Schweizer Start-Up

14. Februar 2013 10:31; Akt: 14.02.2013 10:39 Print

Schweizer Konkurrenz für LinkedIn & Co.

von L. Waltersperger - Stablish.me unterstützt Stellensuchende mit einem neuen Ansatz: Nicht ihr Lebenslauf ist entscheidend, sondern die Bewertungen von Freunden und Kollegen. Die Branche ist skeptisch.

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Freunde, Bekannte und Kollegen bestimmen: Welche persönlichen und beruflichen Attribute eine Person auszeichnen. (Bild: stablish.me)

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Das Zürcher Start-up-Unternehmen stablish.me sagt Netzwerken wie Xing oder LinkedIn den Kampf an – mit einer neuen Plattform für Stellensuchende. Online-Profile wie auf Facebook oder LinkedIn und klassische Lebensläufe seien nur bedingt glaubwürdig, sagt Benedikt Escher, Mitbegründer der Site. «Jeder will sich im bestmöglichen Licht präsentieren.» Es mangle aber an Möglichkeiten, seine wahren Talente und Kompetenzen zu zeigen.

Da schaffen Escher und seine Kollegen Abhilfe: Auf ihrer Plattform bewerten sich die Nutzer gegenseitig, indem sie einander persönliche Attribute wie «lustig», «clever», «glaubwürdig» oder berufliche Fähigkeiten wie etwa «Unternehmer», «Werber» oder «Blogger» zuschreiben. Die Attribute eng vernetzter Freunde, Bekannten oder Kollegen sind jedoch am gewichtigsten.

«Kann die klassische Bewerbung nicht ablösen»

Auf der Job-Suche komme es nicht bloss darauf an, was man kann, sondern wer man ist, so Escher. Die Profile seiner User will er bald Firmen für die Rekrutierung bereitstellen. «Wenn die Nutzerbasis gross genug ist, wollen wir 2014 damit anfangen.» Letzten Dezember ging stablish.me online und zählt bereits 3500 User.

Hat der klassische Lebenslauf damit bald ausgedient? «Die Idee ist interessant», sagt Jörg Buckmann, Personalleiter bei der VBZ. Als Unternehmen, das bereits seit längerem auf Online-Recruiting setzt, weiss er, worauf es dabei ankommt. Noch könne die Plattform die klassische Bewerbung nicht ablösen. Bei der Rekrutierung müssen Personendaten standardisiert werden – alles andere bedeute einen zu grossen Aufwand.

Was nützen Bewertungen von Freunden?

Für Matthias Mölleney, Leiter des Instituts für Human Resources Management an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) sind sogenannte «Soft Skills» für Arbeitgeber wichtig bei der Kandidatenwahl. Im Bewertungskonzept von stablish.me sieht er jedoch keinen wirklichen Nutzen: «Arbeitgebern nützen Bewertungen von Kollegen, Freunden und Bekannten bei der Prüfung ihrer Kandidaten wenig.»

Start-up-Gründer Escher und sein Team wollen in Kürze ihre User-Profile mit den Angeboten auf Online-Job-Plattformen verknüpfen: «Die User können ihr Profil dank einem individuellen Link direkt an potentielle Arbeitgeber schicken.»

Bereits 250'000 Franken Kapital gesammelt

Die Konkurrenz wie die Job-Plattform jobs.ch sieht dem Vorhaben der Jungunternehmen gelassen entgegen: Persönliche und berufliche Skills werden für das Matching von Stellensuchenden und Jobinserate immer wichtiger, sagt Michel Kaufmann, Marketingleiter bei jobs.ch. Man sei ebenfalls daran, diese Daten zunehmend zu berücksichtigen. «Was stablish.me anbietet, werden wir in etwas anderer Weise auf jobs.ch auch abdecken.»

