Gefährliche Chemikalien

23. Oktober 2014 23:56; Akt: 23.10.2014 23:56 Print

Vorsicht vor Gift im Kinderschuh

von K. Wolfensberger - Greenpeace hat 26 Kleidungsstücke auf giftige Chemikalien getestet. Schlecht kommt die Migros weg. Doch sie bestreitet die Vorwürfe.

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Sie kosten oft nur wenige Franken: Kinderkleider im Supermarkt. Die Eltern freuen sich über Schnäppchen wie T-Shirts für 7 Franken oder eine Kinderjacke für 59 Franken. Was die Käufer nun beunruhigen könnte: Kinderkleider enthalten teilweise gefährliche Chemikalien, wie eine 26 Artikel umfassende Stichprobe der Umweltorganisation Greenpeace in Deutschland, Österreich und in der Schweiz ergeben hat. In mehr als der Hälfte der Produkte seien gesundheitsschädliche Chemikalien nachgewiesen worden, schreibt Greenpeace in einer Mitteilung.

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Am schlechtesten schneiden in der Stichprobe die Kinderschuhe «Trevolution New Montana» der Migros ab. Sie seien mit einer hohen Konzentration an sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet, so Greenpeace. In der EU dürfen ab Ende 2015 nur noch Kinderkleiderprodukte mit einer PAK-Konzentration von 0,5 mg/kg verkauft werden – bei den Trevolution-Schuhen ergaben die Messungen 116 mg/kg. Ebenfalls negativ aufgefallen sind in der Stichprobe die Kinder-Regenstiefel von Tchibo mit 7,5 mg/kg und die Kinder Booties von Aldi mit 4,9 mg/kg, die es aber nur in Deutschland zu kaufen gibt.

Greenpeace-Sprecherin Mirjam Kopp erklärt zu den Migros-Schuhen: «Die in dem Kinderschuh gefundenen Werte von potenziell krebserregenden Substanzen überschreiten sogar die internen Richtlinien der Migros deutlich.»

Migros bestreitet Vorwürfe

Dies bestreitet Migros-Sprecherin Martina Bosshard auf Anfrage von 20 Minuten. Grundsätzlich verbiete der Detailhändler die PAK-Schadstoffe während des gesamten Produktionsprozesses und habe daher keine belasteten Schuhe im Sortiment. Allerdings komme es teilweise zu Verunreinigugnen bei der Verarbeitung oder bei den verwendeten Rohstoffen selbst.

Zum spezifischen Fall des Trevolution-Kinderschuh erklärt Bosshard: «Der von Greenpeace erwähnte EU-Wert von 0,5 mg/kg gilt nur für Materialien mit direktem Hautkontakt. Er ist also nur auf die Schuh-Innensohle anwendbar, die beim Trevolution-Kinderschuh diesen Vorgaben entspricht.» Die erwähnten 116 mg/kg beträfen nur die Aussensohle ohne Hautkontakt, weshalb die Migros den Schuh weiterhin verkaufen werde.

Greenpeace verlangt Detox-Verpflichtung

Laut Greenpeace-Sprecherin Mirjam Kopp weigert sich die Migros ausserdem, eine sogenannte Detox-Verpflichtung zu unterschreiben. Damit würde sie sich verpflichten, die gesamte Kleider-Herstellungskette zu entgiften und bei der Produktion Transparenz zu schaffen. Dies hälfe auch den Ländern, in denen die Kleider produziert werden, da dort die Umwelt weniger stark verschmutzt würde. Die Migros habe zwar eigene Standards, der Test zeige aber, dass der Grossverteiler diese nicht einhalte.

Der Vorwurf, die Migros engagiere sich nicht genug bei der Reduktion von Schadstoffen, kommt beim Detailhändler nicht gut an. «Wir definieren klare Vorgaben, setzen diese zusammen mit den Lieferanten um und kontrollieren die Einhaltung regelmässig», sagt Sprecherin Martina Bosshard. Sie erklärt, dass ihrer Firma von verschiedenen Seiten ein positives Vorgehen attestiert worden sei, und schliesst mit den Worten: «Die Migros ist mit ihren Lieferanten bereits auf gutem Weg, um sämtliche Schadstoffe in Textilien und Schuhen zu reduzieren.» Das Detox-Commitment von Greenpeace müsse die Migros daher nicht mehr unterschreiben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mamma Rucki am 24.10.2014 00:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Migros enttäuscht uns nicht!

