Fragen und Antworten

22. September 2016 12:36; Akt: 22.09.2016 15:47 Print

Das bringt die Säckli-Gebühr wirklich

Die dünnen Raschelsäckli werden kostenpflichtig. Werden die Schweizer Konsumenten jetzt tatsächlich auf sie verzichten?

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Der Schweizer Detailhandel will den Verbrauch von Einweg-Plastiksäcken eindämmen. Spätestens in zwei Jahren sollen sie nicht mehr gratis an den Kassen erhältlich sein. Die Grosverteiler Migros und Coop werden neu 5 Rappen für die Säckchen verlangen. Am 24. Oktober führt Coop zunächst an zehn Verkaufsstellen in der Stadt Zürich einen Preis von 5 Rappen für die Plastiksäckchen ein, am 1. November folgt die Migros mit einer landesweiten Abgabe auf die Säcke.

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20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zur Raschelsäckli-Gebühr:

Muss man für jedes Einweg-Säckli zahlen?
Nein. Die Gebühr von 5 Rappen wird nur an den Kassen verlangt. Weiterhin gratis sind bei der Migros die Taschen, die an den Kassen für Textilien oder Spielwaren abgegeben werden. Auch die Säckchen in der Früchte- und Gemüseabteilung bleiben kostenlos, da sie als Verpackung und Schutz dienen. Dasselbe gilt bei Coop: Dort wird es bei Früchten und Gemüse weiterhin die konventionellen Gratis-Plastiksäckchen geben.

Kann man die Kosten nicht einfach umgehen und die Gratissäckli vom Früchte- und Gemüsestand mit an die Kasse nehmen?
Das ist theoretisch natürlich möglich. Wirtschaftspsychologe Christian Fichter von der Fachhochschule Kalaidos in Zürich geht jedoch nicht davon aus, dass die Kunden schummeln werden: «Die Mehrheit der Konsumenten wird nicht den Gratissack vom Gemüsestand nehmen», sagt er zu 20 Minuten. Das sei den meisten schlicht zu umständlich.

Sind 5 Rappen genug, um die Konsumenten vom Säckli-Gebrauch abzuschrecken?
Davon sind die Detailhändler überzeugt. Die Migros beruft sich auf die Erfahrungen aus dem Kanton Waadt, wo es die Gebühr bereits gibt, Coop führt Umfragen als Argument ins Feld. Auch Wirtschaftspsychologin Anne Herrmann von der Fachhochschule Nordwestschweiz glaubt an die abschreckende Wirkung: «Die Einführung einer Gebühr – auch wenn sie vergleichsweise gering ist – kann einen starken Einfluss auf das Verhalten haben.» Wirtschaftspsychologe Fichter sagt: «In dem Moment, wo etwas nicht mehr umsonst ist, überlege ich mir, ob ich es kaufe.»

Warum führen die Händler überhaupt eine Gebühr ein?
Sie ist quasi eine Gegenleistung, weil das Schweizer Parlament von einem generellen Verbot der Säcke absieht. Der Gebühr ging ein langes politisches Ringen voraus. Das Parlament hatte 2012 eigentlich beschlossen, die Einweg-Plastiksäcke zu verbieten. Es kam aber nie zu einer konkreten Umsetzung. Jetzt haben National- und Ständerat die Motion von CVP-Politiker Dominique de Buman endgültig zu den Akten gelegt.

Die Händler begründen die Gebühr auch mit Umweltschutzgründen – warum ziehen sie die Säckli nicht ganz aus dem Verkehr?
Ein grundsätzlicher Verzicht sei nicht sinnvoll, schreibt die Migros. Man wolle den Kunden mit den Säckchen trotzdem eine Möglichkeit für den einmaligen Gebrauch anbieten. Coop führt an, dass ein generelles Verbot der Raschelsäckchen letztlich eine Gesetzesänderung benötigt hätte, was zu einer Verzögerung von mindestens zwei weiteren Jahren geführt hätte. «Darum ist die Branchenlösung für uns die ideale, liberale Lösung», sagt Coop-Sprecherin Andrea Bergmann.

Wie viel verdienen die Detailhändler an der Säckli-Gebühr?
Nichts – sagen zumindest Migros und Coop. Gewinne, die aus dem Verkauf der Einweg-Plastiksäckchen erzielt werden, sollen bei der Migros in externe Umweltprojekte fliessen, bei Coop in den Fonds für Nachhaltigkeit. Damit unterstütze das Unternehmen «innovative und nachhaltige Projekte».

