Onlineshopping

13. Mai 2016 14:04; Akt: 13.05.2016 14:04 Print

EU will länderspezifische Preise verbieten

von F. Lindegger - In der EU sollen die Grenzen im Onlinehandel fallen. In der Schweiz will eine Initiative verhindern, dass Kunden aufgrund ihres Wohnorts zu viel bezahlen.

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Die EU-Kommission will dagegen vorgehen, dass Kunden im Onlinehandel aufgrund ihrer Nationalität oder ihres Wohnorts diskriminiert werden. Wie der «Spiegel» berichtet, plant der zuständige Kommissar Günther Oettinger eine entsprechende Verordnung. Mit der neuen Regelung soll gegen das sogenannte Geoblocking im Onlinehandel vorgegangen werden.

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Heute werden Kunden oft in eigene Ländershops weitergeleitet. Beispielsweise wenn ein österreichischer Kunde auf der deutschen Website eines Kleiderhändlers einkaufen möchte, aber auf den Shop im Heimatland verwiesen wird. Gut möglich, dass die Preise im österreichischen Shop teurer sind als in der deutschen Version, obwohl sämtliche Kleider aus demselben Lagerhaus in Deutschland geliefert werden. Wenn es nach den Plänen der Kommission geht, soll es diese Praxis im EU-Binnenmarkt spätestens ab Ende 2017 nicht mehr geben. Schweizer Konsumenten könnten von diesem Entscheid allerdings nicht profitieren.

Nicht verboten in der Schweiz

Auch hiesige Kunden treffen im Onlinehandel oft auf solche Hindernisse: Man wird auf den Schweizer Webshop weitergeleitet, es wird eine deutsche Kreditkarte für den Kauf benötigt oder die Produkte werden gar nicht erst in die Schweiz geliefert. Geschieht das Geoblocking innerhalb eines Unternehmens, ist das gemäss der Schweizer Gesetzgebung nicht verboten. Kartellrechtlich relevant wird es erst, wenn eine Absprache zwischen zwei Unternehmen besteht oder falls ein Unternehmen mit einer marktbeherrschenden Stellung zu diesem Mittel greift.

Es gebe allerdings durchaus Gründe, die die heutige Praxis mit länderspezifischen Shops rechtfertigten, erklärt Patrick Kessler, Präsident des Verbands des Schweizerischen Versandhandels (VSV). Etwa aufgrund von verschiedenen Mehrwertsteuersätzen oder unterschiedlichen Werbekosten in den einzelnen Ländern. Die grössten Probleme sieht Kessler hierzulande bei den Handelshemmnissen: «Die Schweiz schottet sich mit neuen Produktdeklarationsvorschriften, Gewichtszoll und Sondergesetzen immer mehr ab.» Und der Konsumentenschutz, der am lautesten nach tieferen Preisen rufe, halse den Händlern immer wieder neue Deklarationsvorschriften auf.

Konsumentenschutz plant Initiative

«Das ist natürlich Unsinn», sagt Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) zu den Vorwürfen. «Meist sind es identische Importprodukte, die aus demselben Lager stammen.» Die Deklarationsvorschriften seien nur ein Vorwand, um die hohen Preise zu rechtfertigen. «Geoblocking ist für die Konsumenten ein massives Problem», so Stalder. Die SKS strebt deshalb ebenfalls eine Aufhebung von Geoblocking an.

Ein erster Schritt soll mit der «Fair-Preis-Initiative» gemacht werden. Diese Volksinitiative von Konsumentenschutz, Gastrosuisse und KMU-Vertretern soll überhöhte Importpreise bekämpfen. Und die Initiative gelte auch für den Onlinehandel, so Stalder. Zurzeit liegt sie bei der Bundeskanzlei zur Vorprüfung, voraussichtlich im Sommer startet die Unterschriftensammlung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jakob Thurgauer am 13.05.2016 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Einkauf in der Schweiz

    Letzte Woche habe ich eine Hose der Marke Brax in der Ostschweiz gekauft, weil mir diese Marke gut sitzt. Diese Hose kostete mich CHF 185.--. Als ich gestern in Konstanz war, sah ich in der Auslage eines Geschäftes diese Hose wieder für Euro 65.--. Ich ing ins Geschäft und kaufte dort tatsächlich die gleiche Hose in einer anderen Farbe für den genanten Preis. Eine solche Differenz lässt sich nicht mit höheren Löhnen und Betriebskosten rechtfertigen. Das ist schon arglistige Täuschung. Und unser bürgerliches Parlament wird nächstens wieder gegen eine Liberalisierung stimmen!

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  • K. Krebs am 13.05.2016 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Initiative unterschreib ich noch heute.

