Schmähpreis

04. Januar 2013 06:24; Akt: 04.01.2013 15:33 Print

Bündner Stromkonzern am Mafia-Pranger

von Sven Zaugg - Happige Vorwürfe an das Schweizer Unternehmen Repower: Der Stromkonzern soll «Hand in Hand mit der Mafia» zusammenarbeiten, behaupten NGOs.

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Es ist ein Preis, den niemand will. Ende Januar vergeben die Erklärung von Bern (EvB) und Greenpeace während dem World Economic Forum (WEF) in Davos die «Public Eye Awards» - «ein Schmähpreis für die schlimmsten Fälle von Menschrechtsverstössen und Umweltsünden», wie die Jury in ihrem Vorbericht festhält. Unter den nominierten Unternehmen für den Publikumspreis (siehe Box) befindet sich auch ein Schweizer Stromkonzern: Repower.

Die Vorwürfe sind happig. Das im bündnerischen Poschiavo ansässige Unternehmen mit einem Umsatz von 2,52 Milliarden (2011) plane gegen den Widerstand der lokalen Bevölkerung im italienischen Kalabrien ein Steinkohlekraftwerk und arbeite mit der berüchtigten Mafiaorganisation ´Ndrangheta zusammen.

«Repower ist eine Verbindung mit korrupter Politik und mafiösen Strukturen eingegangen, um ein sozial und ökologisch unverträgliches Kohlekraftwerk zu bauen», sagt Markus Keller, Co-Präsident der Nichtregierungsorganisationen «Zukunft statt Kohle» im Gespräch mit 20 Minuten Online. Aufgrund seiner Recherchen wurde Repower für den Puplic-Eye-People's-Award nominiert.

Der Pakt ist «nutzlos»

Ganz anders sieht das Werner Steinmann, Pressesprecher von Repower. Er nimmt zur Kenntnis, dass Repower für diesen unrühmlichen Preis nominiert worden ist. Die Anschuldigungen aber seien unhaltbar, betont er. «Es gibt keine Hinweise dafür, dass wir gesetzeswidrig gehandelt hätten. Auch der Vorwurf, mit korrupten Politikern oder gar der Mafia zusammenzuarbeiten, ist aus der Luft gegriffen.»

Repower hat nach eigenen Angaben den sogenannten Legalitätspakt unterzeichnet, in dem sich der Stromkonzern verpflichtet, nur mit seriösen Unternehmungen zusammenzuarbeiten, um das Steinkohlekraftwerk im kalabrischen Saline Ioniche zu realisieren.

Was Steinmann gegenüber 20 Minuten Online jedoch verschweigt: Der Legalitätspakt ist eine Selbstdeklaration. Laut Keller von der NGO «Zukunft statt Kohle» hat selbst der oberste Mafiajäger Italiens, Piero Grasso, gesagt, dass dieser Pakt nutzlos sei.

Standortgemeinde gegen Kraftwerk

Auch juristisch ist die Faktenlage alles andere als klar. Keller wirft Repower vor, dass die Planung des Doppelblockraftwerks über 1000 Megawatt dem Schweizer Unternehmen lediglich dazu diene, mit «Verbündeten in Rom» die Bewilligungshoheit der Region Kalabrien zu umgehen.

Die gesetzliche Grundlage dazu wurde bereits unter der Regierung Berlusconi geschaffen. Demnach entzieht eine Sonderregelung den Regionen bei Kraftwerken mit mehr als 1000 Megawatt Leistung die alleinige Entscheidungsbefugnis.

Darüber hinaus könnte sich die Zustimmung der Regierung Monti zum Umweltverträglichkeitsbericht im Juni 2012 als verfassungswidrig herausstellen. Bereits im September rekurrierte die Region Kalabrien mit der Unterstützung der Standortgemeinden Montebello Jonico und einer grossen Anzahl weiterer Gemeinden bei den zuständigen Gerichten gegen den Bericht. Zumal die Region in ihrem bis heute gültigen Energie-Richtplan von 2005 Kohle zur Energie-Erzeugung ausgeschlossen hatte.

Sofortige Einstellung des Projekts

Keller fordert derweil eine sofortige Einstellung des Projekts: «Regierung und Parlament des Kantons Graubünden sollen sich von den Kohlekraftwerksplänen der Firma Repower distanzieren.» Ob er Gehör findet, wird sich zeigen. Denn: Der Kanton Graubünden hält nicht weniger als 58,3 Prozent am Stromkonzern Repower.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc Gelardini am 04.01.2013 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    die Realität

    Tatsächlich gibt es Verbindungen zwischen der südläncischen Unterwelt und Repower. Das kann der Unterzeichner hier belegen. Wir haben verschiedene logistische Projekte für Windkraft in Süditalien realisiert. Leider sind auch Vestas, Siemens und Konsorten in diesem Sumpf versoffen. Die Aussage "Es gibt keine Hinweise dafür, dass wir gesetzeswidrig gehandelt hätten" erzeugt bei mir Brechreiz.

