Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Managerlöhne
07. Juni 2011 10:48; Akt: 07.06.2011 18:16 Print
Räte schieben Abzocker-Vorlage auf lange Bank
Das Eisen ist zu heiss um noch vor den eidgenössischen Wahlen im Herbst geschmiedet zu werden. Die Räte verschleppen die Abstimmung über die Abzocker-Initiative erfolgreich.
National- und Ständerat haben ein weiteres Jahr Zeit, um einen Gegenvorschlag zur Abzocker-Initiative auszuarbeiten. Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat beschlossen, die Frist für die Behandlung der Initiative zu verlängern.
Abzocker-Initiative und der GegenvorschlagDie sogenannte Abzocker-Initiative von Thomas Minder geht den bürgerlichen Politikern zu weit. Doch sie fürchten an der Urne den Volkszorn gegenüber der Wirtschaft und wollen diesen mit einem Gegenvorschlag zähmen. Doch dabei stehen zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Der direkte Gegenvorschlag, den ursprünglich die CVP vorantrieb, würde zusammen mit der Initiative dem Volk zur Abstimmung unterbreitet. Er ist inzwischen auf Eis gelegt.
Die beiden Kammern beraten derzeit über einen indirekten Gegenvorschlag, den ursprünglich die SVP einbrachte. Dieser beinhaltet eine Gesetzesänderung, welche die Anliegen der Initiative aufnimmt, und käme nicht zusammen mit der Initiative vors Volk. Die SVP hat dem Initianten Minder die Zusage abgerungen, dass er die Initiative zurückzieht, wenn eine griffige Anpassung des Aktienrechts durchkommt.
Die Abzocker-Initiative will bei Aktiengesellschaft Boni verbieten und die Gehälter von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung beschränken, indem die Aktionäre darüber abstimmen müssen. Umstritten sind dabei mehrere Punkte: dass diese Regelung alle Aktiengesellschaften und nicht nur die börsenkotierten betrifft; dass die Aktionäre auch die Gehälter der Geschäftsleitungsmitglieder bestimmen sollen, obwohl das in der Kompetenz des Verwaltungsrats liegt; dass die Stimmrechtsvertretungen nur noch so erlaubt sind, dass sie kurzfristige Investoren, sogenannte Heuschrecken, begünstigen würde. Aus formalen Gründen kritisieren einige Politiker ausserdem, dass aktienrechtliche Bestimmungen nicht in die Verfassung gehören. Dieser unschöne Umstand, der im Schweizer System der Volksinitiativen häufig vorkommt, würde vom indirekten Gegenvorschlag vermieden. (mdr)
Die kleine Kammer sprach sich am Dienstag mit 27 zu 11 Stimmen für die Fristverlängerung aus. Die Befürworter argumentierten, die Räte bräuchten Zeit, um die Differenzen im indirekten Gegenvorschlag auszuräumen. Die Gegner einer Fristverlängerung warnten davor, dass die Bevölkerung dafür kein Verständnis habe.
«Uns versteht ausserhalb dieses Saales niemand mehr», sagte Urs Schwaller (CVP/FR). Viele hätten offenbar Angst, die Abzocker- Initiative dem Volk vorzulegen. Auch Luc Recordon (Grüne/VD) zeigte sich überzeugt, dass die Abstimmung absichtlich hinausgezögert wird.
Von Taktik geprägt
Verena Diener (glp/ZH) führt zwar die Fristverlängerung nicht auf Verzögerungstaktik zurück. Doch die ganze Geschichte der Initiative und möglicher Gegenvorschläge sei von solcher Taktik geprägt gewesen, stellte sie fest. Angefangen habe sie damit, dass die «immense Einflussnahme» von Seiten der Wirtschaft die Räte daran gehindert habe, eine Lösung zu finden.
Nun gelte es, gegenüber der Bevölkerung ein Zeichen zu setzen, forderte Diener. Sie gab zudem zu bedenken, dass die Räte auch ohne Fristverlängerung am indirekten Gegenvorschlag weiterarbeiten könnten. Wenn es ihnen ernst sei, könnten sie die Vorlage sehr wohl bis zur Abstimmung bereinigen.
Nichts Illegales
Die Mehrheit im Ständerat sah dies aber anders. Beim indirekten Gegenvorschlag gebe es 15 Differenzen zwischen den Räten, stellte Hermann Bürgi (SVP/TG) namens der Kommission fest. Würde die Frist nicht verlängert, müssten die Räte diese «husch, husch» bereinigen. Mit Verzögerung habe die Fristverlängerung nichts zu tun, beteuerte Bürgi. Wer das behaupte, liege «völlig daneben». Die Räte täten auch nichts Illegales, wie manche glauben machten.
Rolf Schweiger (FDP/ZG) hob hervor, dass es nicht das erste Mal sei, dass die Räte eine Frist zum zweiten Mal verlängerten. Die Fristverlängerung sei sinnvoll, denn inzwischen sei der Wille erkennbar, eine Lösung zu finden. Die Chancen eines indirekten Gegenvorschlags seien gestiegen, nachdem der Nationalrat «völlig überraschend» zugestimmt habe. Je nach Ausgang der Beratungen sei sogar denkbar, dass die Initiative zurückgezogen werde.
