Kreditkartenzuschläge

16. August 2017 09:50; Akt: 16.08.2017 09:55 Print

Mastercard droht mit Bussen gegen Swiss

von S. Spaeth - Zuschläge fürs Zahlen mit Kreditkarten sollten der Vergangenheit angehören. Noch immer verbreitet sind sie allerdings in der Reisebranche. Nun will Mastercard Bussen aussprechen.

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Eigentlich sind sie nicht mehr legitim: die Zuschläge fürs Bezahlen mit Kreditkarten. Die Schweizer Wettbewerbskommission hat per Anfang August mit ihrer Regelung dafür gesorgt, dass die durchschnittliche Verrechnungsgebühr (Interchange Fee) bei Zahlungen mit Visa oder Mastercard von 0,95 auf durchschnittliche 0,44 Prozent sinkt. Damit sind laut der Behörde für die Händler Transaktionen mit Kreditkarte im Schnitt gleich teuer wie Barzahlung. Die Folge: Es fehlt die Rechtfertigung für die Aufschläge.

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Während die grossen Online-Elektronikhändler die Zuschläge abgeschafft haben, sind sie in der Reisebranche nach wie vor verbreitet. So verlangt die Swiss für Kreditkartenzahlungen weiterhin 1,5 Prozent Zuschlag. Bei den Kunden sorgt das für rote Köpfe, bei Kartenherausgebern für Hunderte von Beanstandungen über die offiziellen Formulare.

«Im Schnitt entfallen rund 60 Prozent der Rückforderungsverfahren wegen Zahlungszuschlägen auf die Airlines Swiss, Lufthansa oder Edelweiss», sagt Thomas Hodel, Geschäftsführer der Swiss Payment Association zu 20 Minuten. Mehr als 50 Prozent der Verfahren betreffen die Swiss, wobei sich die Werte je nach Kreditkartenherausgeber zwischen rund einem bis zwei Drittel aller Verfahren bewege. Kartenherausgeber sind in der Schweiz beispielsweise Viseca oder Swisscard.

«Swiss setzt auf Faulheit der Passagiere»

«Was die Swiss macht, ist unverständlich», so Hodel. Für die Airline seien die Zuschläge ein Geschäft und die Gebühren weit höher als der effektive Aufwand. «Die Swiss setzt auf die Trägheit der Passagiere, die Zuschläge stillschweigend akzeptieren.»
Die globalen Mastercard-Lizenzvereinbarungen verbieten einseitige und diskriminerende Zuschläge für Kartenzahlungen, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte: «Die Mehrheit der Händler respektiert diese Regeln und verzichtet heute auf diese unerlaubten Strafgebühren», so Guido Müller, Country Manager bei Mastercard Schweiz. Da Mastercard keine direkte Vertragsbeziehung mit den Händlern habe, obliege es den sogenannten Acquirern, dafür zu sorgen, dass sich die Händler an die Regeln hielten. Acquirer sind jene Firmen, die die Kartenzahlungen für die Händler abwickeln, in der Schweiz beispielsweise die SIX Payment Services oder Concardis.

Mastercard will Sanktionsmöglichkeiten verschärfen

Dass die Kreditkartenfirma dem Treiben nicht untätig zuschauen will, zeigt dies: «Mastercard wird diesen Herbst auf Basis der ersten Beschwerdefälle der Kartenherausgeber auch in der Schweiz Bussen gegen säumige Lizenznehmer aussprechen», so Müller. Zudem prüfe Mastercard das Regelwerk in der Schweiz und eine zusätzliche Verschärfung der Sanktionsmöglichkeiten, um schneller gegen säumige Acquirer vorgehen zu können. Konkret: Mastercard will den Bussenkatalog verschärfen.

Die Swiss argumentiert, dass für Airlines in der Schweiz höhere Sätze gälten als die von der Weko errechneten 0,44 Prozent. Ein Gremium aus Acquirern und Banken habe per 1. August 0,5 bis 0,55 Prozent festgelegt. Diese Reduktion um 0,15 Prozent gebe die Swiss an ihre Kunden weiter. Entsprechend sei die Optional Payment Charge (OPC) von 1.65 auf 1.5 Prozent in der Schweiz reduziert worden.

