Strategiewechsel

27. August 2013 15:27; Akt: 27.08.2013 15:41 Print

Hypotheken für Villen statt Treuhandgeschäft

Die Liechtensteiner VP Bank setzt auf ein neues Geschäftsmodell: Hypothekarkredite an Millionäre, die auf den British Virgin Islands ihre Luxusferiendomizile erwerben wollen.

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Tortola auf den British Virgin Islands. (Bild: Keystone)

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Die Liechtensteiner VP Bank setzt stärker auf das Hypothekargeschäft mit Millionärsvillen im karibischen Ferienparadies British Virgin Islands. Im Gegenzug zum Ausstieg aus dem Treuhandgeschäft übernimmt sie das Bankgeschäft auf der Inselgruppe vollständig.

Dieses führte die Verwaltungs- und Privatbank (VP Bank) bisher in einer Gemeinschaftsgesellschaft mit dem Vaduzer Allgemeinen Treuunternehmen (ATU). Im Hinblick auf Risiken durch unsaubere Gelder, sagte der neue VP Bank-Chef Alfred Moeckli am Dienstag vor den Medien Zürich: «Wir sind sehr stark im im lokalen Kreditgeschäft, im lokalen Hypothekarmarkt tätig.»

«Hochattraktiv»

Dort vergibt die VP Bank auch Hypothekarkredite an Millionäre, die sich auf der Inselgruppe ihre Luxusferiendomizile erwerben wollen. «Das ist ein Nischengeschäft, aber für uns hochattraktiv», sagte Moeckli.

Denn auf den British Virgin Islands gebe es nur vier Banken (inklusiv der VP Bank), die dieses Geschäft betreiben würden. «Es ist kein riesiger Markt, liefert aber uns einen sehr, sehr positiven Ergebnisbeitrag.» Zum Volumen des Geschäfts wollte Finanzchef Siegbert Näscher im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA keine Angaben machen.

Keine Schwarzgelder mehr

Um Steuersünder abzuhalten, werde die VP Bank ihre Preise für Dienstleistungen wie banklagernde Post oder Nummernkonti erhöhen oder gewisse Dienstleistungen ganz einstellen, sagte Moeckli. Solche Dienstleistungen seien «nicht unbedingt sehr gut vereinbar mit einer Strategie, nur steuertransparente Gelder anzuziehen».

Auch den Ausstieg aus dem Treuhandgeschäft begründete Moeckli damit, dass sich dieses wegen der neuen Vorschriften im Kampf der Staaten gegen Schwarzgelder «nicht mehr sehr einfach mit dem Bankgeschäft» vereinbaren lasse. Die VP Bank wolle sich auf Kerngeschäfte in der Vermögensverwaltung für mittelreiche Privatkunden und das Intermediärgeschäft konzentrieren.

Einmaleffekt prägt Gewinn

Im ersten Halbjahr musste die Bank auf den ersten Blick einen Rückgang des Reingewinns von 34,3 Mio. auf 28,3 Mio. Fr. hinnehmen. Schuld am Taucher sei aber ein einmaliger Effekt in der Pensionskasse: Die Umstellung vom Leistungs- auf das Beitragsprimat in der Treuhand-Personalstiftung hatte das Vorjahresergebnis um 22,8 Mio. Fr. nach oben gedrückt.

Ohne diesen Sondereffekt wäre der Semestergewinn von 11,4 Mio. auf 28,3 Mio. Fr. geklettert, erklärte Finanzchef Näscher. Im Zinsgeschäft verdiente das Liechtensteiner Institut - im Gegensatz zu anderen Banken - dank Absicherungsgeschäften beinahe 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

Geldabfluss

Besser lief es auch im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft (+ 6,1 Prozent), während das Handelsgeschäft um ein Fünftel einbrach. Auf der anderen Seite schrumpften die Kosten, wozu der Abbau von fast 45 Vollzeitstellen in den letzten zwölf Monaten beitrug.

Nicht zufrieden sei man mit den Neugeldern, sagte Moeckli. Hier musste die VP Bank einen Abfluss von 439 Mio. Fr. hinnehmen. Im Gesamtjahr erwartet die VP Bank, das Vorjahresergebnis zu übertreffen.

(sda)

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