Positive Abkühlungsphase
Pankraz Freitag (FDP/GL) sprach von «Licht am Horizont». Die Räte müssten nun auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen. Vielleicht wirke sich eine Abkühlungsphase positiv aus. «Ich habe lieber etwas später eine gute Lösung als schnell eine schlechte», sagte Freitag.
Die Fristverlängerung hatte im Nationalrat die SVP beantragt. Die Räte haben nun bis am 26. August 2012 Zeit, eine Abstimmungsempfehlung zur Initiative zu verabschieden. Sie müssen auch entscheiden, ob sie dieser einen direkten Gegenvorschlag auf Verfassungsebene gegenüberstellen wollen. Ein solcher steht nämlich auch noch zur Diskussion, ist aber in den Hintergrund gerückt.
Umstrittene Bonussteuer
Dem indirekten Gegenvorschlag auf Gesetzesebene haben inzwischen beide Räte zugestimmt. Das Ziel ist dasselbe wie jenes der Initiative: Mittels der Stärkung der Aktionärsrechte sollen Lohn- und Boni-Exzesse eingedämmt werden.
In vielen Punkten sind sich die Räte aber noch nicht einig. So hat sich der Nationalrat anders als der Ständerat gegen eine Bonussteuer ausgesprochen. In der grossen Kammer setzten sich SVP, FDP und BDP erfolgreich gegen eine spezielle Behandlung sehr hoher Vergütungen zur Wehr.
Nach dem Willen des Ständerates sollen Unternehmen Vergütungen über 3 Millionen Franken nicht länger von den Steuern abziehen können. In Verlustjahren sollen solch hohe Boni zudem unzulässig sein. Die Befürworter der Bonussteuer argumentieren, mit steuerlichen Bestimmungen wäre der Gegenvorschlag eine echte Alternative zur Abzocker-Initiative. Denn diese setze ausschliesslich auf die Hoffnung, dass die Aktionäre bescheidenere Löhne festlegen würden.
(sda)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 34 Kommentare

































Gesetze sind da zum umgehen
Der Normalo darf bis 12 Mal mehr verdienen als die Putzfrau, das geht auf. Manager und Grossverdiener gründen eine Holding (auch da 1:12) und verkaufen ihre Leistungen der Firma mit den Kleinverdienern. Ich sehe den Sinn der Initiative immer noch nicht, völlig überflüssig! Manager sind 1000 Mal schlauer als die Initianten und dürfen somit auch 1000 Mal mehr verdienen.
schlau und mächtig ist nicht dasselbe
Der Sinn einer Holding ist das Halten und Verwalten von Beteiligungen. Der Betrieb darf nicht unbegrenzt Management Fees an die Holding auszahlen, sonst ist es keine Holding mehr. Letztlich geht es nur um Macht und einen Verteilungskampf, Manager sind einfach mächtiger und skrupelloser, aber nicht schlauer in dem Sinn, dass sie mehr Werte schöpfen.
Hausi, du verwechselst...
...die Juso-"1:12"-Initiative mit der originalen Volksinitiative "gegen die Abzockerei". Letztere sieht keine max. Lohnschere vor, denn wie du richtig erwähnst, würde dies eh umgangen werden. Die Abzocker-VI verlangt insbesondere, dass die GV jährlich die Gesamtlohnsumme der Topmanager genehmigt - was heute unmöglich ist.
Sinnlose Initiative
Ich denke sowieso nicht dass die Initiative angenommen wird. Also ich werde sie jedenfalls nicht unterzeichnen. Es ist doch egal wer wieviel verdient, und wenn er seinen Job gut macht, wieso soll er da nicht noch ein Bonus bekommen?
Gute Leistung?
Den Job so gut gemacht wie die Banken, die fast unser ganzes System zum Kollabs gebracht haben. Verstehst du das unter einer guten Leistung.
Guten Morgen, Dani S.!
Du musst die Volksinitiative zum Glück auch gar nicht mehr unterzeichnen, da wir die 120'000 Unterschriften längst, im Februar 2008, eingereicht haben. P.S.: Seit der Einreichung hat eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise stattgefunden. Schon gehört?
Alles faule Ausreden
Ich bin dafür, dass sämtliche Politiker ausgetauscht werden. Die sind allesamt überfordert. Von wegen Demokratie, sie unterstützen diejenigen in unserem Land, welche mit hohem Ausmass Wirtschafts-kriminalität betreiben. Das Nachsehen und das Ausbaden bleibt am Bürger hängen. Wenn die Politiker schon für die Abzockerei sind, dann sollen die Rückstellungen für die horenden Boni auch ganz normal versteuert werden. Jeder Otto-Normal-Verbraucher mit Lohnausweis muss auch jeden Franken versteuern.