Thomas Straubhaar

08. Oktober 2011 15:28; Akt: 10.10.2011 08:39 Print

«Wir müssen die Griechen pleitegehen lassen»

von S. Spaeth - Europa will nun nicht mehr Staaten retten, sondern Banken, falls Griechenland in die Pleite rasselt. Professor Thomas Straubhaar findet das sinnvoll. Bei Griechenland sei das Geld ohnehin verloren.

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Der Schweizer Ökonom Thomas Straubhaar ist seit 1999 Professor für Volkswirtschafslehre an der Universität Hamburg und seit 2005 Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). (Bild: AFP)

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Drei Jahre nach der Lehman-Pleite scheint das Finanzsystem wieder an der gleichen Stelle angelangt zu sein. Ist der Finanzsektor unbelehrbar?
Thomas Straubhaar. Nein, das wäre zu kurz gegriffen. Letztendlich haben wir es mit dem Nachbeben einer Krise zu tun, die nie richtig überwunden war. Die Subprime-Krise wurde zur Finanzkrise und schliesslich zur europäischen Schuldenkrise. Die Staaten sind nun nicht mehr bereit, das ganze Risiko zu tragen, und schieben die heisse Schuldenkartoffel an die Banken zurück.

Angela Merkel sagte diese Woche: Falls Banken dringend Geld benötigten, dann sollten die Staaten mit Finanzhilfen nicht zögern. Ist damit die letzte Eskalationsstufe eingeläutet?
Es ist auf jeden Fall die nächste Eskalationsstufe, die einem Strategiewechsel entspricht. Nun sagt Frau Merkel, man müsse nicht mehr Staaten retten, sondern die Banken stärken, damit sie einen Staatsbankrott verkraften könnten. Das ist klug, denn längerfristig wird sich die Eurozone nicht mehr einig sein, immer neues Geld nach Athen zu senden.

Weshalb ist es sinnvoll, die Banken zu rekapitalisieren?
Hier können die Staaten ihren eigenen Instituten unter die Arme greifen. So wie es die Schweiz 2008 im Fall der UBS getan hat. Die Regierungen würden für Ihre Hilfe aber mit Vermögenswerten der Banken entschädigt. So besteht wenigstens die Hoffnung, dass die Retter irgendwann etwas Geld zurückerhalten. Im Fall UBS hat das geklappt. Bei Griechenland ist das Geld verloren und man schiesst einfach gutes Geld schlechtem nach.

EZB-Chef Jean-Claude Trichet forderte die Banken auf, ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen. Ist das die Vorbereitung auf die Pleite Griechenlands?
Ja, das ist die Vorbereitung auf den Schuldenschnitt Griechenlands. Man muss die Griechen Pleite gehen lassen können, die Banken haben damit zu rechnen, auf rund die Hälfte ihrer Forderungen zu verzichten. Mittlerweile ist es nicht mehr die Frage, ob der sogenannte Hair-Cut kommt, sondern nur noch wann. Athen hat noch Geld bis im November, also wird der Schuldenschnitt eher früher als später kommen.

Würde Griechenland mit einem Schuldenschnitt nicht auch belohnt?
In der Tat ist ein Schuldenschnitt das Lehrbuchbeispiel für das sogenannte Moral-Hazard-Problem, also einem Widerspruch zwischen dem, was man mit einer politischen Entscheidung anstrebt und dem, was daraus im Einzelfall tatsächlich gemacht wird. Obwohl der Schuldner nach einem Schuldenschnitt nicht mehr kreditfähig ist, ist für ihn der Hair-cut der einfachste Weg um Schulden los zu werden. Das ist eigentlich ein falsches Signal.

Wie lässt sich garantieren, dass der Zahlungsausfall sich auf Griechenland beschränkt und es nicht zum Dominoeffekt kommt?
Man kann Athen wohl kaum hundertprozentig isolieren. Die Gefahr, dass sich die Pleite ausweitet, ist in der Tat immens. Aber dank des Euro-Rettungsschirms EFSF besteht aber immerhin die Hoffnung, dass sich Portugal zu vernünftigen Preisen auf dem Kapitalmarkt refinanzieren kann und den Kopf noch einmal aus der Schlinge zieht. In Spanien hat sich die Lage zudem bereits etwas gebessert.

