Steuerstreit

12. September 2012 08:56; Akt: 12.09.2012 10:36 Print

Steuerabkommen kostet kleine Banken Millionen

von Lucia Theiler, sda - Für regional ausgerichtete Banken mit wenig Auslandbeziehungen verursacht die Abgeltungssteuer hohe organisatorische und administrative Kosten.

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Die Raiffeisen-Banken, wo der Anteil ausländischer Kunden nur drei Prozent ausmacht, nehmen die Aufwände von rund 10 Millionen Franken hin. (Bild: Keystone)

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Noch ist das Steuerabkommen mit Deutschland nicht in trockenen Tüchern. Doch die Banken stellen sich bereits darauf ein und rüsten ihre IT um. Bei den Kantonalbanken beispielsweise werden weniger als 10 Prozent des Geschäftsvolumens mit ausländischen Kunden generiert. Dennoch müssen sie ihre IT-Systeme spezifizieren, Prozesse anpassen, Kunden informieren. Unlängst hat die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) darum das Tabu gebrochen und an ihrer Halbjahresmedienkonferenz die Kosten zum Thema gemacht.

Auch die Schwyzer Kantonalbank spricht von einem ungünstigen Kosten/Nutzenverhältnis. «Die SZKB hat festgestellt, dass Kunden mit ausländischem Domizil einen deutlich höheren administrativen Aufwand an der Front, im Backoffice und im Compliance-Bereich verursachen als Kunden mit Domizil Schweiz», so Mediensprecher Peter Geisser.

Zwar gehören die Kantonalbanken alle zum gleichen Verband, dennoch sind sie autonom. Investitionskosten werden je nach Variante und Option zur Kostenteilung mit anderen Instituten unterschiedlich hoch ausfallen. «Für die Einführung der Abgeltungssteuer nehmen wir einen beträchtlichen Mehraufwand sowie Investitionen in die Informatik im Umfang von mehreren Millionen Franken in Kauf», sagt Catherine Duttweiler von der Berner Kantonalbank BEKB.

Kurze Frist

Erschwerend komme hinzu, dass vieles noch unklar ist. So werden sich die Steuerabkommen mit Deutschland, Grossbritannien und Österreich voraussichtlich im November einer Referendumsabstimmung unterziehen müssen. Geplant wäre die Umsetzung auf Anfang 2013.

In Deutschland ist der Widerstand aber so heftig, dass das Abkommen schon vorher zu scheitern droht. Langes Warten also, gefolgt von kurzen Fristen, ebenso wie dem damit verbundenen Mehraufwand. Dennoch sagt Duttweiler: «Wir setzen um, was uns seitens der Politik vorgegeben wird».

Automatischer Datenaustausch wäre günstiger

Damit vertritt die BEKB das offizielle Credo der Branche. Selbst die Basellandschaftliche Kantonalbank, die einen automatischen Datenaustausch der Öffentlichkeit als günstiger vorrechnete, betonte, dass sie bereit ist, die Mehrkosten zu tragen.

Auch bei den Raiffeisen-Banken, wo der Anteil ausländischer Kunden (am Gesamtkundenstamm) nur drei Prozent ausmacht, gibt es keine Opposition. Die Aufwände von rund 10 Millionen Franken nimmt das Bankinstitut hin.

Touristen und Grenzgänger

Zwar hätten die Banken die Möglichkeit, ausländische respektive deutsche Kunden ganz abzuweisen und so der ganzen Thematik zu entgehen. Die Regionalbank Solothurn beispielsweise überlegt sich diesen Schritt. Noch in diesem Herbst will sie über ihre Strategie entscheiden.

Doch für grössere Institute wie Raiffeisen steht das ausser Diskussion. Auch die BEKB und andere Kantonalbanken wollen keine Kunden ausschliessen. Zu sehr sind die Banken in ihren Regionen, vielfach Tourismusgebiete und damit Arbeitsorte für Grenzgänger oder Wohngebiete für Doppelbürger, verankert.

Höhere Gebühren

«Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verflechtungen unserer Region sind zu bedeutend, als dass dies eine zielführende Strategie wäre», so Fortunat von Planta, Direktionsmitglied der Nidwaldner Kantonalbank. Die Bank verfügt im Steuerparadies Nidwalden über acht Geschäftsstellen.

Als Kompromiss haben einige Banken höhere Gebühren eingeführt für ausländische Kunden. Die Spannbreite reicht gemäss einer Zusammenstellung des «Tages-Anzeigers» von 48 Franken bei der KB Jura bis zu 1200 Franken bei der Valiant Bank. Bei der BEKB sind es 10 Franken monatlich, für Kunden aus den USA 20 Franken monatlich.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

«Wir setzen um, was uns seitens der Politik vorgegeben wird» Tja, wenn man die Politik so stark beeinflussen kann, dass sie das entscheidet, was man ihr 'dringend nahegelegt' hat, dann ist es auch einfach das zu tun was die Politk sagt! Klar werden Kosten entstehen, aber kein Unternehmen wird neue Kosten hinnehmen, wenn es letztlich nicht doch davon profitieren kann. Die Banken werden die halbe Wahrheit (Kosten) dann wieder zum Anlass nehmen, in den unteren Etagen Personal abzubauen, damit 'oben' die Salärkasse weiterhin stimmt. – Fred

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex am 12.09.2012 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur boch weg

    Ganz am Schluss werden ausländische Bankkunden nicht mehr existieren, sei es, dass sie abgewiesen werden oder dass sie selber weggehen, beispielsweise wegen hohen Gebübren oder der Unsicherheit wegen ständig neuen Vorschriften. Inzwischen wissen es auch Schweizer mit unversteuertem Schwarzgeld: transferier das Geld beispielsweise nach Doha/Katar. Dort fragt kein Schwein, woher und von wem Geld kommt und es ist alles steuerfrei und absolut sicher (Schutzmacht USA).