(vb/ish)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rudolf Meier am 22.09.2016 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    biologisch abbaubar wär 'ne Lösung

    Wären die Dinger biologisch abbaubar, wäre das Problem auch gelöst.

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  • Kramer am 22.09.2016 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Für die Natur

    Bravo Migros. Aber was die Parlamentarier in Bern betrifft, Frage ich mich schon, für was oder wen sie in der Regierung sind.

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  • Bukimaster am 22.09.2016 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Papier?

    Wieso nicht gratis Papiertüten abgeben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • P.Tüte am 24.09.2016 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht um GELD

    Einige Leute fragen, wieso nicht gratis Papiertüten abgeben? Ganz einfach, es geht um Gewinn. Bald wird der 5 Räppler abgeschaft, dann kostet die Platiktüte -.10 dann -.20 usw. Gerade für den "kleinen unverhofften Kauf zwischendurch" gibt es nichts praktischeres und fortschrittlicheres, als die kleine Gratis- Plastiktüte!

  • Markus am 23.09.2016 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    5 Rp. Sammeln

    Jedes mal wenn ich einkaufen gehe brauche ich extra 5 Rp. zusätzlich. Viele Einkäufer werden diese 5 Rp. Stücke sammeln müssen und sich ärgern.

    • Thomas am 24.09.2016 23:24 Report Diesen Beitrag melden

      Sammeln

      Dann Sammle sie doch, 50 --.05 Fr. gibt schon 2.50 und man könnte sie einrollen und auf die Post bringen.

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  • Vreneli am 23.09.2016 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Komische Idee bald 5 Rp. für Zigis

    So viele Probleme, aber das mit den Zigi am Boden das kann man nicht lösen Wohne in der nähe von einem Arzt / Zahnarzt.. kommt ein Zug an zünden sich viele eine Zigi an laufen gemütlich bei mir Hauptstrasse vorbei, bleiben dann stehen weil sie ein Arzt- oder Zahnarzttermin haben... in der Hand noch eine halbe Zigi ... oft sieht es aus als würden sie den letzten ZUG rauchen ziehen die restliche Zigi in die Lunge und werfen den Stummen dann in mein Garten. Könnte ich von jedem Zigi-Stummel 5 Rappen verlangen... Raucher im VORAUS 5 Rp. bringt er sie retour bekommt er das Geld wieder

  • Candy1980 am 23.09.2016 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gab doch mal Papiersäckli..

    ich kann mich erinnern, dass in meiner Kindheit, und nein sooo alt bin ich echt noch nicht aber die Säckli an der Migroskasse waren damals aus Papier. Etwa 3 oder 4 Grössen lagen nach den Kassen auf die man nehmen konnte um sein Zeugs zu verpacken. Hab ich nie verstanden warum man die dann gegen Plastiksäckli ausgetauscht hat.

    • Thomas B. am 23.09.2016 11:03 Report Diesen Beitrag melden

      eins führte zum anderen...

      Man musste plötzlich für die Papiertüten bezahlen. Deshalb fingen die Leute an, die Plastiktüten in der Gemüseabteilung zu "stibitzen". Diese Rollen waren dann immer leer, deshalb haben die Läden gleich Rollen bei den Kassen deponiert. Ich jedenfalls werde das dann wieder die von der Gemüseabteilung verwenden. Wenn es den Detailisten wirklich um den Umweltschutz gehen würde, würden sie wieder auf Gratis-Papier umsteigen - wenigstens ab einem Einkauf ab 10 CHF. So unterstelle ich ihnen lediglich Profitabsichten.

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  • 123 am 23.09.2016 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falscher ansatz

    Verbieten eigene Taschen mitzunehmen, dann wird nicht mehr soviel unnützer Müll gekauft und die Umwelt weniger belastet.

    • Michi am 23.09.2016 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @123

      Wir sind Menschen die selbstständig denken können, wir brauchen nicht für jeden pipifax ein Verbot!!

    • BärnerBär am 23.09.2016 14:38 Report Diesen Beitrag melden

      @123

      Wenn die Initiative für eine grüne Wirtschaft angenommen wird, wird die Umwelt noch weniger belastet, weil sich der Konsument nichts mehr leisten kann.

    • D.R. am 23.09.2016 23:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Michi

      Wenn man sich die Ereignisse auf der Welt überlegt, wage ich ein selbständiges denken der Menschen zu bezweifeln.

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