Des Pendlers Zukunft

12. Mai 2010 13:45; Akt: 12.05.2010 16:08 Print

Bombardier liefert die neuen SBB-Züge

Die SBB haben die Katze aus dem Sack gelassen: Die 59 neuen Doppelstockzüge werden bei Bombardier bestellt. Bundesrat Leuenberger zeigt sich zufrieden.

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Der Zug des kanadischen Konzerns Bombardier hat bereits einen Namen: Twindexx Swiss Express.

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Einen solchen Auftrag gab es in der Schweiz noch nie: Für rund 1,9 Milliarden Franken bestellen die SBB 59 Doppelstockwagen bei Bombardier. Als Verlierer gehen Siemens und der Schweizer Hersteller Stadler Rail aus Bussnang TG vom Platz.

Der Entscheid fiel klar aus, lassen die SBB verlauten: Sowohl beim Komfort für den Kunden als auch in der Gesamtwirtschaftlichkeit habe Bombardier am besten abgeschnitten. Der kanadische Konzern Bombardier ist der weltgrösste Bahntechnikhersteller. Die neuen Züge werden in Villeneuve VD und Görlitz (D) gebaut. Die 59 Züge bestehen aus insgesamt 436 vollklimatisierten Wagen mit rund 36 000 Sitzplätzen.

Neue Fahrzeuge sparen Energie

Die Fahrzeuge von Bombardier verfügten laut den SBB über den breitesten Innenraum und bieten gleichzeitig eine maximale Anzahl Sitzplätze, wobei die Sitzplatz-Abstände denjenigen des IC 2000 entsprächen. Die neuen Fahrzeuge verfügten über energieeffiziente Motoren, die Energie- Einsparungen von rund 10 Prozent erlaubten. Dank eines optimalen Fahrzeugkonzeptes seien schnelle Fahrgastwechselzeiten möglich.

Ab Dezember 2013 sollen die Züge gestaffelt zum Einsatz kommen. SBB-Sprecher Reto Kormann relativierte am Dienstag gegenüber 20 Minuten Online die Marschtabelle: «Vor 2017 dürfte die Wankkompensation kaum fahrplanmässig zum Einsatz kommen.» Nach der ersten Auslieferung 2013 werden die SBB die neue Technik erst einmal gründlich testen.

Leuenberger zufrieden – Verlierer enttäuscht

Verkehrsminister Moritz Leuenberger ist mit dem Entscheid der SBB zufrieden. Die Generaldirektion habe ein Unternehmen gewählt, das in der Schweiz viele Arbeitsplätze habe und dank dem Grossauftrag wohl auch erhalten könne, sagte er in Bern vor Medienvertretern.

Für die SVP ist der Entscheid «unverständlich», wie die Partei in einer Mitteilung schreibt. Kein Staatsbetrieb in einem anderen Land würde in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein gleichwertiges Angebot der einheimischen Wirtschaft mit «fadenscheinigen Argumenten» ablehnen.

Der Schweizer Hersteller Stadler Rail zeigte sich in einer ersten Stellungnahme «sehr enttäuscht». CEO und SVP-Nationalrat Peter Spuhler sagte, der negative Entscheid der SBB habe kurzfristig keine Auswirkungen auf die Beschäftigung bei Stadler Rail: «Die Auftragslage garantiert eine befriedigende Auslastung unserer Schweizer Werke während der nächsten 18 bis 24 Monate.» Wie sich die Auslastung ab diesem Zeitpunkt entwickeln werde, sei äusserst schwierig vorauszusagen.

Neben Stadler Rail ist auch Siemens Schweiz ein grosser Verlierer – und auch sie zeigt sich enttäuscht. «Wir sind überzeugt, dass wir sowohl technisch wie auch wirtschaftlich ein sehr gutes Angebot abgegeben haben», sagte Sprecher Benno Estermann. Dem Vorwurf, der Techonologiekonzern hätte im Falle einer Auftragserteilung in der Schweiz keine Stellen geschaffen, widersprach Estermann: «Natürlich hätte es Stellen gegeben. Die Anzahl der Stellen war aber noch nicht klar.»

Eisenbahner zeigen sich zufrieden

Zufrieden zeigte sich hingegen der SEV, die Gewerkschaft des Verkehrspersonals. Die Vergabe garantiere hunderte von Arbeitsplätzen in der Schweiz, sagte SEV- Sprecher Peter Moor.

