Steuer wie in Frankreich

10. September 2015 14:04; Akt: 10.09.2015 14:59 Print

Softdrink-Branche will Zuckergesetz verhindern

von Isabel Strassheim - Schweizer Softdrinkhersteller stehen wegen der Fettsucht der Schweizer am Pranger. Ihr Problem: Ohne Zucker greift kaum einer zur Limo.

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Fast jeder dritte Erwachsene in der Schweiz ist laut dem Bund übergewichtig, und eines von sechs Kindern ist zu dick. Einer der Dickmacher sind Softdrinks. «Wir sehen ein, dass wir ein Teil der Lösung sein müssen», sagt Matthias Schneider am Mittwoch. Er ist Sprecher von Coca-Cola Schweiz sowie Vize-Präsident der Informationsgruppe Erfrischungsgetränke – einem Zusammenschluss, der vor zwei Jahren wegen des steigenden Drucks auf die Branche gegründet wurde. Gemeinsam wollen sie eine Zuckersteuer auf Softdrinks verhindern, wie sie etwa Frankreich 2012 eingeführt hat. Die Branche wehrt sich zudem gegen mögliche Vorschriften, wie viel Zucker überhaupt in den Getränken noch enthalten sein darf.

Allerdings befürworten nur 19 Prozent der Bevölkerung eine Zusatzsteuer auf zucker-, salz- und fetthaltige Lebensmittel, wie eine von der Getränkebranche in Auftrag gegebene Studie des Meinungsforschungsinstituts GFS zeigt. Mit 65 Prozent ist die klare Mehrheit gegen Gesetze. Sie setzt stattdessen auf die eigenständige Entscheidung der Konsumenten. Immerhin 28 Prozent sind allerdings für einen weitaus radikaleren staatlichen Eingriff, nämlich für das Verbot «von ungesunden Lebensmitteln». Ebenso fast ein Drittel spricht sich laut der Studie für den «Verzicht auf die Genussmittelproduktion» aus.

Das Zucker-Paradox

Die Crux für die Industrie ist, dass Zucker zwar schädlich ist, aber gut schmeckt. «Beim Geschmack aber können wir keinen Kompromiss eingehen, denn dann konsumieren die Leute keine Softdrinks mehr», sagt Schneider. Deswegen lässt sich der Zuckeranteil nur nach und nach zurückfahren. Coca-Cola benötigte die letzten zehn Jahre, um den Zuckergehalt um durchschnittlich acht Prozent zu senken. Noch immer ist die Firma die zweitgrösste Abnehmerin von Schweizer Zucker.

«Es gibt keine gesunden oder ungesunden Lebensmittel, sondern nur gesunde oder ungesunde Lebensweisen», sagt Schneider. Die Einführung von Ernährungskunde in der Schule sei deswegen ein guter Ansatz. Dies fordert laut der Studie auch die Mehrheit der Befragten. Sie wünschen sich ebenso weitere allgemeine Aufklärungskampagnen und mehr öffentliche Sportanlagen.

Schrumpfender Umsatz

Die Studie zeigt auch, dass bei über einem Drittel der Befragten das Interesse an Ernährung und Bewegung sehr gross ist. «Das ist durchaus ein Trend, über den wir uns Gedanken machen müssen», sagt Schneider. Die Softdrinkhersteller setzen auf eine breite Getränkeauswahl, was etwa die Einführung von Coca-Cola Life mit einem Anteil an Stevia gezeigt hat. Bei den traditionellen Limonaden soll der Zucker sukzessive reduziert werden.

In den vergangenen Jahren griffen die Schweizer ohnehin weniger zu Softdrinks. Im Gegensatz zu Mineralwasser sank der Verbrauch von über 640 Millionen Liter vor drei Jahren auf knapp 595 Millionen 2014. Nicht eingerechnet sind Eistee, Fruchtsäfte, Nektare, Energydrinks und isotonische Getränken. Wertmässig beläuft sich der Umsatz der Branche auf rund eine halbe Milliarde Franken.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gerry am 10.09.2015 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    28% wollen "ungesunde" Lebensmittel verbieten - unglaublich wie hoch die Anzahl freiheitsfeindlicher Menschen, die jede Eigenverantwortung und den gesunden Menschenverstand ansich ablehnen, mittlerweile ist.