  • Michael B. Moser am 04.01.2013 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ein kleiner Geist in einem kleinen Land

    Herrlich, wenn man solches liest. Wir schweizer Kleingeister machen uns gedanken über Öko-Kaffee und Stromsparlampen, dabei bläst ein einizges grosses Kohlekrafwerk im Jahr mehr CO2 in die Luft als die ganze Schweiz zusammen (inkl. Häuser, Verkehr, Industrie usw.). Was sind wir doch für armselige Kleingeister.

  • Habe Genug am 04.01.2013 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NGOs , der neue Heiland?

    Und die NGOs sind über alle Zweifel erhaben? Falls sie Beweise haben, wo sind sie. Ich kann sie nicht mehr hören diese, Erklärung von Bern etc. Selbsternannte Weltpolizei,auf welcher Basis? Mussten noch nie einen Franken ehrlich erarbeiten, für mich alles nur Schmarotzer, sollen ja nie an meiner Türe betteln kommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Erika06 am 04.01.2013 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit zu erwachen

    Ich habe alle Kommentare gelesen und alle sind wahr. Was schliessen wir daraus? Dass es keine Verschwörungstheorien gibt, sondern tatsächlich Verschwörungspraktiken existieren, das ganze Weltsystem ist reine Manipulation, es geht nur um Macht und Gier! Endlich erwacht langsam die weltweite Bevölkerung, es wird sich einiges zum positiven ändern auf unserer Welt, braucht noch etwas Zeit, aber die Bevölkerung hat keine Lust mehr, sich ausbeuten zu lassen und beginnt, zu rebellieren. Es ist an der Zeit, aufhören zu lügen und die Wahrheit auszusprechen, wir tragen alle die Verantwortung!

    • RolandJ01 am 05.01.2013 13:56 Report Diesen Beitrag melden

      Energiewende wird ignoriert

      Die Verbandelung der Repower mit der N'drangeta ist nur noch das Tüpfchen auf dem i. Man kann daran sehen wie weit Firmen und ihre Manager gehen um ihre Gewinne und Boni zu maximieren. Dass die Repower statt die Energiewende aus nachhaltiger Sicht anzugehen auf Kohlekraftwerke setzt, ist das Grundübel bei Repower. Sie tun das im vollen Bewusstsein und zu Lasten der Umwelt und unseren Kindern.

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  • peter huber am 04.01.2013 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ndrangheta

    wenn ihr wüsstet was alles in der region kalabrien abgeht....von mir aus gesehen, die korrupteste region europas. ich war schon in weissrussland, albanien, bosnien etc. aber nie sah ich etwas wie kalabrien.

  • Marc Gelardini am 04.01.2013 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    die Realität

    Tatsächlich gibt es Verbindungen zwischen der südläncischen Unterwelt und Repower. Das kann der Unterzeichner hier belegen. Wir haben verschiedene logistische Projekte für Windkraft in Süditalien realisiert. Leider sind auch Vestas, Siemens und Konsorten in diesem Sumpf versoffen. Die Aussage "Es gibt keine Hinweise dafür, dass wir gesetzeswidrig gehandelt hätten" erzeugt bei mir Brechreiz.

  • Fritz Gubser am 04.01.2013 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nutzlose Selbstdeklaration

    In vielen Branchen gibt es solche absurden Selbstdeklarationen. Nichts anderes als Lügen auf Papier, denn eine unabhängige Überprüfung gibt es nicht - deshalb machen ja auch alle immer gerne mit. Sie sind so wertlos wie das Papier auf dem der Kram verfasst wurde. Der Kanton Graubünden würde auf jeden Fall gut daran tun, die Vorwürfe genau zu prüfen. Dass rein zufällig natürlich Berlusconi die Finger im Spiel hat, macht die Sache schon per se verdächtig.

  • d.m. am 04.01.2013 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auf uns normalbürger

    immer das gleiche. aber es wird sich erst etwas ändern wenn die bewölkerung auch mitmacht. kein bezin tanken bei shell, keine konten bei ubs etc, in der nähe einkaufen in kleinen läden. und bei abstimmungen auf verbesserungen für den normalbürger stimmen-und nicht ewig glauben dass schadet der wirtschaft können wir uns nicht leisten...