Für den SEV steht im Vordergrund, dass die Triebfahrzeuge und Wagen optimal funktionieren und nicht pannenanfällig sind wie etwa die Cisalpino-Kompositionen. Weiter freut die Gewerkschaft, dass der Unterhalt der Bombardier-Züge von der SBB selbst ausgeführt wird, wie es das Unternehmen versprochen hatte.

Seitens der Bahnbenutzer-Vereinigung Pro Bahn erklärte Präsident Edwin Dutler, die Bombardier-Wagen seien breit und bequem. Sie böten Platz für viele Personen, was im Pendlerverkehr Vorteile bringe.

(mlu/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner Rat am 17.05.2010 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Günstig

    Ein Sitzplatz für 57'000.-, der wirklich 15 Jahre genutzt wird und nicht in der Garage steht? Ist doch ok - oder?

    einklappen einklappen
  • Marco Rohr am 14.05.2010 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Danke SBB

    Mir gefällt der neue "Superzug". Das ewige Problem mit den sehr schmalen Gepäckablagen wurde zwar nicht gelöst, dafür haben die SBB sonst alles richtig gemacht: Strom gibts kostenlos an jedem Platz, W-LAN lässt sich über die Data-Flatrate, welche alle iPhone-Benutzer ohnehin jetzt schon haben, konsumieren. Das ist extrem zeitgemäss! Die Business-Abteile in der 1. Klasse sind ebenfalls "the way to go". Und wo die hergestellt werden, ist mir schnuppe - der Beste soll den Auftrag kriegen. Krise herrscht auf der ganzen Welt, denkt global! Nicht nur die Schweiz kämpft mit der Arbeitslosigkeit...

  • Silvan Renggli am 21.11.2011 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Logistiksverbesserung bei der SBB

    Also man müsste sich doch freuen das die SBB 59 neue Doppelstockwagen bestellt hat damit die Enge in den Züge abnimmt Dazu werden Arbeitsplätze geschffen für Zugführer und Lokführer. Und die neuen Züge fahren sicher nicht mehr nur noch 140Km/H sonder mind. 160Km/H das heisst minimierung der Fahrzeit Man fängt also 2 Fliegen mit 1 schlag.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Silvan Renggli am 21.11.2011 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Logistiksverbesserung bei der SBB

    Also man müsste sich doch freuen das die SBB 59 neue Doppelstockwagen bestellt hat damit die Enge in den Züge abnimmt Dazu werden Arbeitsplätze geschffen für Zugführer und Lokführer. Und die neuen Züge fahren sicher nicht mehr nur noch 140Km/H sonder mind. 160Km/H das heisst minimierung der Fahrzeit Man fängt also 2 Fliegen mit 1 schlag.

  • Robert am 23.08.2011 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Robert

    "...230 km/h wie bisher..." Dies gilt bereits nur fur die Lokomotiven Baureihe Re 460. Sonst die Doppelstockwagen nur fur 200 km/h zugelassen sind, also ganze Zugsgarnitur darf nur mit 200 km/h unterwegs sein.

  • alaska am 23.08.2011 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Geld zum Fenster raus

    Ja, ja, einmal als Fanzug gebraucht, und schon werden Sie den reparieren können oder? Dieser Luxus legitimiert natürlich durch die Hintertüre Preiserhöhungen oder? Wie wärs endlich mit Stehwägen, und Spezialtickets die in Zügen stehen wollen, oder keinen Sitzplatz finden wegen Überfüllung.

    • Arthur Strahm am 24.08.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      Fanzüge?? Hooligans nicht Fans

      Erstens sind dass nicht Fans sonder Hooligans und zweitens werden neue Kompositionen nicht für Sport- etc Reisen gebraucht. Also nicht so negativ

    einklappen einklappen
  • Werner Rat am 17.05.2010 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Günstig

    Ein Sitzplatz für 57'000.-, der wirklich 15 Jahre genutzt wird und nicht in der Garage steht? Ist doch ok - oder?

    • Arthur Strahm am 24.08.2011 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      Die nächste Generation dankts

      Ja sicher wenn man bedenkt dass es umweltschonender und sauberer ist, denkt doch auch mal an die folgenden Generationen

    einklappen einklappen
  • danken am 16.05.2010 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    störung über störung

    anstatt bubelizüge mit steuergeld das ausland zu subventionieren gescheiter mal infrstruktur reparieren.