Vierjährige Testphase

24. Januar 2017 11:12; Akt: 24.01.2017 11:12 Print

SBB tüftelt am leisen Güterwagen

Dank Scheibenbremsen und Schalldämpfern sollen moderne SBB-Güterwagen bis zu 10 Dezibel weniger Lärm machen. Die Wagen sind so leise wie Personenzüge.

Das sagt SBB Cargo zu den neuen leisen Güterwagen.
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Während moderne Personenzüge hörbar leiser geworden sind, rattern Güterzüge ohrenbetäubend weiter. Nun testet SBB Cargo ab Mitte Jahr neue Güterwagen mit leiserer Technik. Ein Prototyp wurde am Montag in Muttenz vorgestellt.

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Dank dem Finöv-Fonds ist die Schweizer Bahn nach 2000 lärmsaniert worden, im Wesentlichen auch beim Rollmaterial, beispielsweise mit besseren Bremsen. Auch die einheimischen Güterwagen rattern damit seit 2011 also weniger. Schweizer Bahnfirmen halten die derzeitigen Lärmvorschriften ein, wie es beim Bundesamt für Verkehr (BAV) heisst.

Ausländische Güterzüge – auf Transitstrecken machen diese rund zwei Drittel aus – dürfen noch bis Ende 2019 lauter durch die Schweiz rattern; doch ab 2020 wird zu lauten Wagen die Durchfahrt verboten. Wenn allerdings die EU ihre geplanten neuen Vorschriften erst 2022 in Kraft setzt, will die Schweiz ihr Verbot bis dann vertagen.

Preisschild offen

Die künftigen Güterwagen der SBB Cargo sollen dank Scheibenbremsen noch leiser sein als bisherige mit moderneren Belägen an klassischen Laufflächenbremsen. Zudem sollen sie Schalldämpfer bekommen. Unter dem Strich soll so ein Güterwagen laut SBB Cargo 5 bis 10 Dezibel weniger Krach machen und das Niveau eines Personenzugs erreichen.

Weitere neue Bauteile sollen Güterwagen nicht nur leiser, sondern auch besser nutzbar machen. Unter anderem reduzieren einstellbare statt feste Drehgestelle den Verschleiss oder machen automatische statt manuelle Kupplungen das Rangieren viel effizienter. Bei diesen Innovationen arbeitet die SBB mit diversen Herstellern zusammen.

Auf diese Kooperation mit konkurrenzierenden Lieferanten ist Jürgen Mues, Asset-Management-Leiter der SBB Cargo, stolz, wie er vor den Medien ausführte. Weil jene ihre Teile zum Versuchszug gratis beisteuern, mochte er den Mehrpreis gegenüber normalen Fahrzeugen nicht beziffern. Über die Lebensdauer gerechnet solle es sich auszahlen.

Vier Versuchsjahre

Der Prototyp steht nun vor der Zulassung für den regulären Betrieb zuerst in der Schweiz und ab 2018 auch international. Während einer vierjährigen Testphase sollen insgesamt 16 solche Güterwagen in einem neuen so genannten «5L-Zug» je mindestens 400'000 Kilometer Laufleistung abspulen, um die Alltagstauglichkeit zu erproben und Variantenentscheide vorzubereiten.

Dass in Europa trotz eines Entscheids zur Umstellung auf in den USA schon lange übliche automatische «Mittelpuffer-Kupplungen» immer noch manuelle Haken Standard sind, liegt an der Kompatibilität: Das erste Bahnunternehmen, das umstellt, muss allein zurechtkommen, bis andere nachgezogen haben.

Am SBB-Versuchszug werden laut Projektleiterin Jessica Müller vier verschiedene Kupplungstypen paketweise verbaut. So will SBB Cargo weniger das Kuppeln an sich testen als das Fahrverhalten. Auch bei den Drehgestellen werden verschiedene Typen verbaut; ein Ziel ist mehr Achslast. Vorgesehen ist der Einsatz im Express-Güternetz mit 120 km/h.