Aufgrund der sich zuspitzenden Krise gibt es Gerüchte, die deutsche Bundesbank drucke bereits wieder D-Mark. Was halten sie davon?
Das ist absoluter Unsinn und gehört zu den Verschwörungstheorien. Zudem wäre es ein falsches Signal, denn wenn so eine Aktion öffentlich würde, hätte Deutschland den Super-Gau. Durch die Vorbereitung würde der Gau provoziert, den man eigentlich hätte verhindern wollen. Es gibt in Deutschland aber eine gewisse Euro-Nostalgie.

Wird es den Euro in dieser Form in drei Jahren noch geben?
Daran besteht kein Zweifel. Die Forderung, dass Griechenland die Eurozone verlässt, höre ich richtigerweise immer weniger. Zudem halte ich eine Aufspaltung ein eine Euro-Süd- und Euro-Nord-Zone für ökonomisch nicht durchdacht. Wer sollte den Schiedsrichter spielen, der die Länder in zwei Gruppen einteilt?

Sie sind Professor, nicht Politiker, müssen also nicht über Rettung oder Nicht-Rettung entscheiden. Sind Sie froh?
Absolut. Es ist nicht angenehm, was Europas Spitzenpolitiker(innen) derzeit leisten müssen. Es brennt lichterloh und sie haben nicht mal eine richtige Feuerwehrausrüstung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B.Mcirdi am 08.10.2011 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Versager und Hinhaltetaktig

    Die hinhalte Taktig von Frau Merkel habe ich schon vor einanhalb Jahren gesagt es sei Schwachsinnig denn Griechen zu helfen, dass ganze wird sich wiederholen mit Italien Spanien Portugal Frankreich Belgien.

  • Jamc am 08.10.2011 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Spanien ?

    Ahja ? verbessert ? und warum denn wurde Spanien abgestuft ?

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  • Peter Schmid am 10.10.2011 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt so oder so nicht gut

    Nun lässt man die Länder fallen und dafür sollen die Banken gerettet werden. Dies geht nur mit masslos mehr Steuereinnahmen und das Volk bezahlt. Toll, kennen wir doch schon, oder. So provoziert man Völkerkriege, aber das will wohl die Politik nicht wahrhaben. Abwarten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • martial kohler am 24.10.2011 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Griechenland Pleite gehen lassen

    Dieser Meinung bin ich auch. Ein bodenloses Fass, genug ist genug. Es ist eine weltweite traurige Lösung, es geht aber auf die Dauer nicht anders!

  • This Bürge am 12.10.2011 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Stabilität des Euros erhalten

    Wenn die Griechen ihre Staatspapiere in einer Hauruck-Aktion zurückkaufen würden, wären die griechischen Banken konkurs. Lassen die Griechen das bleiben, ist der Staat konkurs. Es gibt eine Lösung: Das gesplittete Geldsystem ist aufzugeben. Die Banken sind aufgefordert, ihre Kreditbriefe der Zentralbank vorzulegen und für die Gesamtsumme zu bürgen. Fortan ist es ihnen verboten, Kredite zu gewähren oder Geschäfte zu tätigen, die nicht mit Geld der Zentralbank gedeckt sind. Diese Lösung gilt auch für die Schweiz und die USA.

    • Supermario am 14.10.2011 17:10 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch zum xten Mal

      Ja klar und wenn der This einen Kleinkredit, Hypothekarkredit, Autoleaskredit oder was auch immer möchte bekommt er ihn nicht, weil alle Banken ihr Budget bereits aufgebraucht haben. Darüber hinaus würden die Kreditmargen in Zukunft nicht mehr 0.5% sondern vielleicht 5% sein da die Banken ja trotzdem gleich viel verdienen wollen (müssen)! Viel Glück mit diesem Vorschlag! Der ist zum xten Mal so abstrus und nicht durchdacht und der Verfasser ist auch offenbar unbelehrbar!

