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Steuer-Daten erworben
09. August 2012 14:11; Akt: 09.08.2012 14:11 Print
Jetzt kauft NRW eine CD mit UBS-Kontoangaben
Erneut kauft das Bundesland Nordrhein-Westfalen eine Steuer-CD. Diesmal sind UBS-Kunden betroffen. Und laut Medienberichten sollen sich «grosse Namen» darunter befinden.
Der Steuerstreit mit Deutschland im Schnelldurchlauf.
Schon wieder schlägt das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen zu: Einem Bericht der «Financial Times Deutschland» zufolge hat das Land zwei neue Steuer-CDs aus der Schweiz angekauft, wie das Online-Portal der Finanzzeitung am Mittwoch unter Berufung auf «Insiderinformationen» berichtete.
UBS zweifelt an DatendiebstahlDie Schweizer Grossbank UBS zweifelt am angeblichen Ankauf von Steuer-CDs mit brisanten Daten ihrer Kunden durch das Land Nordrhein-Westfalen. «UBS liegen keine Erkenntnisse vor, Opfer eines Datendiebstahls zu sein», teilte die Bank in einer kurzen Erklärung am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. (AP) Schäuble «wie bockiges Kind»
SPD-Fraktionsvize Joachim Poss attackiert im Streit über den Kauf von Daten von Steuersündern Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) scharf. «Wolfgang Schäuble darf nicht wie eine bockiges Kind den Ankauf von Steuer-CDs ablehnen», nur weil dadurch die Mängel des Steuerabkommens mit der Schweiz deutlich würden, sagte Poss am Donnerstag in Berlin. «Wir brauchen stattdessen Abkommen und Regelungen in ganz Europa, die den Ankauf von Steuer-CDs auch tatsächlich überflüssig machen.» (AP)
Und: Es soll sich diesmal um ein richtig «dickes Ding» handeln, sind auf der einen der beiden CDs doch Kontoverbindungen der UBS zu finden. Und nicht irgendwelche: Auf der CD seien «grosse Namen» verzeichnet, berichtet das Blatt, ohne genauer auf diese einzugehen. Beim letzten Kauf war die vergleichsweise unbekannte Bank Coutts betroffen. Jetzt trifft es mit der UBS den zweitgrössten Vermögensverwalter der Welt.
Der Sprecher des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen Mario Tuor wollte die Medienberichte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA am Abend weder kommentieren noch bestätigen. Ein UBS-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters: «Wir sind uns nicht bewusst, dass wir Opfer eines Datendiebstahls geworden wären.»
Auch CD einer zweiten Schweizer Bank gekauft
Der «Spiegel» berichtete bereits Mitte Juli, als der 3,5-Millionen-Euro-Kauf des Datenträgers einer Zürcher Filiale der britischen Traditionsbank Coutts bekannt wurde, dass die Behörden den Kauf von zwei weiteren Datenpaketen erwögen. Nach einem Vorabbericht der «Süddeutschen Zeitung» (Donnerstagsausgabe) erwarben die NRW- Steuerbehörden in den vergangenen Wochen insgesamt sogar vier Datenträger.
Insider berichten der «Financial Times Deutschland», dass die Datenträger von Steuerfahndern aus Wuppertal erworben worden seien. Diese sind bereits in der Vergangenheit mit spektakulären Fällen aufgefallen. Auf der zweiten CD finden sich gemäss der Zeitung Daten einer anderen Schweizer Bank, ohne dass diese namentlich erwähnt würde. Diese Daten seien von Steuerfahndern aus Aachen gekauft worden.
Schulungsmaterial für Mitarbeiter zur Beihilfe zur Steuerhinterziehung
Ausserdem sollen die Fahnder von der UBS Schulungsmaterial gekauft haben, das belegen soll, wie die Bank deutschen Kunden Beihilfe zur Steuerhinterziehung leistet. In einer Präsentation soll Mitarbeitern erklärt werden, wie sie deutschen Kunden eine «steueroptimierte» Anlage bei der UBS schmackhaft machen sollen. Neben Kontoverbindungen gehe es bei der UBS auch um Stiftungen, die deutsche Kunden zur Steuerhinterziehung nutzten.
NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans dementierte den Ankauf nicht. «Zu Einzelfällen sage ich grundsätzlich nichts», sagte der SPD-Politiker der Zeitung. «Nur so viel: Das Steuerabkommen mit der Schweiz ist weder in Kraft, noch ratifiziert und auch nicht zustimmungsfähig.» Und die Kritik am Steuerabkommen ging noch weiter. Zwar wolle auch er eine Vereinbarung mit dem Nachbarland. «Aber dieses Abkommen ist ein Abkommen, das die Schweizer Sektkorken knallen lässt», sagte der SPD-Politiker.
Noch am Vormittag hatte sich der Minister offen für den weiteren Ankauf von Steuer-CDs gezeigt. Das Land werde immer prüfen, ob angebotene Daten werthaltig seien, sagte er. Wenn sie auf Steuerbetrüger hinweisen, «dann werden wir sie entgegennehmen». Nach seiner Ansicht bemüht sich das Land mit dieser Marschroute nicht aktiv um illegal beschaffte Steuersünder-Daten aus Schweizer Banken.
Schäubles Kritik kümmert Walter-Borjans wenig
Dies, obwohl der letzte CD-Ankauf für harsche Kritik gesorgt hatte, sowohl in Bern als auch in Berlin. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warf seinem NRW-Kollegen vor, mit Kriminellen zusammenzuarbeiten.
Der Umgang mit deutschen Anlegern, die ihr Geld in der Schweiz verstecken, sorgt zwischen den Regierungen in Berlin und Bern immer wieder für Streit. Derzeit wird in Deutschland über ein Abkommen gerungen, mit dem Schwarzgeld aus der Bundesrepublik in der Schweiz anonym besteuert werden soll.
Das Abkommen kann aber noch in der deutschen Länderkammer, dem Bundesrat, scheitern, wo Union und FDP keine Mehrheit haben. Walter- Borjans gehört zu den profiliertesten Kritikern des Abkommens.
(jam/sda/dapd)
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Loyalität = Fremdwort für Bänker
Loyalität ist ein Fremdwort für Bänker: sei es der kleine Angestellte, der dem Kunden unpassende komplexe Produkte aufschwatzt, der Vermögensverwalter der 'seinen' ganzen Kundenstamm abzügelt oder eben der kriminelle Datendieb. Der letzte Banker, der (halbwegs) loyal wenigstens zu seinen Kunden war, ist wohl Konrad Hummler (das Geschäftsgebaren der Bank war allerdings auch nicht sauber). Ich hab zwar noch ein Konto, aber glaube meinem "Berater" gar nichts mehr...
niemand macht sich strafbar
Ist das Behaupten eine CD zu haben, strafbar ? Wo sind denn all diese CDs ? Ob NRW oder wer auch immer, eine CD hat oder es nur behauptet - es erreicht dasselbe. Selbstanzeigen bei bisherigen Geldanleger und Unsicherheit für künftige. Und nicht mehr und nicht weniger wollen sie erreichen. Das ist wie die Androhung von Radarfallen.
Enttäuscht
Finde das von Deutschland eine riesige Heuchlerei und es enttäuscht mich das dies unter den Augen der deutschen Regierung und der EU geschieht. Finde ich peinlich von den deutschen, heisst es doch das man zuerst vor der eigenen Türe kehren sollte!!!
nicht so
finde es peinlich das ihr das Geld von Steuerhinterziehern so versteckt..... und denen auch noch hilfe anbietet und schützt.
Heuchlerei pur...
Apropos vor der eigenen Türe kehren. Viel peinlicher ist, dass die eidgenössische Steuerverwaltung selbst gestohlene Daten benutzt. Laut Bundesgerichtsurteil vom 2.10.2007 ist das auch erlaubt! Die Berner Steuerverwaltung im Originalton: «Wir erhielten die Daten von der Eidgenössischen Steuerverwaltung und nicht von einem Dieb oder einem Hehler. Insofern war das für uns unproblematisch, obschon es ursprünglich gestohlene Daten sind.» Merke: Einen Zwischenhändler einschalten, dann geht's schon...