Glencore und Co.

22. Oktober 2012 23:11; Akt: 26.10.2012 14:15 Print

Schneider-Ammann will «Ordnung im Stall»

von Till Hirsekorn - Bundesrat Johann Schneider-Ammann spricht über «die Schweiz in der Welt». Der Wirtschaftsminister über die grössten Risiken für die Schweiz und imageschädigende Rohstofffirmen.

storybild

Bundesrat Schneider-Ammann über die Schweiz und die Welt. (Bild: Reuters)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Bundesrat Schneider-Ammann, welches sind die drei grössten Risiken, mit denen die Schweiz während der nächsten Jahre konfrontiert sein wird?
Johann Schneider-Ammann:
Zum einen ist es die wirtschaftliche Abhängigkeit vom europäischen Markt. Bleibt dieses Risiko aber kontrollierbar, wird es zur Chance. Zweitens: Da wir keinem politischen Integrationsverbund angehören, sind wir ein Stück weit isoliert. Das schwächt unsere Position gegenüber starken Verhandlungspartnern. Drittens: Wenn es einem zu gut geht, läuft man Gefahr, bequem zu werden.

Davor warnen Sie gerade auch mit Blick auf aufstrebende Schwellenländer wie China, Indien, aber auch Indonesien.
Diese Länder haben als künftige Leader auf dem Weltmarkt ein neues Selbstbewusstsein entwickelt, dass sie uns bei Vertragsverhandlungen spüren lassen. Beim Freihandelsabkommen mit Indien sind wir jetzt in der elften Runde, bei China kommen wir zur siebten. Wir müssen diese Länder davon überzeugen, mit unseren Spitzenprodukten zu arbeiten, in unsere Innovationskraft und uns als verlässlichen Handelspartnern zu vertrauen.

Kopfschmerzen dürften Ihnen zurzeit auch die Beziehungen zur EU bereiten ...
Ja, auch, weil dieses Thema derzeit weitgehend tabuisiert wird, wovor ich warne. Diese Debatte darf nicht nur die derzeit offenen Fragen zur Unternehmenssteuer, zu neuen Institutionen oder zum Stromabkommen umfassen.

Auch mit den USA stehen harte Verhandlungen um den Finanzplatz Schweiz an. Mit welchem künftigen Präsidenten sässen Sie lieber am gemeinsamen Tisch?
Das spielt keine grosse Rolle. Es ist kein Geheimnis, dass ich liberale Positionen bevorzuge. Aber auch die Demokraten betreiben diesbezüglich eine nach unseren Massstäben akzeptable Politik. Fest steht: Wir dürfen uns nicht alles gefallen lassen. Voraussetzung dafür ist, dass wir weder als Finanzinstitut noch als Staat erpressbar sind.

In Ihrer Rede vom Montagabend haben Sie angetönt, dass internationale Rohstofffirmen mit Sitz in der Schweiz einen Reputationsschaden verursachen könnten ...
Wenn internationale Rohstofffirmen, die von hier aus in fernen Ländern operieren, dort nicht nachhaltig wirtschaften und soziale Standards verletzen, birgt das ein Reputationsrisiko für die Schweiz. Ich will Ordnung im Stall. Es ist wichtig, dass sich hier alle an die Gesetze halten.

Wie kann sich die Schweiz in diesem schwierigen Umfeld denn überhaupt behaupten?
Wir müssen uns auf unsere schweizerischen Tugenden besinnen und gelassen, nüchtern und selbstbewusst das Machbare realisieren.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hielt gestern eine Rede zum Thema «Die Schweiz in der Welt» an der Universität Zürich.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger am 23.10.2012 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Stall aufräumen ist angesagt

    + nicht über den Hag fressen - die CH muss Risiken ab- und nicht noch mehr aufbauen - es geht zu wie bei den Banken bis zum geht nicht mehr, weil die Einsicht / Sichtweite fehlt - wir haben einfach die falschen Politiker an der CH-Regierungs-Spitze.

  • Abbas Schumacher am 23.10.2012 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja, schnell ist anders...

    Wie lange ist JSA schon Bundesrat? Toll dass er jetzt schon ausmisten will. Weiss er denn, wie er Ordnung schaffen will? Rohstoff-Händler gehören angeklagt, so wie die, die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe treiben. Das ist UN-Ethisch Geld verdient, Arme verhungern!

    einklappen einklappen
  • Richter am 23.10.2012 07:34 Report Diesen Beitrag melden

    War für eine Einbildung!

    Ist schon klar, Herr Bundesrat: die beiden Firmen nehmen auf Ihre spezellen Wünsche Rücksicht. Vielleicht sollten Sie sich doch nach einer anderen Beschäftigung umsehen, in welcher Ihr mögliches Potential besser gebraucht werden kann.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Be free am 25.10.2012 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Stopp dem Verkauf der Schweiz!

    Unser Land sollte wieder eigenständig werden und sich auch selbst versorgen können. Aber mit der massiven Zuwanderung ist dies ja praktisch auch nicht mehr möglich. Das gesamte Finanzssystem wird in den nächsten Jahren total kollabieren und eine weltweite Krise auslösen, wie es sie seit den 20er Jahren nicht mehr gegeben hat. Wir müssen DRINGEND für wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit sorgen, ansonsten wird es auch uns gnadenlos treffen.

  • Claudio am 24.10.2012 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Klein-Staat-CH soll sich aus dem Ausland

    zurückziehen - die Ausland-Geschäfte Bank/Versicherungen / Wirtschaft sind für die CH eine Schuh-Nummer zu gross und muss entlich ihren eigenen, internen Staats-Stall in Ordnung bringen und Ausland-Risiko-Abhängigkeiten reduzieren und nicht noch mehr ausbauen - die CH ist nicht der Pestalozzi für die ganze globalisierte Welt.

  • jm am 23.10.2012 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau!

    Und es geht nicht, dass in jenen Firmen 95% Ausländer arbeiten und absahnen und wir als Schweizer Bürger es schliesslich ausbaden dürfen. Das ist eine Sauerei. Diese Firmen sind korrupt wie es im Buche steht -ich weiss wovon ich spreche. Und überhaupt sollte man sich in unserem Land wieder verhalten, wie WIR es verlangen und zuhause gelernt haben. Sauberkeit und Ehrlichkeit gehören wieder zuoberst auf die Agenda. Und Genf - dieser Moloch gehört unter Zwangsverwaltung gestellt.

    • Gleichgesinnter am 25.10.2012 12:29 Report Diesen Beitrag melden

      Danke!

      Selten so einen guten Kommentar gelesen!

    einklappen einklappen
  • Thomas Hocker am 23.10.2012 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Politischer Integrationsverbund --> EU

    Was Schneider-Ammann sagt ist zumeist richtig, allerdings sehr verklausuliert. Wenn er politischer Integrationsverbund sagt, meint er damit die EU. Aber immerhin ist er auf dem Weg zum Klartext...

  • Roger am 23.10.2012 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Stall aufräumen ist angesagt

    + nicht über den Hag fressen - die CH muss Risiken ab- und nicht noch mehr aufbauen - es geht zu wie bei den Banken bis zum geht nicht mehr, weil die Einsicht / Sichtweite fehlt - wir haben einfach die falschen Politiker an der CH-Regierungs-Spitze.