    • This Bürge am 18.10.2011 02:11 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch zum xten Mal

      Lieber Supermario, was ist Ihr Vorschlag?

    • Hugo Hecht am 19.10.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch zum xten Mal

      This hat Recht. Lieber Supermario, alles nur heisse Luft von Dir. Solche Kommentare kann man sich sparen. Hier müssen Fachleute ran und keine Nachplapperies und Stammtisch-Strategen die hinterher immer alles besser wissen wollen.

    • Supermario am 21.10.2011 11:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Hugo Hecht

      Deine Meinung Hugo! Wobei diese meiner Meinung mindestens soviel heisse Luft enthält wie meine. Hab da nämlich das Gefühl das dir das Geschäftsmodell von privaten Banken nicht so vertraut sind? Meine bleibt nun mal so, dass Geschäftsbanken einen wichtigen Beitrag zur ökonomischen Entwicklung beitragen; die Abtretung dieser Funktionen an den Staat führt längerfristig mit Sicherheit zu kommunistischen Zuständen. Willst du das wirklich?

    • This Bürge am 23.10.2011 04:43 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch zum xten Mal

      Lieber Supermario, was ist Ihr Vorschlag? Im Kern geht es darum, ob die UBS (etc.) oder die Schweizerische Nationalbank neues Geld schöpft.

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  • Iro Nie am 11.10.2011 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    ja, ja, ja, ja,

    Mir sträuben sich ob so viel Arroganz, Ignoranz, und Inkompetenz der Politik und Wirtschaft auch die Haare!

  • Stefan Eich am 10.10.2011 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Späte Einsicht!!

    Diese Einsicht hat aber lange gedauert. Das wusste man schon bei der ersten Zahlung an Griechland. Verlorenes Geld!! Jetzt wird es dann doppelt weh tun!! Hauptsache unsere Politiker haben es voll im Griff!!

  • Heiri Zürcher am 10.10.2011 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Alternativlosigkeit allerorten

    Ich sehe offen gestanden bis jetzt nicht den Sinn in der Rettung einzelner Einrichtungen. Mir scheint, das Beste wäre man schafft eine Art Auffanggesellschaft für gefallende Banken, welche mit deren Zerlegung und Abwicklung betraut werden. Anstatt ein ums andere mal deren Risiken der Allgemeinheit aufzubürden. Die Art und Weise wie die Krise zu bewältigen wäre erscheint mir kein Problem der Alternativen zu sein, sondern vor allem eines der Kreativität bei der Lösungssuche. Alternativlos ist einzig das was uns als Wählern in diesem Land an politischen Optionen zur Verfügung steht! Denn unsere Parteien rudern alle in die eine gleiche falsche Richtung! Es ist zwingend erforderlich den Wettbewerbsgedanken im Finanzsektor wiederzubeleben und die Risiken jene tragen und spüren zu lassen, welche auch bereit waren sie einzugehen!

    • Gustav Wirz am 10.10.2011 16:52 Report Diesen Beitrag melden

      Eigenkapital banken

      Die Banken haben generell zuwenig Eigenkapital. Die banken geben keiner Firma Kredite, die nicht mindestens 30-35% Eigenkapital der Bilanzsumme haben. Das ist auch richtig so aber es sollte genau so bei den Banken auch angewendet werden! Zur Rettung der EU sollten die EU Politiker endlich Regeln definieren, die dann auch eingehalten werden müssen. z.B. Falls ein Land sein Budgetdefizit nich innerhalb von 3 Jahren auf 3% drückt, dass muss das entsprehende Land aus dem Euro und zurück in seine angestammte Währung. Bisher besteht in der EU kein Sparwille, da das Schuldenmachen konsequenzlos

    • Supermario am 14.10.2011 17:06 Report Diesen Beitrag melden

      Wohl kaum

      Falls das die einzige Lösung ist kannst du gleich mehr oder minder alle international tätigen Banken dort reintun; da ist es vermutlich immer noch billiger wenn via EZSR (oder wie der auch immer heissen mag) anfaulende Assets (sprich GR I E P Bonds) aufzukaufen und durch die EU zu garantieren.

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