Gesundheitswesen

11. November 2012 18:52; Akt: 11.11.2012 18:52 Print

OPs sind in der Schweiz viel teurer als anderswo

von Elisabeth Rizzi - In der Schweiz kosten Operationen fast doppelt so viel wie in Deutschland. Versicherer und Ökonomen hoffen, dass die Fallpauschalen zu einer Preissenkung führen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Schweizer zahlen nicht nur für Medikamente massiv mehr als die Einwohner der umliegenden Länder. Für diverse Operationen sind die Fallpauschalen-Preise hierzulande fast doppelt so hoch wie in Deutschland.

So kostet die Operation des Grauen Stars in der Schweiz 2185 Franken, in Deutschland kaufkraftbereinigt 1406 Franken. Ein neues Herz kostet in der Schweiz 331 854 Franken, in Deutschland 241 344 Franken.

Kein Anreiz zur Kostensenkung

Zwar weist CSS-Sprecherin Sandra Winterberg daraufhin, dass in Deutschland noch diverse, preistreibende Zusatzentgelte für einen Eingriff beansprucht werden können (diese Möglichkeit ist in der Schweiz eingeschränkt). Dennoch bleiben die Kosten in der Schweiz überproportional hoch.

Das zeigt ein Blick auf die Statistik. Die stationären Spitalkosten in der Schweiz belaufen sich auf 23 Prozent der Grundversicherungsausgaben (Medikamente 19 Prozent). Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD gibt die Schweiz damit gemessen an den gesamten Gesundheitsausgaben so viel für Spitalaufenthalte aus wie kaum ein anderes Industrieland und fast doppelt so viel wie etwa Schweden oder Kanada.

«Strukturell hat sich in der Schweiz trotz Einführung eines neuen Finanzierungssystems für Spitalaufenthalte nichts verbessert», bemängelt der St. Galler Gesundheitsökonom Gebhard Kirchgässner. Er hat die Preise von einzelnen Eingriffen untersucht und unerklärbar grosse Differenzen festgestellt(vgl. Bildstrecke).

Mit seiner Kritik ist er nicht allein. Der Basler Gesundheitsökonom Stefan Felder findet: «Im alten Schweizer Vergütungssystem hatten die öffentlichen Spitäler keinen starken Anreiz Kosten zu senken, weil oft die Kantone das Defizit übernommen haben und die Spitäler ihre Erlöse steigern konnten, indem sie die Patienten länger als nötig behandelten.»

Da das Anfang Jahr flächendeckend in der Schweiz eingeführte Fallpauschalensystem auf dieser Kostenbasis eingeführt wurde, sind die Preisdifferenzen weiterhin erklecklich. Allerdings gibt es Hoffnung.

Kassen hoffen

«In Deutschland sind in den letzten fünf Jahren die Fallpauschalen-Preise gesunken», sagt etwa Sanitas-Sprecherin Isabelle Vautravers. Auch in der Schweiz erwarte man deshalb nach einer Einführungsphase, dass die Preise zurückgehen. Sanitas trage aktiv dazu bei und verhandle im Rahmen der Einkaufsgemeinschaft mit Helsana und KPT direkt mit den Spitälern über die Preise. «Schon in den laufenden Verhandlungen für 2013 konnten grossmehrheitlich tiefere Preise als für 2012 vereinbart werden», freut sie sich.

Auch Felder hofft, dass der steigende Wettbewerb zwischen den Spitälern zu einem Preisrutsch führt: «Wenn die Spitäler ihre Kosten durch Fusion und optimierte Behandlungspfade reduzieren, führt dies letztlich zu sinkenden Preisen», glaubt er.

Mehr Wettbewerb sorgt für höhere Kosten

Kirchgässner warnt allerdings auch, dass unter dem Strich die Gesundheitsausgaben nicht sinken müssten: «Mehr Verhandlungsdruck und Wettbewerb von Versicherern kann etwas bringen, aber auch das Gegenteil bewirken.» In Holland etwa habe mehr Wettbewerb und Transparenz bei der Spitalfinanzierung zu einer Kostensteigerung geführt. Denn die Leute gingen in die Spitäler, wo sie eine höhere Qualität erwarteten.

«Da höhere Qualität im Zweifelsfall auch mehr kostet, wird mehr ausgegeben statt gespart», gibt er zu Bedenken. Dagegen sei aus ökonomischer Sicht aber nichts einzuwenden, wenn tatsächlich eine Mehrleistung bestehe. Dass das Schweizer Stimmvolk durchaus bereit ist, für Qualität mehr auszugeben, zeigen die Abstimmungsergebnisse im Gesundheitsbereich: Sparvorlagen scheitern an der Urne regelmässig.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • hans meister am 12.11.2012 06:31 Report Diesen Beitrag melden

    shoppen und dökterlen

    Anstatt deutsches Medizinpersonal zu importieren, würde man besser die Patienten exportieren. Wenn die Menschen die Gesundheitskosten selber berappen müssten, würden sie dies wohl tun. Es gibt sowieso viel zu viele Spitäler in der Schweiz.

    einklappen einklappen
  • N. Zemp am 11.11.2012 23:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann es nicht mehr hören!

