Öffnen per App

04. Februar 2016 20:33; Akt: 04.02.2016 20:33 Print

Post tüftelt am intelligenten Milchkasten

von Valeska Blank - Ärgerlich, wenn das bestellte Paket ausgerechnet dann geliefert wird, man nicht zu Hause ist. Die Lösung der Post: Ein elektronischer Milchkasten.

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Die Post prüft ein System, mit dem man seinen Briefkasten per Smartphone-App öffnen und schliessen kann. Der digitale Milchkasten kann auch mit dem Scanner des Pöstlers geöffnet werden. So kann die Post das Paket abliefern, auch wenn niemand zu Hause ist. Im vergangenen Herbst gab die Post bekannt, dass sie kein Gemischtwarenladen mehr sein will. Sie machte im Jahr 2014 mit Drittprodukten einen Umsatz von 508 Millionen Franken. Der Staatsbetrieb hat entschieden, sein Angebot an Drittprodukten klarer auf Artikel mit einem Bezug zur Post auszurichten. Der Minikiosk mit Süssigkeiten und Snacks verschwindet, im Regal bleiben aber Papeterieartikel und Geschenkkarten. Vor dem Entscheid wurde das reduzierte Sortiment in einem im Frühjahr gestarteten Pilotversuch an 20 Orten getestet. Weiterhin anbieten will die Post Behördendienstleistungen, Versicherungen oder Produkte und Dienstleistungen aus dem Telekommunikationsbereich. Post-Chefin Susanne Ruoff zählt zu den mächtigsten Frauen der Schweizer Wirtschaft. Sie leitet den Post-Konzern mit 60'000 Angestellten. Wer bringt in Zukunft die Post? «Wir schauen uns die landgebundene oder fliegende Drohnentechnik gerade sehr genau an, sie ist in der Logistik naturgemäss interessant», sagt Susanne Ruoff. Laut der Post-Chefin könnte die Drohnentechnik für die innerbetriebliche Überwachung der Sortierzentren nützlich sein. Hohe Erstzustellungsquote: Über 90 Prozent der Pakete kommen bei der ersten Auslieferung an. SBB-CEO Andreas Meyer unterzeichnet neben Post-Chefin Susanne Ruoff und Bundesrätin Doris Leuthard eine Absichtserklärung zur Umsetzung von Energiesparmassnahmen. Vor ihrer Tätigkeit bei der Post war Susanne Ruoff während Jahren bei IBM Schweiz tätig.

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Gross ist oft die Vorfreude auf die Lieferung der Online-Bestellung – und noch grösser der Frust, wenn der Pöstler gerade dann kommt, wenn man ausser Haus ist. In diesem Fall bleibt einem nichts anderes übrig, als das Paket bei der Post selbst abzuholen.

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Um den Kunden diesen Weg zu ersparen, prüft die Post eine Art intelligenten Milchkasten, den der Hausbesitzer per Smartphone-App öffnen und schliessen kann. Auch der Pöstler hat dazu die Berechtigung – er hat mit seinem Scanner Zugriff auf die Schliessfunktion. So kann der Pöstler das Paket in den Milchkasten legen, ohne dass er für die Zustellung die Unterschrift des Empfängers einholen muss.

Sicherheit wird erst getestet

«Der Kunde gibt sein Einverständnis zur Zustellung über die App», erklärt Post-Sprecher Bernhard Bürki 20 Minuten. Genutzt werden kann der digitale Milchkasten nicht nur für Pakete, sondern auch für eingeschriebene Briefe. Fragen zur Sicherheit des Systems konnte die Post noch nicht beantworten. «Die Sicherheit wird während des Pilotversuchs getestet», so Bürki.

Den Test startet die Post bei hundert Kunden. Das Unternehmen wird voraussichtlich Ende Jahr entscheiden, wie es nach dem Probelauf weitergeht. Wenn das System auf genügend Interesse stösst und in der Praxis überzeugt, könnte der vernetzte Milchkasten entweder breiter am Markt getestet werden oder gleich auf den Markt kommen, so Bürki. Die Chancen dafür stehen gut: «Unsere Umfragen haben ergeben, dass das Interesse jetzt schon gross ist.»