Knapp 100 Investoren konnten die Jungunternehmer über Crowd-Funding für ihre Geschäftsidee gewinnen: Bereits 250'000 Franken haben Escher und sein Team für die Umsetzung ihrer Pläne eingenommen. Den Grundstein für stablish.me hat das Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen gelegt: Professor Walter Brenner glaubt an die Geschäftsidee seiner Sprösslinge: Mit einer privaten Beteiligung und einem VR-Mandat unterstützt er das Projekt. Jungunternehmer Escher glaubt, dass stablish.me bereits nächstes Jahr Geld verdienen wird.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Filipo Mendez am 14.02.2013 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Arbeitszeugnis, Diplome, Lebenslauf, wir haben echt ein Problem in der Schweiz. Ich habe soviele Menschen Kennengelernt die Trotz allen Bescheinigungen nichts zu Stande kriegten. Keine Kreativität besitzen. Ich bin für den Ami Style. Für das gibt es ja die Probezeit. Das schnallen viele Unternehmen nicht. Gibt den Menschen eine Chance. Da gibt es einige welche mehr auf dem Kasten haben als solche mit einer Diplomsammlung. Denn da draussen in der Wirtschaft ist es anders als in der Schule. Gute Idee dieses Portal

  • Beat am 14.02.2013 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nutzen gleich Null

    Die Idee tönt anfangs ja noch gut, bei der Umsetzung happert es aber. Die gewonnenen Etiketten von virtuellen Freunden sind nichts wert, da sich deren Qualität nicht überprüfen lässt. Sollte das Unternehmen widererwarten doch Erfolg haben, droht schon die nächste, professionelle Betrugsmasche. Umtriebige Trittbrettfahrer werden gegen Bares gefakte Referenzen darüber anbieten.

  • Hans Feldmann am 14.02.2013 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Super Idee

    Guter Ansatz um endlich von der Akademisierung im Berufsleben wegzukommen. Für alles und jeden Job werden heute zig Diplome und Abschlüsse verlangt. Auch andere Faktoren wie Sozialkompetenz, soziale Intelligenz, etc. werden heute auf "wissenschaftlicher" Ebene geprüft in, von der mächtigen HR Industrie entwickelten, sogenannten aussagekräftigen Assessments. Auf diese Art und Weise kommt es immer wieder vor, dass gute Leute mit viel Potential erst gar nicht berücksichtigt werden. Schade!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan am 14.02.2013 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    wenn nur noch Klicks zählen

    Wenn ich aber nur 10 "gute Freunde" hab und nicht 200 wie die "Konnkurenz" bin ich auch schon abgeschrieben. Richtige Skills und Herzblut werden durch "Likes" und "Klicks" verfälscht oder garnicht richtig in Betracht gezogen. Für Banker und sonstige Karrierejobs ganz ok. Für wirklich kreative Berufe ist sowas Schwachsinn.

  • michael k am 14.02.2013 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlecht

    für mich macht die plattform keinen sinn. absolute zeitverschwendung. Ich als Arbeitgeber würde immernoch ein richtiges Arbeitszeugniss verlangen!

  • marc lang am 14.02.2013 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Geld ist schnell verbrannt

    Solche Bewertungssystem sind ja nicht neu auf dem Netz. Nur werden die gesammelten 250'000.- in kürze verbrannt sein. Diese art der gegenseitigen Bewertung durch "Freunde", die man auch kaufen kann, macht wenig Sinn und verursacht Stress, weil man jetzt auch noch bei den Freunden besser dastehen will. Social Media soll entspannt bleiben. Zwar ist Facebook auch aus einer "welches-Mädchen-sieht-besser-aus-Bewertungsseite" entstanden, doch Bewerber sollten nicht ihr ganzes Privatleben dem Unternehmen präsentieren, das sich ja vor einer Stellenbesetzung eh bei Facebook & Co. umsieht.

  • Filipo Mendez am 14.02.2013 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Arbeitszeugnis, Diplome, Lebenslauf, wir haben echt ein Problem in der Schweiz. Ich habe soviele Menschen Kennengelernt die Trotz allen Bescheinigungen nichts zu Stande kriegten. Keine Kreativität besitzen. Ich bin für den Ami Style. Für das gibt es ja die Probezeit. Das schnallen viele Unternehmen nicht. Gibt den Menschen eine Chance. Da gibt es einige welche mehr auf dem Kasten haben als solche mit einer Diplomsammlung. Denn da draussen in der Wirtschaft ist es anders als in der Schule. Gute Idee dieses Portal

  • Chantal am 14.02.2013 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitszeugnisse wertvoller

    Ich denke nicht das die Bewertung von Freunden Sinn macht. Spannender wäre es eine Plattform zu errichten, wo Arbeitszeugnisse, also die Bewertung von Arbeitgebern, besser zugänglich sind. Am Besten natürlich von Seiten der Arbeitgeber.