    "Oh wir armen schweizer, alles ist so teuer." Öffnet doch bitte die augen! Wir wollen unsere dicken löhne, unsere hohe lebensqualität, aber die preise vom ausland. Ist es nicht logisch, dass sowas nicht geht? Wir wollen max 15min autofahren zum nächsten spital. Dort von einem prof. dr. dr. für das betroffene fachgebiet operiert werden. Das essen wollen wir im spital à la carte bestellen. Wehe das joghurt kommt nicht im bestellten aroma! Aber kosten darf es nichts. Wenn ihr EU-Preise wollt, dann bitte auch EU-löhne. Mal schauen wie zufrieden wir mit 1'500 im monat sein können.

    einklappen einklappen
  • pat more am 11.11.2012 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    8 leute für eine ambulante op am knie

    liess mir kürzlich am knie quasi ambulant ein ganglion entfernen. die eigentliche op dauerte knapp 20 minuten. dafür wurde mir ein ganzer tag inkl. aufenthalt verrechnet (chf 2700.), eine periduralanästhesie verabreicht (ich behaupte: eine lokale hätte genügt) und es standen 8 personen im saal herum, von denen genau 4 mit mir beschäftigt waren: der operateur und sein assi, die anästhesistin und die besteckreicherin. die anderen vier: reservebank?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • der Vergleicher am 13.11.2012 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Äpfel mit Birnen vergleichen

    Dann sollte Frau Winterberg mal schauen, was ihre Kollegin mit der gleichen Funtkion in Deutschland verdient

  • Zurück in der Schweiz am 12.11.2012 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Kaufkraftbereiniger

    Geht doch bitte mal ein paar wochen im nahen ausland leben. Die gefühlte lebensqualität ist schlicht und ergreifend niedriger. Das macht vor dem spital nicht halt. Da könnt ihr "kaufkraftbereinigen" was ihr wollt. (Ich rede hier ausdrücklich nicht von der qualität der ärzte, die ist auch im ausland sehr hoch, sondern von lebensqualität.)

  • tony am 12.11.2012 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    weitere abzocke

    jetzt kommen all diejenigen wieder zum zug, welche diese operationskosten befürworten, da wir ja in der schweiz angeblich gegenüber dem ausland ein vielfaches verdienen, somit ist es doch gerechtfertigt, wenn ch-patienten über den tisch gezogen werden.

  • Johann Peter Zürcher am 12.11.2012 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... Und WER hat das uns eingebrockt?

    Ja das stimmt, es fragt sich nur, WER das den Schweizern im Laufe der Zeit "still und leise" eingebrockt hat! WER (welcher BR) hat denn dem Schweizer Stimmbürger vor Jahren das blaue vom Himmel bei einer ANNAHME des KVG versprochen? Jetzt wieder mit der blödsinnigen Fallpauschale? Wer hier immer wieder "reinfällt" ist der Bürger! Froh und dankbar sein, dass man kein Spital von innen sehen muss, da nebst den Kosten noch damit gerechnet werden muss, dass man ungefragt als Medikamenten-Tester oder als "Ersatzteil-Lager" herhalten muss! Doch doch... sehr weit hat es die Schweiz gebracht!

  • Pedro am 12.11.2012 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum bsp lohnkosten!

    Vergleicht die lohnkosten in D mit den unseren - danach sollte eigentlich alles klar sein... ;-)

    • TomTom am 12.11.2012 15:53 Report Diesen Beitrag melden

      Kaufkraftbereinigt...

      die angegebenen Preise sind Kaufkraftbereinigt ... die höheren CH Saläre sind also mit eingerechnet.

    • von mir am 12.11.2012 17:40 Report Diesen Beitrag melden

      Lohnkosten?

      In D sind die Steuern und Krankenkassen bereits abgezogen. Bei uns arbeitet man die ersten drei Monate nur fürs Steueramt. Krankenkasse noch nicht gerechnet. Jetzt bitte die Lohnkosten nochmals neu vergleichen.

    • lolo am 12.11.2012 18:23 Report Diesen Beitrag melden

      @ pedro

      du verstehst auch nichts von einen system. im endefekt ist alles gleich. ende monat gleich viel in der tasche wie in D

    einklappen einklappen