«Paradise Papers»

05. November 2017 19:27; Akt: 05.11.2017 19:42 Print

Der Trump-Minister und die Deals mit Familie Putin

US-Handelsminister Wilbur Ross hält Anteile an einer Reederei, die für den Machtzirkel des russischen Präsidenten Gas transportiert.

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Handelsminister Wilbur Ross (2.v.r.) mit Präsident Donald Trump, Vize-Präsident Mike Pence und Schwiegersohn Jared Kushner. (Archiv) (Bild: AFP/Drew Angerer/EPA)

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Die Paradise Papers decken fragwürdige Verbindungen eines Ministers aus Donald Trumps Kabinett zu Putin-nahen Oligarchen auf. Handelsminister Wilbur Ross hält über ein komplexes Offshore-Geflecht Anteile an der Reederei Navigator, die für den russischen Energiekonzern Sibur Flüssiggas nach Europa transportiert. Das zeigen Recherchen in den Paradise Papers und US-Börsendokumenten.

Die Besitzer von Sibur, mit denen Navigator geschäftet, gehören zum innersten Machtzirkel Moskaus – unter ihnen ist auch Kirill Shamalow, ein Schwiegersohn Wladimir Putins. Ross löste die meisten seiner Firmenbeteiligungen auf, bevor er im Februar 2017 seinen Posten in Trumps Kabinett übernahm. Die Navigator-Anteile behielt er.

Experten sehen im Fall Sibur erhebliche potentielle Interessenskonflikte. Als Wirtschaftsminister hat Ross Kontrolle über die US-Handelspolitik. Dadurch kann er Einfluss auf die Haltung der Regierung gegenüber Russland ausüben – was Folgen für Siburs Besitzer haben kann. Umgekehrt haben die Putin-nahen Oligarchen hinter dem Gasexporteur, und damit auch der Präsident selber, Einfluss auf Siburs Geschäfte mit der Navigator-Reederei.

Laut Richard Painter, der unter George W. Bush als Ethik-Anwalt diente, müsse der Handelsminister möglicherweise bei Sanktionsentscheiden in den Ausstand treten. Zwar sei Ross' Beteiligung an Navigator nicht per se illegal, man müsse aber genauer hinschauen. «Ich wäre sehr beunruhigt, würde jemand in der US-Regierung mit den Russen geschäften», sagt Painter. Ein Sprecher von Ross bestritt auf Anfrage jeden Interessenkonflikt. Minister Ross meide alle Themen, die mit transozeanischer Schifffahrt zu tun hätten. Er trage aber «generell» die US-Sanktionen gegen russische Entitäten mit. Die Oligarchen, denen Sibur gehört, habe er nie getroffen.

Tamedia-Journalisten bei Recherchen dabei

382 Journalisten veröffentlichen ab heute ihre Recherchen, die auf den 13,4 Millionen Dokumenten der Paradise Papers beruhen. Ein Team von «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung» zeigt fragwürdige Geschäfte mit Schweizer Beteiligung auf:

Wie ein Schweizer von Angolas Milliarden profitiert: Jean-Claude Bastos verwaltet den angolanischen Staatsfonds. Das Datenleck zeigt: Die Geschäfte nützen ihm gleich mehrfach.

Das heikle Angola-Mandat der SBB-Präsidentin: Monika Ribar verdiente gut an einem Bauprojekt des angolanischen Staatsfonds. Auch andere Schweizer Promis helfen dem Kopf dahinter.

Glencores Wunderwaffe: Der Schweizer Rohstoffriese liess einen umstrittenen Geschäftsmann mit dem Kongo verhandeln. Dem Land entgingen Hunderte Millionen Dollar.

Trudeaus Financier verschob Millionen in eine Steueroase: Der kanadische Premier bekämpft Schlupflöcher im Steuersystem. Dokumente zeigen, dass ausgerechnet sein Geldbeschaffer die Steuergesetze umschiffte. Das Geld landete auf einem CS-Konto.

(mch)