EU ruft zum Krisentreffen

11. August 2017 12:32; Akt: 11.08.2017 18:06 Print

Schon 17 Länder von Eier-Skandal betroffen

Allein in Deutschland wurde in 11 Millionen Hühnereiern das Insektengift Fipronil nachgewiesen. Die EU beruft ein Krisentreffen ein, die Schweizer Grossverteiler haben reagiert.

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Der Eierskandal verdirbt immer mehr Leuten den Appetit. Die Lieferungen von mit einem Insektengift belasteten Eiern beschränkten sich nicht nur auf Europa. Mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier sind nach Erkenntnissen der EU in 17 Ländern aufgetaucht. Die Eier seien bis nach Hongkong exportiert worden, sagte heute der EU-Sprecher für Handel und Landwirtschaft, Daniel Rosario.

Gegen mehrere Produzenten in Belgien und den Niederlanden werde ermittelt. Aber auch in Frankreich und Deutschland seien Hühnerfarmen geschlossen worden. Bei den übrigen belieferten Ländern handle es sich um Schweden, Grossbritannien, Österreich, Irland, Italien, Luxemburg, Polen, Rumänien, Slowenien, Dänemark, die Slowakei und die Schweiz.

Frankreich erklärte, es habe etwa 244'000 belastete Eier aus den Niederlanden und Belgien geliefert bekommen. Die von der Lebensmittelsicherheitsbehörde überprüften Eier und Eiprodukte enthielten aber so wenig Fipronil, dass sie keine Gefahr für die Verbraucher seien, sagte Agrarminister Stéphane Travert dem Radiosender RCM.

Zwei Festnahmen

Fipronil wirkt gegen Zecken, Läuse und Flöhe, darf aber nicht in Betrieben eingesetzt werden, deren Erzeugnisse in die menschliche Nahrungskette gelangen. Europaweit sind Millionen Eier aus den Supermärkten zurückgeholt und vernichtet worden. In den Niederlanden wurden gestern im Zusammenhang mit den Ermittlungen zwei Personen festgenommen. Berichte, dass wegen der Eier jemand erkrankt ist, lagen nicht vor.

In Dänemark wurden den Behörden zufolge 20 Tonnen gekochte und geschälte Eier aus den Niederlanden an Kantinen geliefert. In ihnen seien Spuren von Fipronil gefunden worden, allerdings nicht in gefährlicher Menge, hiess es. Die Eier seien trotzdem zurückgerufen worden.

Die EU-Kommission forderte ein ausserordentliches Treffen von Ministern und Behörden, auf dem über Konsequenzen beraten werden soll. Das EU-System zum Schutz vor Lebensmittelfälschungen müsse verbessert werden, sagte Kommissionssprecherin Mina Andreeva. Als vorläufigen Termin nannte sie den 26. September.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

In Belgien wurde offenbar ein für die Nutztierhaltung zugelassenes, rein pflanzliches Desinfektionsmittel mit dem für die Nutztierhaltung verbotenen Fipronil gemischt. Das Mittel wurde von einer niederländischen Firma in zahlreichen Ställen in den Niederlanden eingesetzt. Millionen belastete Eier wurden nach Deutschland verkauft – das Bundeslandwirtschaftsministerium geht einem Bericht zufolge von mindestens 10,7 Millionen Fipronil-Eiern hierzulande aus.

Mitgliedstaaten machen sich bereits gegenseitig schwere Vorwürfe: Belgien wirft den Niederlanden vor, erste Hinweise über den Einsatz von Fipronil in Hühnerställen Ende 2016 nicht weitergegeben zu haben, der deutsche Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt kritisierte das Krisenmanagement Belgiens und der Niederlande. Die Informationen seien zu langsam und zu spärlich geflossen.

EU-Kommissar Andriukaits betonte, die Lebensmittelsicherheit in der Union sei eine der höchsten der Welt, das System sei «gut». Nun müssten die Mitgliedsländer zusammenarbeiten, um die nötigen Lehren aus dem Skandal zu ziehen. «Statt Energie mit gegenseitigen Schuldzuweisungen zu verlieren, sollten wir in die Zukunft schauen.»

Zweifel bei verarbeiteten Eier-Produkten

Die Schweizer Grossverteiler haben Eier im Zusammenhang mit möglichen Belastungen durch das Insektizid Fipronil aus den Regalen genommen. Zweifel bleiben jedoch bezüglich verarbeiteten Produkten bestehen. Die Westschweizer Konsumentenschutzorganisation FRC ist entsprechend besorgt.