Was SBB-Cargo zum neuen Güterwagen sagt, sehen Sie im Video.

(sda/sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 24.01.2017 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Verbot muss ab 2020 kommen

    Wieso sollen wir lautere Waggons ab 2020 zulassen? Die EU muss sich ab 2020 an die neuen Vorschriften halten. Bei uns gilt CH-Recht. Der EU nicht entgegenkommen, sie tut es ja auch nicht....

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  • Noldi Schwarz am 24.01.2017 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Und schon wieder kuschen

    Und wieder kuscht die Schweiz. Unsere Lärmvorschriften treten 2019 in Kraft, aber man wartet brav bis 2022 die EU (vielleicht) nachzieht. Und was die Kupplungen betrifft: Da streiten sich die europäischen Bahnunternehmen seit über 40 Jahren. Das nennt man dann Fortschritt.

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  • Spejbl am 24.01.2017 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur halbe Wahrheit

    naja, nicht ganz zu Ende recherchiert. Die Vorarbeit hat vor vielen Jahren (2010) die DB Systemtechnik Minden mit den sog. ICER-Bremsen (LL) gemacht (Testbetrieb in ganz Europa). Das mit den Scheibenbremsen ist noch älter (1991).Die Firma Talbot baut Güterwagen ( Sgss703) mit DRRS Drehgestellen (Hochleistungs-Scheibenbremse, Gleitschutz, elektropneumatische Bremssteuerung etc.) mit Gesamtmasse von 72 Tonnen für 160 km/h. Problem: Die Drehgestelle sind sündhaft teuer, da für höhere Achslasten. Ausserdem sinkt die Nutzlast, da die DG schwerer sind.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan am 25.01.2017 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld

    Andere werden bei der Sbb entlassen aufgrund eines Burnouts, aber bei solchen Projekten können unsummen von Geld ausgegeben werden und es gibt unzählige Projekte die niemals an die Öffentlichkeit kommen, die Geldsummen verschlingen ohne je einen nutzen zu erbring!

  • Dada am 25.01.2017 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Warum erst jetzt?

    Bei den Personenzügen gibt es dieses System ja schon seit Jahrzehnten

  • blume am 25.01.2017 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    problem

    was gibt es da zu tüfteln ...... das rad neu erfinden oder was ? .......ihr brauch nur die technik von den personenzügen zu übernehmen, zu verstärken und die aufbauten dem güterverkehr anzupassen

    • Spejbl am 25.01.2017 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @blume

      nur?! Sie sind ja ganz ein schlauer ;) Schauen sie sich mal Reisezugdrehgestelle genauer an und stellen sich dann einen schweren Güterwagen darauf vor! Das ist eine völlig andere Konstruktion, eben dem Zweck entsprechend (leicht, Hochleistungsbremsen, hohe Geschwindigkeit, Komfort gegen Robustheit und hohe Achslast und niedrige Geschwindigkeit)

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  • Spejbl am 25.01.2017 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewicht

    Ein grosses Problem wird das Gewicht des Drehgestells werden. Mit Scheibenbremsen wird dieses (4,5 to) um 1,5 Tonnen steigen, das Y25 ist ja schon Leichtbau. Bei Ganzzugverkehren wie Mineralöl bräuchten dann die Lieferanten mehr Wagen bei gleicher Menge. (Verlust) Bei 6-Achser Containerwagen sind es sogar 4,5 t weniger Nutzlast pro Wagen. (Achslast max 22,5 to) Die Leichtbauwagen sind schon am Limit. Wird schwer werden, das den Spediteuren in Europa zu verklickern, ohne die Trassen-und Wagenpreise zu senken.

  • juva am 25.01.2017 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lärm aus EU schlucken - NEIN

    Ausländische Güterzüge machen einen enormen kreischenden Lärm zu Lasten der Menschen in der Schweiz. Nun soll der EU zuliebe da wieder ein Sonderzügli gefahren werden? NEIN Lärm macht KRANK