Stärkere Währung

22. Juni 2010 14:01; Akt: 22.06.2010 14:17 Print

Geschickter chinesischer Währungspoker

von Sandro Spaeth - China hat die feste Bindung des Yuan an den US-Dollar aufgehoben. Aufgewertet wird die Währung aber trotzdem nur ganz langsam. Das Manöver von Chinas Notenbank ist vor allem taktischer Art.

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(Bild: Keystone)

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Während der vergangenen zwei Jahre schaffte sich China im Welthandel wenig Freunde. Der Grund: Die Notenbank legte einen fixen Wechselkurs des Yuan zum Dollar fest und musste sich immer wieder den Vorwurf der Währungsmanipulation gefallen lassen. Für China waren die Eingriffe aber von grossem Vorteil, denn die Stärke der eigenen Wirtschaft schlug sich nicht im Yuan nieder. Die Exporte blieben so auf den Weltmärkten günstig.

Der grösste Kritiker der chinesischen Machenschaften sind seit langer Zeit die USA: Sie fürchten ein ausuferndes Handelsdefizit gegenüber China. Denn die Vereinigten Staaten importieren viel mehr chinesische Waren als sie ins Reich der Mitte ausführen. Dieses Ungleichgewicht führte in China zu riesigen Devisenreserven im Wert von 2400 Milliarden Dollar. Die Greenbacks, welche die Chinesen als Gegenleistung für ihre Waren erhalten, investieren sie hauptsächlich in US-Staatsanleihen.

Angst vor Sanktionen

Nun haben Chinas Notenbanker nach Jahren des internationalen Drucks angekündigt, ihren Renminbi (so nennt sich die Währung, Yuan ist die Geldeinheit) aufzuwerten. Doch warum gerade jetzt? ZKB-Ökonomin Susanne Toren sieht als Hintergrund den Ende Woche beginnenden G20-Gipfel in Toronto: «Die Ankündigung der Yuan-Flexibilisierung im unmittelbaren Vorfeld des G20-Treffens ist kein Zufall. Sie soll den Boden ebnen, um die Beziehungen zwischen China und den USA zu entspannen», sagte Toren gegenüber 20 Minuten Online. Ohne Entgegenkommen der Chinesen hätten die USA mit Sanktionen gegen China gedroht.

Mit der Ankündigung der Währungsflexibilisierung hat China gepunktet und verhindert, dass der G20-Gipfel zum Gericht über die chinesische Währungspolitik wird. Laut Beobachtern könnte jetzt der Spiess sogar umgedreht werden. Denn nun dürfte sich der Fokus der führenden Industrienationen auf die in Schieflage geratene Euro-Länder richten. Dass die Chinesen einen geschickten Zeitpunkt ausgewählt haben, findet auch Cash-Guru Fredy Herbert. «Der G-20-Gipfel ist der bestmöglichste Anlass, um die Strategie zu erklären. Denn auch die Chinesen haben inzwischen herausgefunden, dass Publizität in eigener Sache die beste Publizität ist.» Zudem dürfte eine Yuan-Aufwertung tendenziell dazu beitragen, die aufkeimende Inflationsgefahr in China zu begrenzen.

Sanfte Aufwertung

Die Aufwertung des Yuan wird aber nur sehr langsam vorangehen. 1 Dollar entspricht derzeit 6.8181 Yuan, was sogar noch etwas weniger ist als bei der Ankündigung am vergangenen Freitag: «Die Flexibilisierung des Renminbi dürfte auch künftig nur sanft und sachte voranschreiten», so Toren. Die Chinesen würden sich bezüglich des Liberalisierungsprozesses viel Zeit lassen. Ein freies Floating des Yuan wird laut Toren noch sehr lange auf sich warten lassen. Dies sieht Herbert ähnlich: «Es ist der chinesische Weg, langsam aber stetig. Bei uns muss alles immer sofort sein, bei den Chinesen ist es hingegen Konsenspolitik.» Man beginne und schaue. Klappts, dann werde weitergemacht.

Die Auswirkungen einer schnellen und massiven chinesischen Aufwertung wären gross, doch diese wird es nicht geben. So teilte die Bank of China mit, den Kurs Schritt für Schritt anzupassen, damit sich die chinesische Exportindustrie, beispielsweise die Elektronikhersteller, an den neuen Wechselkurs gewöhnen könnten. Der Konkurrenzdruck auf den Produktionsstandort China dürfte sich mit dem stärkeren Yuan leicht erhöhen, doch dieser ist nicht neu: «China steht schon seit längerem in Konkurrenz mit Ländern wie Vietnam, Indonesien, Bangladesh oder Pakistan», sagt UBS-Währungsstratege Thomas Flury. «Die relativ kleinen Wechselkursanpassungen, die wir erwarten, ändern an den relativen Lohn-Kosten-Vorteilen aber wenig.»

China Produkte werden in der Schweiz nicht teuerer

Und wie steht es mit chinesischen Produkten in der Schweiz? Werden sie teurer? Der Experte rechnet nicht damit. «Die Wechselkursänderung beeinflusst die Gesamtkosten der in China hergestellten Produkte nur unwesentlich», so Flury. Zudem ist der Renminbi laut dem Ökonomen zwar ganz leicht gegenüber dem US-Dollar gestiegen, gleichzeitig ist aber der US-Dollar wegen des Vertrauensverlustes ungemein stärker gegenüber dem Franken gefallen. Fazit: In der Summe sind Produkte aus China in den letzten Wochen eher günstiger als teurer geworden.

Was sich aber längerfristig verteuern dürfte, sind die Rohstoffe. So zogen die Preise für Öl und Kupfer bereits etwas an. Am meisten dürften sie in Bereichen ansteigen, wo Chinas Verbraucher eine wichtige Rolle im Weltmarkt spielen und auf grosse Importe angewiesen sind. Hintergrund ist, dass durch die Währungsaufwertung die Rohstoffimporte für China zwar billiger werden, dadurch auf dem Weltmarkt aber die Nachfrage steigt, womit auch der Preis nach oben klettern wird.