Nur für kleine Pakete

E-Commerce-Experte Malte Polzin vom Beratungsunternehmen Carpathia bewertet das neue Angebot der Post positiv: «Es kommt der Bequemlichkeit der Postkunden entgegen», sagt er zu 20 Minuten. Das Paket direkt nach Hause geliefert zu bekommen – und es nicht zuerst bei der Poststelle oder bei einem Paketautomaten abholen zu müssen –, stehe beim Empfänger auf der Wunschliste zuoberst. «Ein Haken am digitalen Milchkasten ist allerdings, dass er nur bei kleineren Paketen funktioniert», so Polzin.

Zu bemängeln am neuen Angebot sei ausserdem, dass das System vorerst von der Post beherrscht werde. «Andere Zustelldienste werden aussen vor gelassen.» Wenn andere Zusteller dereinst ein ähnliches System wie die Post anbieten würden, käme es zum «Kampf der Systeme», so Polzin. Das liege nicht im Sinn des Konsumenten. Gemäss der «Handelszeitung» will die Post in den nächsten Monaten entscheiden, in welcher Form andere Zusteller Zugang zum elektronischen Briefkasten erhalten sollen.

Umkämpfter Paketmarkt

Derzeit tüftelt das Unternehmen an einem weiterem Service: Der Online-Steuerung des Pakets. «Damit kann der Kunde im Voraus wählen, ob das Paket nach Hause oder an eine andere Adresse geliefert werden soll», sagt Sprecher Bürki. Kunden können auch ihre persönlichen Vorlieben für die Zustellung festlegen – sie bestimmen, wann und wo ihnen Pakete oder eingeschriebene Briefe zugestellt werden – «zum Beispiel am Montag zu Hause, am Dienstag an der Arbeitsadresse, am Mittwoch in einem Paketautomaten», so Bürki.

Die Post ist nicht das einzige Unternehmen, das bei der Paketzustellung neue Wege gehen will. Der private Lieferdienst DHL hat vergangenes Jahr bekannt gegeben, die Warenlieferung in den Kofferraum von Autos zu testen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco Webber am 04.02.2016 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ich tüftle auch

    und zwar am intelligenten Briefträger! Bei uns klingeln sie nie, sondern werfen eh nur die gelben Zettel ein, auch wenn man daheim ist - was würde das denn ändern? Er hätte nie Post dabei, die er einschliessen müsste. Faulheit soll nicht noch mehr Geld kosten!

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  • Toni Makaroni am 04.02.2016 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlos

    Die Snartphone Generation geht mir auf die Nerven. Für was muss man den Briefkasten mit dem Handy öffnen.

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  • Beyeler Ueli am 04.02.2016 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Service

    Das geht bei uns einfach: Das Paket wird auf der Eingangstreppe deponiert, oder vor dem Kellereingang versteckt. Ohne Unterschrift, einfach so. ( Falls man es findet, resp. das Paket noch da ist. )

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mago am 05.02.2016 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    perinternet

    man kann auch per internet einen neuen termin geben lassen , wenn man dann wirklich zu hause ist ! kostenlos

  • stampfli peter am 05.02.2016 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Automatisch

    Post hat einen neuen Song Briefkasten öffne dich und der Postbote wirft es ein wenn er überhaut noch kommt es lebe der neue Automatische Briefkasten die Post der Märchenerzeller

  • Hugo Cabre am 05.02.2016 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfähig

    Dpd ups fedex dhl Schaffen es das paket bei mir vor der haus türe zu deponieren. Wieso die post nicht ?

  • Peter Müller am 05.02.2016 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kartenmonopol

    Wie wärs, wenn die Post auch andere Karten akzeptieren würde, als die eigenen PostCards, bevor sie sich auf die Science Fiction Briefkästen stürzt? Oder wenigstens die Maestro Karte. Für einen Eingeschriebenen Brief muss ich extra Geld abheben... wie 2000-and-late... ein Armutszeugnis der Post!

    • Finn Land am 05.02.2016 20:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Müller

      Ich habe irgendwo gelesen, dass die Post plant, de Maestro-Karte zu akzeptieren. Wenn ich mich recht erinnere, soll es ab 2017 soweit sein.

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  • Peter Pan am 05.02.2016 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Vielleicht sollten sie zuerst am intelligenten Mitarbeiter tüfteln. Denn in ein Auto oder Gartenzaun fahren und abhauen, das nennt sich Fahrerflucht. Ein Abholschein für ein Paket aus dem Wagen zum Briefkasten tragen statt das Paket, klingt auch nicht korrekt. Ach die liste von unintelligenten wäre riesig, also liebe Post, erst einmal daran Arbeiten.