EU-Richter

01. März 2011 23:12; Akt: 02.03.2011 00:09 Print

Unisex-Tarife für Krankenversicherungen

von Alex Hämmerli - Versicherer in der EU müssen künftig einheitliche Tarife für Frauen und Männer anbieten. Die Schweiz gerät unter Druck, nachzuziehen.

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Der Europäische Gerichtshof verbietet ab Ende 2012 unterschiedliche Versicherungstarife für Frauen und Männer. Die Begründung: Die bislang übliche Berücksichtigung des Geschlechts als «Risikofaktor» sei eine unzulässige Diskriminierung. Künftig dürfen beispielsweise Spitalzusatzversicherungen von Frauen nicht mehr ­teurer sein, weil sie – unter anderem wegen der Geburt – häufiger im Spital sind. Auch ist es nicht mehr erlaubt, von Männern mehr Geld für die Autoversicherung zu verlangen, obwohl diese häufiger Unfälle bauen.

«Diese Regelung ist irrsinnig», sagt Hato Schmeiser, Versicherungsexperte der Uni St. Gallen. Genauso gut könnte man fordern, von 60- und 20-Jährigen die gleichen Tarife für Lebensversicherungen zu verlangen. «Das setzt falsche Anreize und dürfte letztlich zu höheren Versicherungskosten für alle führen», warnt Schmeiser. Das bestätigen auch meh­rere Versicherer. «Die Richter ­haben keine Ahnung von Versicherungen. Da wurden einfach Paragrafen nachvollzogen», klagt etwa Reto Tos­can, Geschäftsführer des Versicherers Elips Life.

Laut dem Schweizerischen Versicherungsverband hat die EU-Regelung zwar keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Schweiz: «Wir müssen das EU-Recht nicht umsetzen», so Sprecherin Selma Frasa. Denkbar sei aber, dass die EU bei künftigen Verhandlungen Druck ausübe, damit die Schweiz deren Entschluss übernimmt. Toscan befürchtet zudem, dass Schweizer Versicherer von selbst nachziehen müssen, weil sie sonst im Markt benachteiligt wären.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • der schweizerhamburger am 02.03.2011 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    eine steilvorlage

    das ist doch eine steilvorlage für die krankenkassen. zuerst werden sie maulen, dann werden sie das mittel aus männer und frauenbetrag bilden, da noch 10% wegen erhöhtem verwaltungsaufwand draufschlagen und als gewinner aus dieser aktion hervorgehen

  • laura am 02.03.2011 00:10 Report Diesen Beitrag melden

    stopp der künstlichen gleichmacherei

    Sind alle Menschen gleich? Nein! Die Frau hat statistisch gesehen häufigere Arztbesuche, der Mann baut mehr Unfälle als die Frau. Das sind Tatsachen die nicht von der Hand zu weisen sind ergo müssen sie auch entsprechend individuell betreut/behandelt werden. Es ist doch niemand ein besserer/schlechterer Mensch deswegen?? Die Gleichmacherei nimmt langsam beängstigende Züge an. Das kommt nicht gut.

  • Peschä am 02.03.2011 00:17 Report Diesen Beitrag melden

    Was geht das die EU an?

    Auf solchen Druck sollten wir gar nicht erst reagieren. Wir sind ein souveräner Staat und entscheiden solche Sachen selber.

Die neusten Leser-Kommentare

  • der schweizerhamburger am 02.03.2011 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    eine steilvorlage

    das ist doch eine steilvorlage für die krankenkassen. zuerst werden sie maulen, dann werden sie das mittel aus männer und frauenbetrag bilden, da noch 10% wegen erhöhtem verwaltungsaufwand draufschlagen und als gewinner aus dieser aktion hervorgehen

  • M.W. am 02.03.2011 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Volksentscheid

    Wir haben es in der Hand, wenn wir das nicht wollen, könne wir das an der Urne ausfechten. und die Stimmen gegen eine solche Fremdbestimmung werden viele sein (wie immer).

  • Rigoletto am 02.03.2011 03:12 Report Diesen Beitrag melden

    Maennerdiskriminierung

    Jetzt haben wir es: die Maennerdiskriminierung ist nunmehr eindeutig belegt! Wann kommt die Korrektur?

  • Andi K. am 02.03.2011 00:27 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit wird untergraben

    Hier wird doch massiv in die Freiheit (Vertragsfreiheit) eingegriffen und das ohne Grundlage, denn es geht ja um private Versicherungen. Seit wann muss eine private Versicherung solidarisch sein? Ist es im Gegenzug nicht gar eine neuerliche Diskriminierung, wenn man für die Risiken des anderen Geschlechts zahlen muss? Die EU überschreitet mal wieder ihre Kompetenz.

  • Peschä am 02.03.2011 00:17 Report Diesen Beitrag melden

    Was geht das die EU an?

    Auf solchen Druck sollten wir gar nicht erst reagieren. Wir sind ein souveräner Staat und entscheiden solche Sachen selber.