  • Domo am 12.09.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder mal die bösen Grossbanken

    Das ist ja wieder mal typisch, jeder beschwert sich über die Grossbanken und dass man als so kleiner Kunde sooooo unglaublich teure Gebühren zahlen muss. Lasst euch das gesagt sein, auch die Grossen zahlen ihre Gebühren ..und das mit der Abschaffung des Bankgeheimnisses? Leute offensichtlich habt ihr keine Ahnung vom Bankgeheimniss!! Vor allem diejenigen, die mit der sofortigen Abschaffung einverstanden wären ..Zum glück hat die Schweiz so viel Geld von ausländischen Kunden eingenommen, was uns Schweiz ja NICHT geschadet hat und plötzlich wenden sich alle gegen das Bankgeheimniss?

  • Mico Castello am 12.09.2012 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    "wollen keine Kunden ausschliessen"

    Aha und wer bezahlt den Aufwand? Die mit Wohnsitz CH mit den Gebühren und nicht DE. So nicht. Ich will niedrige Gebüren und gehe zu einer Bank die keine Konten für Kunden mit einem "Internationalen" Wohnsitz haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Domo am 12.09.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder mal die bösen Grossbanken

    Das ist ja wieder mal typisch, jeder beschwert sich über die Grossbanken und dass man als so kleiner Kunde sooooo unglaublich teure Gebühren zahlen muss. Lasst euch das gesagt sein, auch die Grossen zahlen ihre Gebühren ..und das mit der Abschaffung des Bankgeheimnisses? Leute offensichtlich habt ihr keine Ahnung vom Bankgeheimniss!! Vor allem diejenigen, die mit der sofortigen Abschaffung einverstanden wären ..Zum glück hat die Schweiz so viel Geld von ausländischen Kunden eingenommen, was uns Schweiz ja NICHT geschadet hat und plötzlich wenden sich alle gegen das Bankgeheimniss?

  • j.t.collins am 12.09.2012 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    So ein jammer

    Ich finde es schwer irgendwie Mitleid zu haben ... der Raifeissen hat etwa 992 Mio Gewinn in 2011 erzielt oder etwa 30 Mio von ihre "3% Ausländer" und sollen jetzt etwa 10 Mio (~1% vom Gewinn) investieren ...

    • Roli A am 12.09.2012 12:22 Report Diesen Beitrag melden

      Gibt's für die Zahlen eine Quelle?

      Gibt's für die Zahlen eine Quelle? Behaupten kann jeder...

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  • Alex am 12.09.2012 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur boch weg

    Ganz am Schluss werden ausländische Bankkunden nicht mehr existieren, sei es, dass sie abgewiesen werden oder dass sie selber weggehen, beispielsweise wegen hohen Gebübren oder der Unsicherheit wegen ständig neuen Vorschriften. Inzwischen wissen es auch Schweizer mit unversteuertem Schwarzgeld: transferier das Geld beispielsweise nach Doha/Katar. Dort fragt kein Schwein, woher und von wem Geld kommt und es ist alles steuerfrei und absolut sicher (Schutzmacht USA).

  • Fred am 12.09.2012 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Instrument Kosten

    «Wir setzen um, was uns seitens der Politik vorgegeben wird» Tja, wenn man die Politik so stark beeinflussen kann, dass sie das entscheidet, was man ihr 'dringend nahegelegt' hat, dann ist es auch einfach das zu tun was die Politk sagt! Klar werden Kosten entstehen, aber kein Unternehmen wird neue Kosten hinnehmen, wenn es letztlich nicht doch davon profitieren kann. Die Banken werden die halbe Wahrheit (Kosten) dann wieder zum Anlass nehmen, in den unteren Etagen Personal abzubauen, damit 'oben' die Salärkasse weiterhin stimmt.

  • Albert Zimmermann am 12.09.2012 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Oh je, jetzt fängt allüberall das grosse Jammern an.... Seit vielen Jahren beschäftigt sich Bundesbern "fast nur noch", wie man den Eindruck hat, mit den Folgen der Finanz-und Steuerbetrügereinen. Blochers SVP und Teile der FDP und der CVP verkünden aber immer noch das Märchen vom Bankgeheimnis, das es zu schützen gelte. In Tat und Wahrheit schützt man aber Steuerbetrug und Steuerhinterziehung. Man palavert über böse Ausländer aber in der Schweiz passiert genau das Gleiche. Ich hoffe, sehr, dass doch vielen SchweizerInnen nächstens die Augen aufgehen....

    • Kasandra am 12.09.2012 10:41 Report Diesen Beitrag melden

      @ Albert

      Sehe ich genauso. Warum müssen wir Zahlen, Lasst das doch die Politiker und Kriminellen Zahlen.

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