    Wo gibt es Unterschriftenbögen zur Initiative? Wird sofort unterschrieben. Ich bin selbst Impoteur und kann meine Produkte aufgrund der Mwst meist etwas günstiger oder zumindest zum selben Preis wie in der EU verteiben. Gut leben kann ich davon auch noch! Alles was >10% teurer in der CH ist als in der EU ist einfach Abzocke vom Impoteur, ganz klar.

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  • Nico am 13.05.2016 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gutes aus der EU

    Endlich!!! Leider werden unsere bürgerlichen Politiker mit ihren fadenscheinigen Argumenten wohl alles unternehmen, um dies zu verhindern

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bri am 17.05.2016 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    brauche keinen mantel

    Mantel im CH- Katalog Fr. 270.- Im D- Katalog Euro 89.- sorry, was soll das??? Kaufe nie mehr was bei dieser Firma....

  • Rolf Gysling am 16.05.2016 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist nicht gut

    Seien wir ehrlich das ärgert mich auch. Auf der anderen Seite schauen wir mal den Fakten ins Auge. CH vs. DE: CH Lohndurchschnitt ist doppelt so hoch, DE Steueranteil 45%, CH 23%. Bleibt dem Schweizer also unter dem Strich hat der Schweizer ca 3x mehr übrig - natürlich kommt dann noch Krankenkasse, Miete etc... Eure Löhne entstehen auch erst zt. durch die hier teureren Produkte. Alles im Ausland einzukaufen wird zu Lohn und Arbeitsplatz verlusten führen. Aber einfach mal jammern. Bitte erst mal vergleichen. Und nun bitte Daumen runter nur weil Euch jemand die Fakten unter die Nase hält.

    • R. Oaming-Gebühren am 17.05.2016 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf Gysling

      Herr Gysling, wessen Arbeitsplatz gefährde ich wenn ich eine Tube Zahnpaste für 1.28 in D kaufe anstatt die gleiche Tube für Fr.3.95 in CH? Wohl bloss den Bonus vom CEO Schweiz von Procter & Gamble.... Ich hoffe, Sie sind von Avenir Suisse oder SwissMem. Oder sind Sie tatsächlich denen auf den Leim gekrochen? Sie müssen bei Ihrer Kalkulation nämlich die höhere Produktivität in der CH (40Std vs 35Std/Woche) einrechnen. Zudem sind beim Steueranteil D Sozialversicherungen und Krankenkasse bereits inklusive. In der Schweiz werden jährlich 14-15 Mia. Kaufkraft ohne Gegenleistung "abgeschöpft".

    • Peter Müller am 17.05.2016 11:32 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist nur Marktabschottung

      Der Lohn regelt sich durch die Anzahl an qualifizierten Arbeitskräften,wo sich bereit sind auf eine Stelle sich zu bewerben. Hingegen enstehen die überzogenen Schweizer Preise durch Angebot Nachfrage und Marktabschottung Der Einkaufstourist reagiert nur auf ein Angebot was zu Abzocker Preise verkauft wird.

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  • Pechsträhne am 16.05.2016 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Tja, weder Fünfer noch Wegli

    Tja, freie Personenverkehr aber noch immer kein freier Handel. Von den bilateralen Verträgen bleibt damit für Ottonormalverbraucher leider nur die negative Seite: Mehr Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und höhere Mietpreise. Die Vorteile, wie tiefere Preise und grössere Auswahl bleiben ihm verwehrt.

  • Erik Meier am 16.05.2016 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichmachen

    Immer über die Gleichmacherei in der EU schimpfen. Aber gleiche Preise haben wollen. Das ist Rosinen picken.

    • Thomas am 17.05.2016 10:04 Report Diesen Beitrag melden

      Gleichmachen...

      Nein das wäre nur fair. Wir übernehmen ja sonst auch alle Gesetze der EU, warum nicht auch wenn es mal nützlich wäre?

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  • Goran Ilic am 16.05.2016 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Warum verbietet die EU das?

    Verstehe ich nicht! Eine Firma kann doch unterschiedliche Preis ein verschiedene Ländern verlangen? Niemand wird gezwungen, dort einzukaufen! Wieder einmal ein Verbot gegen die freie Marktwirtschaft. Das CH Gesetz macht durchaus Sinn!

    • Peter(TOO) am 16.05.2016 15:52 Report Diesen Beitrag melden

      Doch, du wirst gezwungen.

      Wenn du nicht im grenznahen Raum lebst, bist du gezwungen einen Laden in deiner Nähe aufzusuchen, der hat dann CH-Preise. Im Internet funktioniert das gleich. Du rufst einen Shop, z.B. in D auf, und wirst automatisch auf einen Shop in CH umgeleitet oder spätestens wenn du eine CH-Lieferadresse eingibst, kannst du nicht bestellen.

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