Beim Grossverteiler Migros seien «geringste Werte» von Fipronil in Frischeiern der M-Budget-Linie gefunden worden, die aus dem Verkauf zurückgezogen wurden«, sagte der Sprecher Tristan Cerf am Freitag der Nachrichtenagentur sda. »Wir können nicht ausschliessen, dass verarbeitete Produkte ebenfalls Fipronil enthalten, bisher haben aber weder wir noch unsere Lieferanten entsprechende Belastungen gefunden.«

Bei Coop stammen die Eier wie bei Migros zu 95 Prozent aus der Schweiz und sind nicht von Fipronil-Belastungen betroffen, wie der Grossverteiler betont. Dennoch sind nach Angaben des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) Untersuchungen im Gang, um festzustellen, ob Schweizer Eier von diesem Problem betroffen sind. Fipronil sei in der Schweiz für den entsprechenden Einsatz verboten. Keine Anzeichen gibt es laut BLV derzeit, dass Pouletfleisch mit Fipronil verseucht ist.

(chi/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nachdenklicher am 11.08.2017 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und in der Schweiz?

    interessanter Weise hört man in der Schweiz wenig über die Importeier. Wie steht es eigentlich um Mayonnaisen, Eierteigwaren und andere Schweizer Produkte, bei denen "Eier aus Bodenhaltung" enthalten sind? Das sind höchstwahrscheinlich auch Importeier (sonst würde es ja speziell deklariert).

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  • xhena am 11.08.2017 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    12 länder? welche

    wäre noch gut zu wissen, welche 12 länder betroffen sind.

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  • Hr Schmidt am 11.08.2017 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Massentierhaltung...

    ... zur Gewinnmaximierung ist ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert. Wir sollten wirklich umdenken. Weniger Nahrungsmittel kaufen, weniger wegwerfen und dafür einen Preis bezahlen, der es ermöglicht, dass Bauern ihre Tiere mit Respekt und Anerkennung für ihre Leistungen halten können - nein: müssen. Wer sind wir, dass wir meinen, so weit über dem Tier zu stehen, dass wir es behandeln wie Ware!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrizia Gerber am 11.08.2017 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Geldgier der Grossverteiler.

    Eier vom Grossverteiler waren mir instinktiv seit langem suspekt, eigentlich wusste ich nicht genau warum. Jetzt weiss ich es ! Aber Eier, wirklich ganz frisch und viele andere Produkte, kaufe ich immer in einem Hofladen aus Eigenproduktion. Von einer jungen Bauern-Familie aus Leidenschaft, wo einem der Hof, der Hühnerstall samt Freilauf stolz und gerne gezeigt werden, wo die Bauern-Kinder die zutraulichen Legehennen noch streicheln. Ja, ich verschmutze halt deswegen die Umwelt. Ich fahre mit dem Auto jedesmal 14 km hin und zurück zu diesem Hofladen. Den Grossverteilern sei Dank.

  • Onkel Albert am 11.08.2017 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ursache und nicht Folgen bekaempfen

    Fipronil wird auch in Laeuse/Zeckenmittel fuer Haustiere verwendet - und so direkt in Millionen Haushalte getragen. Da nichtsachgemaesse Anwendung, absichtlich oder fahrlaessig, nie ausgeschlossen werden kann, muessten die gefaehrlichen Inhaltstoffe verboten werden. Industrieinteressen sind aber zu gewichtig. Siehe auch Bienensterben durch seit Jahren bekannte Stoffe.

  • Andlä am 11.08.2017 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nüt nöis

    In Belgien gibt es massenhaft faule Eier.....

  • André am 11.08.2017 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    frisch und regional

    Und wir werden wieder dahin zurückgehen müssen, die Lebensmittel beim Bauer um die Ecke zu kaufen... Da weiss man was man hat. Lebensmittel frisch und regional! Und dann natürlich selber verarbeiten... (Für die Städter muss dann wohl trotzdem importieren... ;-))

  • Rene am 11.08.2017 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Eier?

    Wer isst schon Menstruationsabfälle von Hühnern. Wie eklig ist das denn. Ich esse seit ich 18 bin keine Lebensmittel mit Eiern. So tu ich nicht nur was Gutes für meine Gesundheit sondern auch für den Tierschutz.