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  • Maria am 10.09.2015 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sport

    Willkommen im Land der vielen Vorschriften , Gesetze, Verboten etc. Dann darf ich , die ja gerne Früchte iss, (Fruchtzucker) keine mehr essen, Marmelade Brot Schokolade Käse und und und. Die Kinder sind dick weil sie vor allem zu wenig Sport betreiben , Fast Food essen und dadurch das beide Eltern arbeiten zum grossen Teil sich falsch ernähren. Da muss in erster Linie angesetzt werden.

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  • Franky am 10.09.2015 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Klar greiffen weniger zur Limo, denn Zucker macht stark abhänging... Aber warum muss man Menschen mit Gesetzen lenken? Existiert heute keine Verantwortung mehr?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Brutus am 14.09.2015 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Mal nachdenken....

    Ich bin auch gegen zu viele Gesetze. Ich bin für Selbstverantwortung. Ich liebe die Freiheit. Ich liebe gutes Essen und Trinken. Ich weiss, es gibt intelligente und weniger intelligente Mitbürger. Ich weiss, die KK und IV zahlen Milliarden für Schäden aus selbstverschuldeter Fettleibigkeit, Zuckerkrankheit usw. Die meisten Menschen sind schwach. Die meisten Menschen realisieren den Raubbau an ihrem Körper nicht. Ich bin gegen eine neue Steuer. Aber ich wäre dafür das Ampel System einzuführen. Rot-Gelb-Grün für Fett und Zucker. Und es müsste im Verhältnis so gross sein wie die Raucherwarnung.

  • Hausfrau am 12.09.2015 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir sind die Süss Getränke

    Ein Graus. Ich mache mir jeden Abend einen Krug Tee und süsse ihn mit wenig Stevia, welches ich selber anbaue und nicht das chemisch veränderte Stevia der Industrie, welches auch ungesund ist. Das schlimme ist, dass eigentlich gesundes durch die Industrie immer verändert wird und dann eben nicht mehr gesund ist, durch den chemischen Veränderungs Prozess. Ich will auch keine gesüssten Joghurts, und mache sie selber. Wenn man es eine Woche lang durchhält, bekommt man Routine und es ist nicht mehr viel Arbeit.

  • huschmie am 11.09.2015 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Selbstverantwortung

    Die IV muss dann für die aufkommen, welche ihre Gesundheit fahrlässig ruinieren. Das ist keine Selbstverantwortung

  • Unpopularius am 11.09.2015 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    okay

    Steuern auf Luxusprodukte sind immer okay. Zucker braucht eh niemand.

  • Kralle am 11.09.2015 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bevormundung, nein danke

    Jeder sollte selbst in der Lage sein für sich zu entscheiden ob er sich ungesund oder nicht ernähren soll. Eine Bevormundung durch Staat darf es nicht geben. Bei Kindern müssen die Eltern verantwortungsbewusst handeln. Z.B. Cola nur einmal die Woche statt täglich zu erlauben. Das funktioniert aber nur bei Kleinkindern.

    • Martin am 13.09.2015 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kralle seien Sie konsequent

      Ja jeder sollte alles selber entscheiden und auch selber für die Konsequenzen finanziell aufkommen. Man sollte sofort alle medizinische Behandlungen einer nicht durch Krankheit verursachter Übergewicht aus dem Leistungskatalog streichen! Also keine Lifestyle Magenbypässe oder andere auf Kosten der Krankenkassen! Und bei massiv übergewichtigen sollte man Kostenbeteiligung der KK senken falls sie wegen Herz , Diabetes, Rücken, Hüft, oder Knieschmerzen behandelt werden.

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