Auf der Suche nach Geld

14. November 2012 20:23; Akt: 15.11.2012 08:52 Print

Franzosen fürchten sich vor «Nutella-Steuer»

Der Schoggi-Brotaufstrich Nutella besteht zu 20 Prozent aus Palmöl. Der französische Senat plant, die Steuer auf diese Zutat um 300 Prozent zu erhöhen. Das brächte 40 Millionen Euro in die Staatskasse.

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Nutella besteht zu 20 Prozent aus dem umstrittenen Palmöl. (Bild: Reuters)

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Unzähligen Franzosen dürfte beim Zmorge ihr Nutella-Baguette im Hals stecken geblieben sein, als sie die Nachricht vernahmen: Der beliebte Brotaufstrich könnte bald teurer werden. Ein französischer Senatsausschuss will die Steuern auf Palmöl um rund 300 Prozent erhöhen – Nutella besteht aus rund einem Fünftel aus Palmöl. Empörte Reaktionen aus dem In- und Ausland liessen nicht lange auf sich warten: Die Franzosen beklagen sich über den drohenden Preisanstieg, und der Palmöl-Produzent Malaysia wehrt sich gegen die Aussage, das Produkt sei gesundheitsschädigend.

Dem hält der Staat dagegen: Das Öl, das auch in Margarine, Chips, Kuchen, Schokoriegeln enthalten ist, führe zu Fettleibigkeit, und die Produktion sei wegen der massenhaften Rodung von Regenwäldern umweltschädigend. Deswegen soll die Steuer Produzenten dazu bewegen, auf gesündere und «sauberere» Alternativen umzusteigen. Die Steuer erfreute vor allem die Staatskasse: Sie würde zusätzlich 40 Millionen Euro einbringen.

Der «Nutella-Zusatz» ist nicht die erste französische Massnahme dieser Art: Schon zu Beginn des Jahres hatte die Regierung die Steuern auf zuckerhaltige Getränke wie Coca-Cola erhöht – mit der sogenannten Cola-Steuer.

Das Nutella-Rezept bleibt gleich

Malaysia ärgert sich über die «verantwortungslose» Begründung des französischen Senats: «Die geplante Gesetzesänderung basiert auf den Falschaussagen, dass Palmöl schädlich für die Gesundheit sei und dass Malaysia die Umwelt nicht respektiere.» Die malaysische Regierung rechtfertig sich: «Palmöl ist ein gesundes, natürliches und wichtiges Produkt. 240'000 Bauern in Malaysia sind stolz, es herzustellen.» Das Land ist für 85 Prozent der weltweiten Palmöl-Produktion verantwortlich.

Auch Nutella-Hersteller Ferrero beklagt sich. Frederic Thil, Geschäftsführer von Ferrero Frankreich, sagt gegenüber «Le Parisien»: «Die Argumente sind nicht fair, und die Auswirkungen wären katastrophal.» Das italienische Unternehmen will alles tun, damit die Nutella-Steuer die Konsumenten so wenig wie möglich trifft. Eine Änderung des bewährten Rezepts werde es auf keinen Fall geben.

«Der Staat sucht ganz hinten im Schrank nach Kleingeld»

Den wütenden französischen Schoggiliebhabern leiht die «Le Monde»-Journalistin Hélène Bekmezian ihre Stimme. Im Blog-Artikel «Finger weg von meinem Nutella» schreibt sie: «Der Regierung fehlt die Macht – oder der Wille – für umfassende strukturelle Reformen. Stattdessen sucht sie ganz hinten im Schrank nach Kleingeld, um das Loch in der Staatskasse zu füllen.» Und weiter: «Wir besteuern die Arbeiterklasse. Wenn Palmöl wirklich so gefährlich ist, dann sollten wir es verbieten, nicht besteuern.»

Der durchschnittliche Franzose konsumiert 2 Kilogramm Palmöl pro Jahr. Im ganzen Land werden jedes Jahr eine Million Nutella-Gläser konsumiert, schreibt «The Guardian». Momentan ist das Öl mit 100 Euro pro Tonne besteuert; dieser Betrag soll auf 400 Euro erhöht werden. Die neue Steuer soll auch für Palmkernöl und für Öl gelten, das aus dem Mark der Kokosnuss gewonnen wird.

Der Senat muss noch über die Einnahmeseite des Haushalts als Ganzes abstimmen. Sollte es bei dieser Abstimmung keine Mehrheit geben, was als wahrscheinlich gilt, wäre auch die Nutella-Steuer vorerst vom Tisch. Sie könnte dann aber im weiteren parlamentarischen Verfahren wieder eingebracht werden.

(rey)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Neftenbacher am 14.11.2012 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ein witz

    Ich würde lieber die steuer für reiche ansteigen lassen, mehreinkommen für die staatskasse: 40 miliarden

  • jon m am 15.11.2012 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    der ist gut

    Malaysia tut etwas für den Artenschutz, das sind doch leere Worte. Es zwar nur sporadisch Nutella, aber in dem Fall gibts jetzt halt gar keine mehr.

  • Alfred Knopp am 14.11.2012 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nutella

    lässt sich auch mit Altöl produzieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Egger Tanja am 15.11.2012 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kann mir jemand helfen?

    Weiss eigentlich jemand von Euch, ob es Listen über palmölhaltige Produkte gibt? Ich versuche schon länger es zu vermeiden, ist bei der schlechten Deklaration aber echt schwierig.

  • Reto Roth am 15.11.2012 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Verpasst

    Habe es leider verpasst nachzusehen, dass in der Nutella Palmöl drin ist - dachte, auf dies würde in der CH gänzlich verzichtet. Werde wohl künftig kein Nutella mehr essen.

  • Patsie am 15.11.2012 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Boykott gegen allen Produkten mit Palmöl

    Ich lese zwar immer genau die Rezeptur eines Produktes bevor ich es kaufe, aber das in Nutella Palmöl ist, las ich bisher nicht. Sollte doch eigentlich Deklariert sein. Da werden meine Kinder in Zukunft auf Nutella verzichten müssen. Wenn wir alle Pro.dukte mit Palmöl-Inhalt boykotieren würden, dann müssten die Herrschaften wieder zu den üblichen Ölen zurückgreifen. Hauptsache man beutet die Natur aus und schlachtet für ein Kopfgeld von 100 US-Dollar Orang-Utans ab

  • jon m am 15.11.2012 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    der ist gut

    Malaysia tut etwas für den Artenschutz, das sind doch leere Worte. Es zwar nur sporadisch Nutella, aber in dem Fall gibts jetzt halt gar keine mehr.

  • Peter Meier am 15.11.2012 05:16 Report Diesen Beitrag melden

    Afrikanisch

    "Der durchschnittliche Franzose", in jedem Asia- und Afrikashop gibt es Palmölpaste, gerade in der afrikanischen Küche beliebt. Frankreich hat ja viele Immigranten aus Afrika, also wird Nutella nur ein kleiner Teil sein.