Swiss: Gesetz erlaubt Kreditkartenzuschläge weiterhin

Warum nimmt sich die Swiss nicht die Online-Elektronikhändler zum Vorbild und schafft den Zuschlag von 1,5 Prozent ab? «Das Schweizer Gesetz erlaubt unverändert das Erheben von Kreditkartenzuschlägen.» Und reicht den schwarzen Peter einfach weiter: Die Swiss verrechne über die OPC einen Teil ihrer Kreditkartenakzeptanzkosten verursachergerecht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anna Lombardi am 16.08.2017 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bearbeitunsgebühr

    Jetzt müssen die Kreditkartenunternehmen nur noch die Bearbeitungsgebühr von 2.5% abschaffen. Diese wird für jede getätigte Transaktion im Ausland erhoben, zu unrecht.

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  • John F. Head am 16.08.2017 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich staune ...

    ... wie es sich die Swiss im hart umkämpften Fluggeschäft immer und immer wieder erlauben kann, sich so konsequent kundenunfreundlich zu verhalten. Ich für meinen Teil prüfe und bevorzuge mittlerweile meistens die Konkurrenz.

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  • Peter Meister am 16.08.2017 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Weko-Vereinbarung ein Witz

    Die von der Weko ausgehandelte Vereinbarung ist ein Witz und füllt nur die Taschen der Acquirer. Unser Geschäft bietet auch Kreditkartenzahlungen an. Wir haben nach der ersten und zweiten Senkung bei Aduno um eine Senkung nachgefragt. Aduno weigerte sich, die Senkung weiterzugeben. Sie hätten ein neues Preismodell eingeführt und es seien im Vergleich zu früher neue Kosten angefallen. Wers glaubt wird seelig. Die Weko sagt, sie könne nicht einschreiten. Diese Vereinbarung nützt nur den Acquirern etwas aber nicht dem Detailhandel. Der Detailhandel hat gleich hohe Transaktionskosten wie früher.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Woody am 21.08.2017 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warnung

    Man sollte die Kreditkartenfirmen warnen: unterschätzt niemals die Geldgeilheit der Schweizer Unternehmen! Das beste Beispiel ist die momentane Roaming-Freigabe für alle europäischen Länder ... alle? Nein, ein kleines Land im Zentrum wehrt sich vehement und legal oder illegal ... egal, der dumme Kunde bezahlt. Genauso läuft es beim CC bezahlen bei Tickets ...

  • Henz Meier am 17.08.2017 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocker Airline

    Grad gestern wieder gestaunt: 3 Flugtickets mit Swiss bestellt - mit Mastercard + 50 chf pro Person mit VISA = 0.0 chf Was ist da schief - wenn ich mit Karte bezahlen will ?

  • alexlomismo am 17.08.2017 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... "gleicher" oder nur dumm?

    Im Restaurant gegessen oder online Essen bestellt (für sagen wir mal ca. 100 Franken); Essen war schlecht, hundert Stutz weg... kein Problem. Jeden Tag stundenlang mit dem eigenen Auto im Stau stehen und Benzin/Diesel verbrennen... kein Problem. Bei unserer Swisscom eine Rechnung mit der Kreditkarte bezahlen (weil der Lesecode fürs E-banking seit Monaten nicht mehr funktioniert), ist kein Problem, obschon die Swisscom gleich den Airlines auch hierfür Kommissionsgebühren kassiert. Delivery-Dienste, wie z. B. eat.ch verlangen bis dato Kommissionsgebühren für Kartenzahlungen... aber auch hier, kein Problem, weil gegessen wird nur einmal jährlich, geflogen aber täglich mehrmals! Vielleicht sollte man die Sache etwas objektiver angehen und alle gleich behandeln?! Und vielleicht sollte man sich auch nicht wegen ein paar Franken Mehrkosten stets in Szene setzen?!

  • Zocker am 17.08.2017 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Online ?

    Ich muss beim Online wetten IMMER 1.75 %Provision bezahlen !!

  • Andere Airlines am 17.08.2017 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Vielflieger

    Bei Singapore Airlines bezahlt ich diese Woche... KEIN Aufschlag... 0%...