Stellensuche

13. Juli 2015 05:48; Akt: 13.07.2015 09:21 Print

Das Tinder-Prinzip erobert die Jobwelt

Dating-Apps sind auf dem Vormarsch. Nun gibt es ähnliche Anwendungen für die Suche nach dem passenden Arbeitsplatz. Experten sehen dies kritisch.

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Bei der Dating-App Tinder zählt einzig der erste Eindruck. Sieht die Person auf dem Foto gut aus? Falls nein, reicht ein kurzes Wegswipen des Bildes und schon präsentiert sich einem der nächste mögliche Partner. Die Konsequenz: Wer gut aussieht, gewinnt.

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Doch nicht nur bei der Partnersuche, auch in anderen Bereichen kommt dieses Tinder-Prinzip nun zum Tragen. Zum Beispiel bei der Stellensuche, wie verschiedene neue Apps auf dem Markt zeigen. Aufgrund des Erfolgs von Tinder klonten die Software-Entwickler dessen beliebte Swipe-Navigation für ihre Zwecke.

Durch Bewerberprofile swipen

Ein Beispiel ist Selfiejobs. Bei dieser App swipen sich Arbeitgeber durch die Bewerbungsprofile von Jobsuchern. Für die «Süddeutsche Zeitung» eine gefährliche Entwicklung. Bei schnellem Sex dürfe der Ersteindruck zählen, doch wenn es um Arbeitsplätze geht, höre der Swipe-Spass auf.

Der Hauptkritikpunkt: Im Gegensatz zu Websites wie Xing oder Linkedin, die das Hochladen von ausführlichen Lebensläufen ermöglichen, gibt es bei Selfiejobs primär ein grosses Foto der Kandidaten. Alternativ können diese auch ein Video von maximal 22 Sekunden Länge posten. Danach swipen Bewerber sich durch Inserate von Unternehmen. Auf diese Art können sich die Arbeitgeber die Kandidaten der Reihe nach anschauen. Liken sich sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer, kommt es zum Kontaktaustausch.

Aussehen statt Fachkompetenz

Für Kritiker ein absurdes Vorgehen. Es gehe nur noch um Aussehen und nicht um Fachkompetenz, kritisieren sie. Eine Kritik, die Selfiejob zurückweist. «Wir sind längst nicht so minimalistisch wie Tinder», sagt App-Gründer Martin Hall zur «Süddeutschen Zeitung». Weiter sagt er: «Bei uns lassen sich Angaben zum Alter, zu den bisher gesammelten Erfahrungen, Stärken und auch zur Ausbildung machen.»

Auch in der Schweiz gibt es seit kurzem eine Onlinedating-App für Arbeitsplätze. Sie trägt den Namen Yooture und kann seit März im App-Store heruntergeladen werden. Wie Mitgründer Claudio Lehmann dem «Sonntagsblick» erklärt, wurde die App bereits 4000-mal heruntergeladen. «Mit dieser Art von Stellenausschreibung sparen Firmen Zeit und können potenzielle Kandidaten direkt angehen», rechtfertigt er sein Angebot.

(kwo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mano Man am 13.07.2015 06:04 Report Diesen Beitrag melden

    Für Sekretärinnen sehr geeignet...

    denn dort geht es hauptsächlich ums Aussehen. Wenn ich mal beobachte wer bei meiner Partnerfirma alles arbeitet, dann frage ich mich schon ob da nur Models zugelassen sind.

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  • Kassandra am 13.07.2015 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewerbungsfotos

    Das Auswählen der Bilder geschieht schon lange. Wofür sind denn die Fotos, die man bei einer Bewerbung mitschickt?

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  • frau löli. am 13.07.2015 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    suchend

    ist doch heute schon so..wer einem personalchef nicht passt, wird wegrationalisiert. das können zählt dabei nicht, sondern das aussehen der bewerber. bewerbungsgespräch bei einer baufirma: alles blondhaarige am empfang. danach absage. grund: man passe nach persönlichem empfinden nicht ins team. schönen dank, schweizer arbeitswelt!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • HR???? am 14.07.2015 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Fachkompetenz!?

    Ja heute macht die Erstauswahl sowieso niemand der kompetent ist. Da wird durch Sachbearbeiter oder Algorithmen gefiltert und erst dann kommt dann ein Mensch, wobei auch der, bei grossen Firmen, dann auch keine Ahnung vom Fach hat (sondern meisten nur von der menschlichen Resource) und wenn man es dann geschafft hat, dann evtl. geht es evtl. mal ums das Fach. Wer wie Beamte sucht, wird nur Beamte finden.

  • Kurt Zimmler am 13.07.2015 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Nur für einfache Jobs

    Für gewisse Jobs wo es nicht so viel Fachkenntnis braucht sicher eine gute Idee. Für Stellen mit Fachkompetenz eher ungeeignet. Ein Unternehmen, dass so seine wichtige Stellen besetzen will disqualifiziert sich damit ja selber.

  • Kriti Ker am 13.07.2015 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bach ab

    Sollte ein KMU Chef oder eine Personalabteilung bloss aufs Äussere schauen, so wäre sie nach ein paar Jahren konkurs. Die Konkurrenz freuts!

  • dunja richner am 13.07.2015 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    yooture ist anders

    Yooture schon mal angeschaut? Da geht's überhaupt nicht um's Aussehen! Vielmehr werden dir aufgrund deiner Angaben, wozu auch Hobbies und besondere Interessen gehören, Jobangebote vorsortiert, die dir zusagen könnten. Die Bewerbung geschieht dann auf dem - durchaus heute üblichen - Mail-Weg. Ich habe bereits einige interessante Jobs entdeckt, auf die ich ohne diese App nicht in der Zeitung gestossen wäre. Bitte besser recherchieren!

    • Marcel am 13.07.2015 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt!

      Genau das habe ich mir auch gedacht. Der Vergleich passt nicht, Yooture ist professionell und informativ, es mit Tinder zu vergleichen ist falsch!

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  • Bartli am 13.07.2015 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Diskriminierung.

    Jugend soll unsere Zukunft sein, wo bei jungen Chefs nur noch das Aussehen gilt? Ich denke da ist was gewaltig schief gelaufen in unserer Gesellschaft. Wovon kommt das wohl?