Glückskette-Sammeltag

26. Januar 2010 17:38; Akt: 26.01.2010 17:40 Print

Wo fliessen die Spenden wirklich hin?

von Othmar Bamert - Über 20 Millionen Franken haben Schweizerinnen und Schweizer für die Erdbebenopfer in Haiti gespendet. Eine Frage ist: Wohin fliesst das Geld? Die andere: Wie viel versickert in der Administration?

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Schweizerinnen und Schweizer spenden fleissig für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Haiti. Gleichzeitig – das zeigen auch die Online-Kommentare – fragen sie sich viele, ob und in welcher Form das Spendengeld die Opfer erreicht.

Die Glückskette sammelt und überwacht

Seit Jahrzehnten wirkt bei Katastrophen im In- und Ausland die Glückskette als zentraler «Sammeltopf» für die Spendengelder. Damit finanziert sie dann konkrete Hilfsprojekte der rund 30 akkreditierten Partnerhilfswerke. Diese müssen ihre Projekte planen und der Glückskette vorlegen, bevor sie das Geld für die Durchführung erhalten. Für «Projektbegleitungskosten», sprich Administration, dürfen die Hilfswerke höchstens 10 Prozent der erhaltenen Spendengelder einsetzen.

Im Schnitt fliessen 15 Prozent der Spenden an die Glückskette in Projekte für Sofort- und Nothilfe, 70 Prozent in den Wiederaufbau und die restlichen 15 Prozent in die nachhaltige Entwicklung. Die Glückskette selbst finanziert sich über die Zinserträge der gesammelten Gelder, die auf ihrem Bankkonto in der Zeit zwischen Sammlung und Verwendung zwischenlagern.

Logistik kostet Geld

Ein Beispiel für ein Nothilfeprojekt liefert die Caritas. Das Traditionshilfswerk beantragt bei der Glückskette zwei Millionen Franken für die Beteiligung an einer koordinierten Aktion. «Dabei geht es darum, Nothilfegüter in die Katastrophenregion zu transportieren und unter den Notleidenden zu verteilen», sagt Caritas-Sprecher Stefan Gribi. Insgesamt sollen 200 000 Menschen versorgt werden.

Allerdings fliessen nicht die gesamten zwei Millionen Franken in Hilfsgüter wie Nahrungsmittel, Medikamente und Kleider: Ein Teil wird auch für Logistik und Transport oder die Entlöhnung der Helfer vor Ort gebraucht. «Anders könnte die Hilfe gar nicht durchgeführt werden», betont der Caritas-Sprecher.

Rund 22 Prozent für Werbung und Administration

Während den Sammelaktionen der Glückskette wird viel zweckgebundenes Geld in die Projekte der beteiligten Hilfswerke gespült. Von denen ein Zehntel für Administration aufgewendet werden darf. Anders sieht es aus bei Spendengeldern, die die einzelnen Hilfswerke selber, also ohne Mitwirken der Glückskette sammeln. Von diesem selber aqkuirierten Spenden werden im Schnitt 8 Prozent des Gesamtaufwandes für Marketing und das Eintreiben von Spenden aufgewendet sowie für engagierten Werbeagenturen und Fundraising-Organisationen. Dazu kommen noch die Kosten für die allgemeine Verwaltung des Hilfswerks von durchschnittlich 14 Prozent.

Das bestätigt auch Martina Ziegerer von der Stiftung ZEWO (Schweizerische Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Spenden sammelnde Organisationen): «Im Schnitt werden 22 Prozent des Gesamtaufwandes der Hilfswerke für das Spendensammeln und die Administration ausgegeben.» Sie stützt sich dabei auf eine Umfrage unter 180 der rund 500 ZEWO-zertifizierten Hilfswerke der Schweiz. Die Studie zeige, dass die Hilfswerke den administrativen Aufwand gesenkt hätten. Die Mittel würden effizienter eingesetzt als früher, «zudem ist ein gewisser administrativer Aufwand für eine seriöse Organisation unabdingbar», betont Ziegerer.

78 Prozent der Spenden fliessen somit in die Hilfsprojekte. Ziegerer: «Direkte Geldzahlungen gibt es aber selten». Die Hilfe bestehe fast ausschliesslich aus Hilfsgütern und Dienstleistungen für die unmittelbare Katastrophenhilfe, die humanitäre Wiederaufbauprojekte und die langfristig ausgelegte Entwicklungszusammenarbeit.

Mässigung bei der Werbung

ZEWO wacht mit Argusaugen über die zertifizierten Hilfswerke und mahnt zu Mässigung im Kampf um Spendengelder: «Wir registrieren, wenn ein Hilfswerk übermässig Werbung macht». Denn: Dann müssten die anderen nachziehen, um nicht selbst Spender zu verlieren. Letztlich würde so insgesamt weniger Geld zu den Notleidenden fliessen, erklärt die ZEWO-Geschäftsleiterin.