Kong am 21.08.2012 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie komisch

    Früher gab es noch Raucher Wagons bei der SBB. Da konnte man genüsslich eine Zigarette, eine Zigarre oder eine Pfeife rauchen, wenn man unterwegs war. Heute darf man nicht mal mehr im Freien rauchen, ohne dass man nicht als Massenmörder angesehen wird. Früher, als ich noch jünger und Nichtraucher war, da hat es mich nicht gestört, solange die einem den Qualm nicht direkt ins Gesicht gepustet haben. Heute leben wir in einer "übersensibilisierten" Welt!

  • Hermann Eskorbier am 21.08.2012 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn  

    Blödsinn. Warum sollte ich mit Rauchen aufhören? Ich rauche gerne und es ist meine Entscheidung weiter zu Rauchen. Was fällt einen Nichtraucher ein, mir zu sagen ich muss aufhören zu Rauchen. Leben wir in einer Demokratie und darf ich nicht mehr über mein Leben selber entscheiden.

  • Daniel Keller am 19.08.2012 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Hinkende Vergleiche

    Hört endlich auf, die Verantwortung immer auf andere Gruppen: Alkoholiker,Autofahrer etc. zu schieben.Hier geht es einzig und alleine um die Raucher! Ihr seit das Problem

    • D.Menzi am 20.08.2012 18:31 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Die Nichtraucher sind das Problem lasst uns doch endlich in Ruhe statt die frustrierten zu spielen die einfach sich einen Prügelknaben suchen um draufrummzuhämmern, nur um seine eigene Existenz erträglichger zu machen. Hört mal mit diesen Übertreibungen auf das Rauchen mehr Tote verursacht als alles andere ist schlicht weg gelogen, sicher Rauchen ist ungesund und verursacht Krebs ( na und ? ) es gibt noch Tonneweise anderes das Krebs verursacht es gibt auch Menschen die nicht an Krebs sterben wegen Rauch sondern wegen der vielzahl andere Dinge die Krebs versursachen.

    • Steve am 20.08.2012 19:54 Report Diesen Beitrag melden

      Hinkende Entwicklung

      Hört doch endlich auf die Vergleiche schlecht zu machen... die Vergleiche sind Tatsachen.. und wer damit nicht klarkommt... der tut mir einfach leid. Die meisten haben doch damit nur Probleme, weil sie sich angesprochen fühlen.. oder? Das einzige Problem ist die Intoleranz und das Verständnis der Leute,- also Leute wie du (kein direkter Vorwurf an dich, aber Tatsache von vielen Diskussionen). Warum sollte nur eine Gruppe die Verantwortung haben? Wir sind eine Bevölkerung, wir müssen zusammen auskommen.. diese "ihr seit so fiies" Kommentare bringen überhaupt nix.. besser SELBER was ändern!

    einklappen einklappen