Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Weniger Junglenker
27. Juli 2012 07:46; Akt: 27.07.2012 10:00 Print
Den Fahrschulen gehen die Schüler aus
von Elisabeth Rizzi - Immer weniger Junge lernen Auto fahren. Den Fahrlehrern geht der Nachwuchsmangel an die Existenz. Die Autoindustrie zehrt dagegen von den zahlungskräftigen Alten.

Immer weniger Autofahrlehrer können ihr Geld zu 100% mit Neulenkern verdienen.
Möglichst schnell den Fahrausweis machen und ein Auto kaufen, das war gestern: Immer weniger junge Menschen lernen heutzutage Auto fahren. Noch 1994 hatten bemerkenswerte 71 Prozent der 18- bis 24-Jährigen einen Fahrausweis. Inzwischen sind es nur noch 59 Prozent. Das zeigt eine Erhebung des Bundes. Den Nachwuchsmangel bekommen die Fahrlehrer schmerzlich zu spüren.
«Der Wettbewerb unter den Fahrlehrern ist klar stärker geworden und nimmt weiter zu», beobachtet Werner Waldmeier, Geschäftsführer des schweizerischen Fahrlehrerverbandes. Zwar nehme die Zahl der Verbandsmitglieder nicht ab. Aber immer mehr Fahrlehrer könnten nicht mehr hundert Prozent in ihrem Beruf arbeiten. «In den Sechziger- und Siebzigerjahren war das noch ganz anders», erinnert sich Waldmeier.
Überzeugung und Alternativ-Verdienste
Heute müsse er Fahrlehrer-Novizen reinen Wein einschenken. «Wer heute diesen Beruf ergreift, muss es aus Überzeugung tun, einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit zu leisten», so der oberste Fahrlehrer der Schweiz. Allenfalls müsse man halt zusätzlich eine Tätigkeit als Moderator in der 2. Phase des «Führerausweis auf Probe» oder als Lastwagen- und Motorradfahrlehrer suchen.
Die schwindenden Schülerzahlen auf den Preis abzuwälzen gehe nicht. «Wir sagen zwar immer, Qualität habe ihren Preis. Aber faktisch haben sich die Preise in den letzten zehn, fünfzehn Jahren nicht geändert», sagt Waldmeier. Im Durchschnitt zahle man noch immer zwischen 80 und 100 Franken pro Fahrstunde.
Studium und ÖV gehen vor
Das Rad der Zeit zurückdrehen könne man allerdings nicht. «Es ist nun mal so, dass gerade in urbanen Gebieten das Angebot des öffentlichen Verkehrs so gut ist, dass Junge teils gar nicht mehr auf das Auto angewiesen sind», so Waldmeier. Zudem studieren heute mehr junge Leute als früher. «Für sie hat der Fahrausweis im Gegensatz zu Lehrlingen sicher nicht erste Priorität», ergänzt Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz.
Im Gegensatz zu den Fahrlehrern profitiert seine Importvereinigung davon, dass die zahlungskräftigeren Alten immer länger am Steuer bleiben. So ist die Zahl der 65- bis 79-jährigen Lenker im gleichen Zeitraum von 50,6 auf 73,9 Prozent gestiegen, jene der über Achtzigjährigen sogar von 19,7 auf 39,3 Prozent. Die Alten kompensieren im Automarkt sogar die Tatsache, dass die Zahl der Haushalte mit mindestens einem Auto stetig sinkt. Die Autoverkäufe haben im ersten Halbjahr 2012 um 11,9 Prozent zugelegt und liegen selbst gegenüber dem überdurchschnittlich guten ersten Halbjahr 2011 im Plus.
Immerhin gibt auch bei den Fahrlehrern das Stichwort Alter einen Lichtblick. «Viele Fahrlehrer kommen jetzt ins Pensionsalter. Darum hat der Beruf durchaus eine Zukunft», sagt Waldmeier.
20 Minuten Online sucht den Fahrstundenkönig. Wenn Sie schon über hundert Lektionen gebucht haben, aber noch immer nicht reif für die Prüfung sind, melden Sie sich per Mail unter: feedback@20minuten.ch

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt


















