Airbus hat Kosten nicht im Griff

20. Januar 2010 14:59; Akt: 21.01.2010 09:32 Print

A380-Hersteller steckt tief im SchlamasselA380-Hersteller steckt tief im Schlamassel

Die triumphalen Jungfernflüge des Airbus A380 täuschen nur kurzfristig über die massiven Probleme hinweg: Der Airbus-Hersteller EADS kämpft ums Überleben. Hauptgrund ist ein verkorkster Militärtransporter.

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Der A400M hob zwar ab beim Jungfernflug am 11. Dezember 2009 in Sevilla, wirtschaftlich ist das Projekt für den Hersteller ein Beinahe-Grounding.

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Gestern Morgen liess der neue Superjumbo die Herzen tausender Schweizer Aviatik-Fans höher schlagen. Wenig Grund zum Jubeln hat man dagegen beim Hersteller European Aeronautic Defence and Space Company (EADS): Der Konzern steckt in gewaltiger Finanznot. Bereits letztes Jahr musste EADS. einen Gewinneinbruch um 40 Prozent auf 170 Millionen Euro ausweisen. Dieses Jahr dürften die Zahlen kaum besser werden.

Über 11 Mrd. Euro teurer

Hauptursache für das Schlamassel ist der Militärtransporter Airbus A400M, ein grünes Ungetüm mit vier Turbo-Propellermotoren und schwarzer Nase. Gewaltige Lieferverzögerungen und Kostenüberschreitungen überschatten das Prestigeprojekt der EU-Streitkräfte. Sieben Staaten hatten 2003 insgesamt 180 A400M bestellt, zum Gesamtpreis von 20 Milliarden Euro. Das erste Flugzeug hätte im Oktober 2009 ausgeliefert werden sollen. Nun ist dieser Termin aufs Jahr 2013 verschoben worden. Mit der gewaltigen Verzögerung wuchsen die Kosten für das erste Militärflugzeug der EADS-Tochter Airbus in den Himmel. Bis jetzt hat das Projekt über als 11 Milliarden Euro mehr verschlungen als geplant.

Staaten mitschuldig

Bei der Suche nach der Ursache für das Kostenfiasko schieben sich EADS und beteiligte Staaten gegenseitig den schwarzen Peter zu. Der Hersteller hat zwar signalisiert, rund 6 Milliarden Euro selbst zu tragen. Den Rest – rund 5 Milliarden Euro – sollen jedoch jene Länder übernehmen, die das Projekt in Auftrag gegeben hatten: Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Spanien, Belgien, Luxemburg und die Türkei.

Für den Hersteller sind die Staaten an der Kostenexplosion mitschuldig. Grund: Jede Luftwaffe habe ihre eigenen Wünsche angemeldet. Ausserdem bestanden einige Regierungen darauf – obwohl es bereits ein bewährtes kanadisches Triebwerk auf dem Markt gab –dass der europäische Flieger auch einen europäischen Motor haben müsse. Als Folge entwickelte Rolls-Royce ein neues Triebwerk. EADS-Präsident Louis Gallois beklagte diese politischen Entscheide jüngst in der französichen Zeitung «Le Monde»: «Die Kunden haben uns industrielle Parameter vorgeschrieben, sie müssen also auch das Risiko mittragen. Es darf nicht sein, dass ein solches Programm den Konzern destabilisiert.».

Mangelnde Kostenkontrolle

Wirtschaftsprüfer orten die Ursache für die Kostenexplosion indes im Unternehmen selbst. Das Management habe bei der Überwachung der Entwicklung und Produktion Fehler gemacht, zitiert das deutsche «Handelsblatt» einen vertraulichen Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers. Die für die Budgetierung verwendeten Kostensätze hätten höchstens «beschränkte Aussagekraft» gehabt. In Wahrheit verfüge die EADS über gar keine normale Finanzkontrolle für die Begleitung seiner Programme, wird ein Prüfer zitiert.

Nicht das einzige Sorgenkind

Trotzdem, und da wohl ein europäisches Prestigeprojekt nicht sterben darf, haben sich die die beteiligten Staaten mittlerweile auf «eine gemeinsame Position im Vorgehen geeinigt», wie Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums am Freitag in Berlin erklärte. Wie die Haltung aussieht, ist noch geheim. Gemunkelt wird, dass Bestellungen des Flugzeugs nicht storniert werden sollen. Das verkorkste Militärprojekt ist vermutlich vorerst gerettet.

Allerdings ist damit der Rüstungskonzern die Probleme beileibe nicht los: Der Militärtransporter A400M ist nur eines der Sorgenkinder in der Airbus-Familie. Nach der verspäteten Auslieferung des zivilen Superjumbos A380 bangt man nun auch beim Langstreckenflugzeug A350 um die Einhaltung der Fristen. Bereits sind über 500 Stück davon bestellt.

(scc/oba)

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