VR-Präsident der Post

10. März 2016 09:57; Akt: 10.03.2016 14:37 Print

«Treffpunkt zu sein, ist nicht unser Auftrag»

Der Rückgang bei der Briefmenge stellt die Schweizerische Post vor Herausforderungen. Das hat auch Auswirkungen auf die Zahl der Poststellen.

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Die Schweizerische Post erwirtschaftete 2015 einen Konzerngewinn von 645 Millionen Franken – 1,1 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Der Bund dürfte vom Gewinn der Post profitieren: Der Verwaltungsrat will dem Staat 200 Millionen Franken als Dividende ausschütten. Der Betriebsertrag ging um 147 Millionen Franken auf 8,224 Milliarden Franken zurück.

«Es ist kein Jubelabschluss. Drei von vier Bereichen sind rückläufig», sagt Post-Verwaltungsratspräsident Peter Hasler. Die Gewinnsteigerung sei hauptsächlich auf Veränderung von Buchwerten im Finanzdienstleistungsmarkt zurückzuführen.

Agenturen ersetzen Poststellen

Die Menge der adressierten Briefe sank 2015 um 1,4 Prozent. In den letzten zehn Jahren sei die Briefmenge um 17 Prozent zurückgegangen, teilt die Post mit. Das Defizit im Poststellennetz betrug 2015 rund 110 Millionen Franken. «Das ist eine riesige Herausforderung. Die Kunden bleiben aus und das Briefvolumen geht zurück. Wir müssen schnell reagieren», erklärt Hasler.

Die Konsequenz: Poststellen werden in Agenturen umgewandelt. Wie viele Poststellen geschlossen werden sollen, sei noch nicht klar. Hasler sagt aber auch: «Wir haben mit unseren Poststellen nicht die Aufgabe, die sozialen Treffpunkte in Randregionen zu sein.»

Laut VR-Präsident Hasler wünschten die Kunden andere Zugangspunkte. Unter Zugangspunkten versteht das Unternehmen Poststellen, Agenturen, Automaten, Hausservice oder Pick-Post. Die Anzahl Zugangspunkte für die Kunden soll nicht reduziert, sondern insgesamt erhöht werden.

Negativzins setzt PostFinance zu

Die Einführung von Negativzinsen durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) wirkte sich auf das Ergebnis der PostFinance aus. Die durchschnittlichen Kundengelder hätten sich um 2,8 Milliarden Franken verringert. «Es ist ein Novum, dass wir keinen Neugeldzufluss haben», erklärt PostFinance-Chef Hansruedi Köng. Das komme aber nicht unerwartet und die PostFinance habe das so gesteuert.

Der PostFinance seien innert Tagen plötzlich Investorengelder im Umfang von fünf Milliarden zugeflossen, so dass die Bank mit einer Guthabengebühr reagiert habe. «Wir wollten verhindern, dass wir bei der SNB hohe Negativzinsen hätten bezahlen müssen – trotz hohem Freibetrag, der uns gewährt wird», so Köng. Der Freibetrag für die PostFinance liegt bei 35 Milliarden Franken.

«Die Guthabengebühr ist kein Businessmodell», betont Köng auf Anfrage von 20 Minuten. Trotz dieser Massnahme habe die PostFinance einen mittleren einstelligen Millionenbetrag an Negativzinsen an die SNB bezahlt. Details zur Höhe der Guthabengebühr und den Schwellenwerten wollte König nicht verraten. Insgesamt erzielte PostFinance 2015 einen Betriebsgewinn von 459 Millionen Franken – 77 Millionen Franken mehr als im Vorjahr.

(sas/lin)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Postüberwacher am 10.03.2016 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dank Poststellenschliessung?

    Kein wunder, wenn man laufend Poststellen schliesst und die Gebühren erhöht. Hauptsache die Postchefin verdient um 1 Mio..

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  • Trudi Müller am 10.03.2016 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Mir ist schon klar weshalb der Gewinn so hoch ist. Man schloss und schliesst auf dem Land jede 2. Poststelle. Servicepublic wird abgebaut und beim Personal wird auch gespart - ganz einfache Rechnung!

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  • asap am 10.03.2016 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    wer hätte das gedacht

    Kein wunder wenn ich auf jedes 2te Päckchen eine "Zollöffnungsgebühr" von 25.- zahle

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf am 11.03.2016 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    POST + TELEFON WIEDER VEREINEN

    Der dauernde Tarif-Wechsel von den Anbietern ist für alle ein Ärgernis, und hat mit Marktwirtschaft nichts mehr zu tun - es braucht wieder Klarheit wie früher.

  • manfred pircher am 11.03.2016 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Führung der Post

    Herr Hasler, aber die Post sollte auch kein Basar sein. Die Schliessungen der Poststellen wurden mit Petitionen von verschiedenen Leuten aus der ganzen Schweiz reklamiert, aber wurden nicht ernst genommen. Die Post hat einen Auftrag und reklamiert immer , dass die Briefe zurück gehen, ist ja klar mit Internet, aber dort verdiehnt sie auch Geld. Herr Hasler und Frau Ruoff gehen Sie mit Ihren Löhnen runter und öffnen Sie wieder die alten Poststellen alles andere ist einfach Chabis ¨¨

  • Ein Pöstler am 11.03.2016 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die Front, Herr Hasler

    Herr Hasler sollte sich mal bemühen an die Front zu gehen und zu schauen was diese Leute wirklich für gute Arbeit leisten. Nur weil er per Polibeziehungen zu diesem Job gekommen ist hat er doch keine Ahnung von Postdienstleistungen.

  • Bürger G am 11.03.2016 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Schliessungen

    Den Mitarbeitern wurden wiedermal neue Verträge aufgesetzt und verdienen jetzt weniger Nachtschichtzulage!

  • barni am 11.03.2016 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie es nicht geht.

    wenn man als geschäftsmann wissen will, wie man etwas nicht tun darf, muss man bei der post vorbei schauen. die machen alles falsch.