    Die Migros tut sich gut daran ihre Aussage zu überdenken... Wie oft spielen Kinder mit Schuhen, fassen Sie außen an, usw... So extrem hohe Werte dürfen nicht vorkommen, da erwarte ich als Kunde eine andere Reaktion, sonst ist trevolution für mich gestorben!

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  • P. Hänsi am 24.10.2014 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wer Gift

    Wer Gift in den Kleidern verleugnet oder bestreitet, nimmt Todesopfer in Kauf.

  • Schuhkäuferin Bern am 24.10.2014 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das kratzt Firmen keinen Deut

    Gabor Schuhe.. 180.-- Originalpreis bei Coop Ryfflihof. Dishydrotisches Ekzem an Fusssohlen und Arbeitsunfähigkeit 2 Tage... Müsse halt selber schauen, was ich für Lederschuhe kaufe...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sepp am 24.10.2014 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    juhu

    und wir tun nix dagegen, ausser uns 30 sekunden drüber aufzuregen

  • Alex am 24.10.2014 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie mehr Billigkleider!

    Deshalb kaufe ich ausschliesslich nur bei Petit Bateau! Beste Qualität! Kann ich nur empfehlen!

    • Jammer am 24.10.2014 10:32 Report Diesen Beitrag melden

      träumen ist ja soo schön

      ja genau, träum weiter. Bist Du selber vor Ort bei der Produktion dabei ?

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  • Timo Bütler am 24.10.2014 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Wieder einmal regat man sich künstlich über ein Problemchen auf anstatt die Kinder in Schuhen draussen rumrennen zu lassen, die etwas Giftstoffe beinhalten. Viel schlechter wäre, wenn sie nur drinnen rumsitzen würden, denn das schädigt die Gesundheit erwiesenremassen und nachhaltig. Nach der heutigen Wahrnehmung müssten wir älteren Leute eigentlich alle schon längst vergiftet und tot sein, denn als wir noch klein waren, war die Welt sehr viel giftiger; Blei im Wasser und in den Lebensmittlen, schlechte Luft, etc. Und trotzdem werden wir immer gesünder alt.

  • vater am 24.10.2014 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer geht noch zur migros???

    sorry aber wen immer möglich werde ich die migros in zukunft meiden. das hat aber mit der extrem nachlassenden qualität der produkte zu tun, der seit etwa 3 jahren statt findet.

    • Tip für Vater am 24.10.2014 09:07 Report Diesen Beitrag melden

      Einkaufsstrategie für working poor

      ich bin höchst selten in der Migros (und wenn Migros-Holding, dann vielleicht im Denner). Coop noch viel weniger, der ist noch teurer, und ich kann es mir echt nicht leisten. Einkäufe mach ich eher beim Türken um die Ecke. Oder Kosmetika im DM, mit dem Fahhrad in den Zug, den Rest über die Grenze auf zwei Rädern und dem grossen Rucksack auf dem Buckel.

    • Familie am 24.10.2014 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ungeniessbar

      So ist es. Das ist uns auch aufgefallen. Früchte und Gemüse sind zu oft ungeniessbar! Alles wird mit Gas behandelt. Wir kennen einen Migros Mitarbeiter der uns erzählte, wenn die Leute wüssten, was mit den Lebensmitteln angestellt wird würde niemand mehr die Ware kaufen. Er selbst würde nichts mehr von der Migros konsumieren! Das sollte doch zu denken geben!

    • vater am 24.10.2014 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      danke

      und ich dachte mir ist das als einziger aufgefallen!!

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  • Lola am 24.10.2014 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ärgert mich

    Grundsätzlich kaufe ich keine Billigprodukte ( Made in China) bei Grossverteiler, aber bin ich weniger gefährdet bei einem teueren Produkt? Wie komme ich als Kunde an diese Informationen?